Männer empfinden das Achten auf Work-Life-Balance gelegentlich als typisches Frauen-Ding und belächeln es.

Die üblichen Rechtfertigungs-Argumente, wie die, dass Männer gern gemeinsam Fußball schauen, ins Fitness-Center oder ein Bierchen trinken gehen, etc. möchte ich hier gar nicht bemühen. Viel mehr möchte ich die schlichte Frage stellen, was schlecht daran sein sollte, auf eine ausgewogene Work-Life-Balance zu achten? Sicher, es gibt berufliche Situationen, wo man einfach mal ranklotzen muss – das ist bei verantwortungsvollen Jobs nicht immer zu vermeiden und sollte zu Stoßzeiten machbar sein.

Aber auf Dauer ist eine gesunde Balance von Arbeit und Freizeit gut für die Gesundheit jedes Einzelnen und daher auch für das Unternehmen, das den jeweiligen Mitarbeiter beschäftigt. Nicht von ungefähr engagieren modern geführte Unternehmen Gesundheits-Coaches, fördern Sportevents, an denen die Mitarbeiter teilnehmen und verabschieden sich vom 24-stündigen Erreichbarkeits-Wahn.

Wie viel Kreativität und Engagements kann man von bleichen, überarbeiteten Mitarbeitern erwarten, die keinerlei Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ausstrahlen? Die sich noch dazu von ihren Familien entfernen, weil sie nur noch im Laufrad ihrer Arbeitsmaschinerie rotieren? Möchten Sie gern mit ihnen zusammen arbeiten oder freuen sich gar auf den nächsten Termin mit ihnen? Vermutlich nicht!

Vielleicht ist es ja so, dass Männer weniger auf ihre Balance achten. Kennen Sie auch solche Exemplare, die wie aufgedrehte Arbeits-Marionetten wirken, die pflichtbewusst, aber genervt ihre Arbeit erledigen und das von den Vorgesetzten gesteckte Arbeits-Ziel nie aus den Augen verlieren, ohne es jemals zu hinterfragen?

Ganz besondere Exemplare gefällig? Nick Leeson, Yasuo Hamanaka, Jérôme Kerviel und Kweku Adoboli, müssen solche zielstrebigen Exemplare gewesen sein. Denen hat man gesagt: „Mach viel Gewinn“, und das haben sie versucht – mit ganzem Einsatz und voll auf Risiko. Leider gingen ihre Spekulationen schief, und im verzweifelten Bemühen um das Kaschieren ihrer Niederlage bescherten sie ihren Banken-Arbeitgebern jeweils mehrere Milliarden Dollar Verluste, Gerichtsprozesse und viel Häme. Solche Exzesse von Un-Balancen sind von Frauen nicht bekannt – zumindest mir nicht.

Ladies, lasst uns nicht von irgendwem weismachen, das Achten auf die Work-Life-Balance sei ein zu vermeidender weiblicher Webfehler! Lasst uns die gesunde und machbare Work-Life-Balance im Auge behalten! Das Leben besteht aus „Work“ und aus „Life“ – und beides möglichst voll. Auf dass wir beides genießen können!

Herzlichst

Ihre Anke Dembowski

 

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