„Die Drachme wieder einzuführen, wäre meines Erachtens so grotesk, als würde Griechenland eine Gedenkmünze herausgeben, über die ins Leben gerufene Institution“, entgegne ich dem Finanzvorstand unserer Gesprächsrunde. Es ist Kaffeepause eines Fachforums für CFOs. In einer fünfköpfigen Runde diskutieren wir – wie in diesen Tagen obligat – über den Ausstieg aus der Währungsunion der Hellenischen Republik.

„Zum Thema Griechenland fällt mir Kleopatra ein“, so die Vertriebsmanagerin einer Fondsgesellschaft unseres Kreises. „Kleopatra war ja griechischer Herkunft, und als sie an die Macht kam, stand sie vor leeren Kassen. Sie schaffte es, die Wirtschaft im Laufe der Zeit zu konsolidieren und führte Ägypten wieder auf einen stabilen Entwicklungsweg. Ich gebe zu“, äußert sich die Produktverkäuferin ehrlich, „ich wäre gerne wie Kleopatra. Vielleicht hätte ich dann einen Tick mehr Erfolg.“

Kleopatra

 

In der Tat, Kleopatra die VII. war nicht nur klug, sondern wie man es heute, über 2000 Jahre später, nennt, eine Powerfrau. Um das von ihrem Vater in den Ruin getriebene Land wieder auf Kurs zu bringen, wertete sie als erstes die Währung um ein Drittel ab, stoppte die Produktion von Goldmünzen und senkte den Silberpreis. Des Weiteren griff sie zu einer großen Neuerung: Die Königin gab Münzen verschiedenen Wertes heraus. Unabhängig vom Gewicht der Geldstücke musste dieser Wert ab sofort akzeptiert werden. Auch im Bereich der Innenpolitik war sie höchst erfolgreich und genoss die Unterstützung des Volkes. Was aber das wahre Genie von Kleopatra war: In einer ausweglosen Situation improvisierte sie wie wild, erfand sich ständig wieder neu und hatte das Talent, die von ihren Feinden in den Weg gelegten Steine am Ende des Tages sogar für sich zu nutzen. Ihre Kreativität kannte dabei kaum Grenzen.

Was können wir nun von Kleopatra lernen und umsetzen? Kleopatra war laut den alten Quellen neben ihrer Schönheit witzig, intelligent, charmant, sprachbegabt, übte in der Unterhaltung eine unwiderstehliche Anziehung aus, hatte ein Feingefühl für Demagogie (in der Antike übrigens positiv behaftet!) und insbesondere eine unglaubliche Entschlossenheit.

Ob allerdings der Plan heutzutage noch aufgeht, sich beispielsweise eingerollt in einem Teppich in das Büro eines potenziellen Geschäftspartners schmuggeln zu lassen, um ihn in Folge halbnackt als Aphrodite für sich zu gewinnen, wie es Kleopatra bei dem damaligen mächtigsten Mann der Welt -Julius Cäsar – tat und sich damit auch tatsächlich die Krone Ägyptens sicherte, ist ausgesprochen fraglich. Wir sollten uns auch kein Beispiel daran nehmen, dass sie so manch einen, der sich ihr in den Weg stellte, kurzum ins Jenseits befördern ließ.

Was wir Frauen aber sehr wohl für diesen einen Tick mehr Erfolg von Kleopatra übernehmen können: Seien Sie kreativ, innovativ, erfinden auch Sie sich selbst immer wieder neu, seien Sie wissenshungrig, verbreiten Sie „l‘esprit Mortemart“, halten Sie sich von jeglicher Larmoyanz fern; und vor allem, bleiben Sie locker! Denn eines haben wir Kleopatra ganz klar voraus: Wir stecken nicht im Dilemma, eine 3000 Jahre alte Kultur verteidigen zu müssen.

Also, Willkommen Kleopatra Superweib 2.0!

 

Unterschrift

 

Barbara Bertolini schreibt anekdotisch über ihre Kommunikationserlebnisse mit Männern und Frauen in der Finanzbranche

Bilderrechte: www.stefanjoham.com

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