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Kommentar: Die Ehe als finanzielle Gefahr für die Frau

Die Ehe führt viele Frauen in die finanzielle Abhängigkeit. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie verdienen 19 % der 30- bis 50-jährigen Frauen kein eigenes Gehalt. 63 % verdienen weniger als 1.000 Euro netto im Monat, da sie oft in Teilzeit und in schlecht bezahlten Berufen arbeiten. Das ist gefährlich und leider überhaupt nicht emanzipiert.

Auch in unserer emanzipierten Zeit sieht die Datenlage ungünstig für die Frauen aus. Laut Statistischem Bundesamt werden rund ein Drittel aller Ehen wieder geschieden; in Großstädten liegt der Anteil sogar noch höher. Nach heutigem Scheidungsrecht wird Ehegattenunterhalt nach der Scheidung nicht mehr so lange gezahlt wie früher. Daher stehen Frauen nach einer Scheidung oft finanziell mit dem Rücken zur Wand und müssen in einer für sie ungünstigen Job-Situation wieder für sich allein sorgen.

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit
Eine ungünstige Job-Situation ergibt sich z.B. wenn Frauen nur Teilzeit arbeiten, denn es ist nicht einfach, dort wieder herauszukommen – nicht nur psychisch, sondern auch rechtlich. Bis vor kurzem war es so, dass Mitarbeiter zwar das Recht hatten, von einer Vollzeit- in eine Teilzeitstelle zu wechseln, aber der Weg zurück war verwehrt. Erst im Sommer 2018 beschloss die Bundesregierung das Recht auf Rückkehr aus Teilzeit- in Vollzeitarbeit. Diese Neuerung gilt aber nur für Arbeitnehmer, die ab 1. Januar 2019 einen Arbeitsvertrag in Teilzeit abschließen und in einem Betrieb mehr als 45 Mitarbeitern arbeiten. Mittelständler mit 45 bis 200 Angestellten müssen diesen Anspruch nur einem von 15 Mitarbeitern gewähren.

Natürlich werden es viele verheiratete Männer angenehm finden, wenn ihre Frau ihnen die Familien- und Hausarbeit abnimmt und daher weniger arbeitet, und es ist auch klar, dass kulturell immer noch eher von der Frau als vom Mann erwartet wird, beruflich kürzer zu treten, wenn die Familie dies erforderlich macht. Die Schuld aber allein im frauenfeindlichen Umfeld zu suchen, ist zu kurz gesprungen. Oft sind es die Frauen selbst, die sich bereitwillig in das immer noch geltende gesellschaftliche Leitbild fügen – auch, weil es ganz kommod ist! So müssen sie sich nicht in einem Vollzeit-Job aufreiben, sich nicht mit anstrengenden Kollegen oder Chefs auseinandersetzen, und auch der Konfrontation einer schwierigen Gehaltsverhandlung gehen viele Frauen lieber aus dem Weg. Der partnerschaftliche Gedanke „Unsere beiden Einkommen zusammen reichen ja gut aus“, scheint für eine gewisse Ruhe, aber auch Lähmung zu sorgen.

Die Frau in der Rolle der „Hinzuverdienerin“
Auch die Berufswahl von Frauen fällt häufig auf weniger gut bezahlte Jobs, wobei hier keine Statistiken vorliegen, ob dies bei Frauen, die vorhaben zu heiraten, anders aussieht als bei Frauen, die nicht heiraten wollen. Zumindest ist es so, dass der überwiegende Teil der Stellen in schlecht bezahlten Berufen wie z.B. in der Alten-, Kranken- oder Kinderpflege von Frauen besetzt ist. Männer entscheiden sich von vornherein eher für die besser bezahlten Berufe, z.B. im technischen Bereich.

Auch wenn das gesellschaftliche Leitbild nicht mehr das der Hausfrauenehe ist, ist es doch das der Hinzuverdiener-Gemeinschaft, in der der Mann der Hauptverdiener ist und die Frau ein wenig hinzuverdient. Nur bei 13 % der Ehepaare in Deutschland verdient überwiegend die Frau das Familieneinkommen; in Ostdeutschland sind es 21 %, schreibt die „Zeit“ in ihrem Beitrag „Wenn Mama das Geld verdient“.

Auch die deutsche Gesetzgebung zementiert das alte Rollenbild und hinkt damit der Zeit hinterher. Alte Zöpfe, die noch aus der Gedankenwelt der Hausfrauenehe stammen, halten sich einfach zu lange! Immer noch haben wir ursprünglich gut gemeinte aber heute nicht mehr gut wirkende Dinge wie das Ehegattensplitting, die Hinterbliebenen-Rente und die beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenversicherung. Diese Dinge waren einmal für Frauen gedacht, die im Haupt-Job „Gattin“ sind. In der heutigen Realität stellen diese sozialen Süßfrüchte Hürden zur Aufnahme einer Vollzeitstelle der Frau dar, denn sie verleiten zur traditionellen Rollenverteilung.

In der Konsequenz zementiert die Ehe auch heute noch die finanzielle Abhängigkeit der Frau in Deutschland, denn nicht selten rutschen sie – teilweise sogar freiwillig – in die Rolle der Hinzuverdienerin. Diese Erkenntnis spricht nicht gegen das Heiraten per se. Vielmehr sollten sich Frauen über diesen gefährlichen Zusammenhang bewusst sein und endlich ihre rosarote Brille ablegen, um ihre finanzielle Freiheit und Entwicklungsmöglichkeit nicht aus dem Auge zu verlieren.


Dieser Kommentar gibt die Meinung von Fondsfrau Anke Dembowski wider.

 

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