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„Unternehmen in Nordeuropa oder Frankreich sind mit dem Thema Diversity erheblich weiter“

Stefan Höhne ist Direktor Institutionelle Kunden Nachhaltige Kapitalanlage bei Ampega Investment in Köln und betreut dort den ersten Gender-Fonds Deutschlands, den Ampega GenderPlus Aktienfonds. Fondsfrau Anke Dembowski spricht mit ihm über das Thema ESG, und wie sich Gender-Diversity dort einfügt.

Herr Höhne, Sie betreuen den Ampega GenderPlus Aktienfonds seit seiner Auflage im April 2015. Dieser Fonds investiert in Unternehmen, die besonderen Wert auf eine Vielfalt in der Personalstruktur legen, so dass weder das männliche noch das weibliche Geschlecht unterrepräsentiert ist. Was ist der Leitgedanke hinter diesem Konzept?
Der Leitgedanke ist die bewusste Anerkennung und Förderung geschlechtlicher Parität in Unternehmen, also dort wo Vielfalt integrativer Bestandteil in der Unternehmenskultur ist. Wissenschaftliche Studien belegen, dass geschlechtsspezifische Diversität den Erfolg eines Unternehmens durch größere Vielfalt und unterschiedliche Sichtweisen langfristig steigern können.

Wie wird dieser Gedanke im Anlagekonzept umgesetzt?
Zieluniversum für das Portfolio sind Unternehmen aus dem German Gender Index, einem Index der Börse Hannover. Der Index besteht aus fünfzig deutschen Unternehmen, die führend sind bei der Gender Diversität in Vorstand und Aufsichtsrat. Im Index liegt der Fokus auf deutschen Unternehmen, die auf diese Vielfalt besonders achten. Im Rahmen einer quantitativen Analyse werden anhand bestimmter Kriterien die Unternehmen mit attraktiven und nachhaltigen Dividendenzahlungen, stabilen Erträgen und geringer Schwankungsbreite herausgefiltert. Bei dieser Fundamentalanalyse bietet die Nachhaltigkeit der Erträge einen wichtigen Mehrwert im Vergleich zur passiven „naiven“ Dividendenstrategie. Erfahrungsgemäß weisen diese Titel einen Bewertungsschutz in unruhigen Börsenzeiten auf. Faktoren wie „Low Vola“, „Quality“ und „Dividende“ finden hier also Einzug ins Portfolio.

Was ist die Herausforderung bei der Umsetzung?
Nur weil ein Unternehmen auf einen ausgeglichenen Anteil weiblicher und männlicher Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder achtet oder eine Vielfältigkeit anstrebt, ist es nicht automatisch wirtschaftlich erfolgreicher. Dementsprechend werden diese Titel nochmals einer Fundamentalanalyse unterzogen und nicht passiv im Fonds abgebildet.

Welche Firmen sind im Gender Index, finden jedoch nicht den Weg in Ihr Portfolio aufgrund Ihrer Fundamentalanalyse?
Beispielhaft sind hier Volkswagen, die Deutsche Bank oder die Deutsche Lufthansa  zu nennen.

Was bedeutet das für Ihre aktuelle und zukünftige Portfoliokonstruktion?
Wir finden aktuell in Deutschland nicht genügend Unternehmen mit einer diversifizierten Personalstruktur, die gleichzeitig unseren Qualitätsanforderungen entsprechen. Daher haben wir uns entschieden, eine Beimischung europäischer Unternehmen, die sowohl den Diversity Gedanken als auch die quantitativen Kriterien erfüllen, in den Fonds aufzunehmen. Als Beispiel kann man hier die Investor AB aus Schweden nennen, welche aktuell im Portfolio ist. Dieser Anteil kann sich perspektivisch noch erhöhen, da Unternehmen in Nordeuropa oder Frankreich mit dem Thema erheblich weiter sind. Wichtig ist uns in diesem Zusammenhang auch eine breite Branchendiversifikation.

Mittlerweile wollen oder müssen viele Investoren einen ESG-Ansatz verfolgen. Gehört Diversity – insbesondere Gender-Diversity – aus Ihrer Sicht zum ESG-Themenkranz?
Ja, Gender-Diversity stellt einen Teilbereich des S, also der „Sozialen Dimension“ aus dem ESG-Ansatz dar und wird bei vielen ESG-Bewertungsmodellen oder bei externen Ratingagenturen berücksichtigt.

Wenn Sie das Thema Diversity im Fokus haben: Kann man hier von einem Faktor-Ansatz sprechen? Und wie erklären Sie die Faktor-Prämie bei Unternehmen, die Vielfalt in der Personalstruktur realisieren?
Von einem Faktoransatz kann man nicht sprechen. ESG als Oberbegriff für den Nachhaltigkeitsbereich stellt laut wissenschaftlichen Studien keinen eigenen Faktor dar. Es gibt allerdings Korrelationen zu einigen Faktoren, vor allem zu defensiven Faktoren, wie Low Vola, Quality und Dividende. ESG-Exposures vermitteln allerdings Informationen, die durch traditionelle Risikomodelle nicht erfasst werden; ESG-Events treten selten auf, wirken dafür aber langfristig. Daher ergänzt sich ESG gut mit den Faktoren Low Vola, Quality und Dividende, die zu den Faktoren mit der höchsten Stabilität gehören.

Welches Volumen haben Sie derzeit, und welches streben Sie bis Ende 2019 an?
Wir verzichten generell in dem Fonds auf Absicherungsstrategien und sind vollständig am Aktienmarkt investiert. Vor dem Hintergrund der herausfordernden Märkte konnte sich das Konzept dem Marktrückgang im Jahr 2018 nicht völlig entziehen; entwickelte sich jedoch wegen der defensiven Titelauswahl besser als der Gender-Index oder der Dax. Insgesamt stehen wir aktuell bei 40 Mio. Euro und gehen fest davon aus, dass der Fonds trotz der schwierigen Marktphase Ende 2019 ein deutlich höheres Volumen erreichen wird. Das Thema ESG bzw. Vielfalt hat auf jeden Fall erheblichen Rückenwind in der gesellschaftlichen Diskussion und in der Kapitalanlage. Wegen dieser langfristig zunehmenden Bedeutung halten wir den Fonds für besonders geeignet für regelmäßige, langfristige Sparpläne, sei es für die eigene Altersvorsorge oder die allgemeine Vermögensbildung. Wir stehen hier erst ganz am Anfang.

Vielen Dank für das Interview, Herr Höhne, und weiterhin viel Erfolg für Ihren Gender-Fonds!

 

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