„Die kleine Verwandlungskünstlerin scheint ihre Anziehungskraft allmählich zu verlieren. Konzernboss Christopher Sinclair kämpft bereits seit 2012 mit Umsatzverlusten. Im zweiten Quartal 2015 verzeichnete das Unternehmen nun erneut einen Zusammenbruch des Absatzes von umgerechnet 10,5 Millionen Euro. Mit einem Rückgang von sieben Prozent blieb der Umsatz hinter den Analystenerwartungen.“

Ich starre auf den überdimensionalen Bildschirm am Empfang einer großen deutschen Versicherung. Der nt-v Nachrichtensprecher führt fort: „Mädchen interessieren sich nicht mehr für Barbie, sondern für elektronisches Spielzeug wie Tablets.“ Ich bin schockiert. Nota bene: Ich habe im Alter von 15 Jahren noch mit Barbiepuppen gespielt.

Manch so einer, der die Anti-Barbie-Sprüche aus den 1970er Jahren noch immer nicht reflektiert hat, wird sich vermutlich ins Fäustchen lachen und sagen: „Pahh, recht geschieht ihr, dieser torpedobusigen, magersüchtigen, mit 57 Jahren noch vollkommen faltenfreien, egozentrischen und finanziell unabhängigen Barbie, dass auch deren Aktienkurse mal in den Keller fallen.“

Aber mal ehrlich: war uns Barbie nicht schon seit den 1950er Jahren weit voraus? Immerhin symbolisierte sie neben trivialen Themen wie Frisur, Make-up und Modedesign bereits damals die Frau, die wir heute –über 50 Jahre danach – teilweise sind oder sein wollen: Barbie backt Kuchen, aber nicht für einen Kindergeburtstag oder für Ken, sondern lädt anschließend ihre Freundinnen zum Tee ein. Barbie besitzt ein eigenes Haus, ein Cabrio und weil’s ja so hip ist, auch ein Pferd. Des Weiteren hat Miss Plastic neben rund 180 verschiedenen Berufen (man darf ja wohl dazwischen mal was Neues ausprobieren!) eine kometenhafte Karriere hingelegt. Sie landete vier Jahre vor Neil Armstrong auf dem Mond, hat als Chirurgin und Air-Force-Pilotin gejobbt, war beispielsweise Rennfahrerin des Motorsportverbands Nascar oder übte sich als Unternehmerin. Klar, es gibt einen Ken, mit dem ist sie liiert, aber nicht verheiratet. Selbst ihn hatte sie 2004 kurzum für eine mehrjährige Liaison gegen den australischen Surfer-Boy Blaine ausgetauscht. Und zu guter letzt: Ihr Aussehen ist nach knapp sechs Jahrzehnten noch immer unübertrefflich! Awwwwww!

Ganz entre nous und lassen wir die Schimäre mal außen vor: Ich finde das absolut impertinent! Ich selbst bin auf dem Land aufgewachsen, kann zwar kochen und Kuchen backen und gerade mal zwei Sprachen sprechen, aber Karriere? Im Vergleich zu Barbie, ….was für eine Karriere, bitte schön?! Und der vorübergehende Absatzverlust dürfte bei Barbie nicht mehr als ein Schulterzucken ausgelöst haben. Denn sie schreitet bereits ganz cool auf neuem Terrain und kandidiert aktuell in Form von Hillary Clinton für das Amt der vermutlich ersten US-Präsidentin. Chapeau!

Tja, ich perpetuiere somit meine „Karriere“ weiterhin mit Charakter, Charisma, Charme und Intelligenz – also über die uns menschenmöglichen und tatsächlichen Indikatoren für dauerhafte Anziehungskraft – und hoffe darauf, über diesen Weg weiterhin in den schwarzen Zahlen zu bleiben. Hmmm, …. ich denke, das ist ein guter Plan!

Heute mit sommerlichen Grüßen aus Spanien!

Unterschrift

Barbara Bertolini schreibt anekdotisch über ihre Kommunikationserlebnisse mit Männern und Frauen in der Finanzbranche

 

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