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UBS Studie zeigt: Frauen kümmern sich zu wenig um Finanzfragen

Finanzielle Entscheidungen sind keine Frage des Geschlechts – oder doch? Um herauszufinden, wie Frauen im Vergleich zu Männern mit ihrem Vermögen umgehen, hat UBS Global Wealth Management pünktlich zum Weltfrauentag eine interessante Studie veröffentlicht. Dazu hat die UBS von September 2017 bis Januar 2019 insgesamt 3652 Frauen aus Brasilien, Deutschland, Hongkong, Mexiko, Singapur, Schweiz, Italien, GB und die USA befragt und 71 Tiefeninterviews geführt. Die Ergebnisse veröffentlichte das Haus dann in der aktuellen Ausgabe von Investor Watch. Hier die wichtigsten Ergebnisse:

  • Bei Finanzfragen dominiert das traditionelle Rollenbild: Langfristige Finanz- und Anlageplanung bleibt Männersache, während Frauen alltägliche Ausgaben verwalten
  • Nur wenige Frauen werden von ihren Partnern aktiv einbezogen: Ganze 74 % aller deutschen Frauen geben an, nie durch ihren Partner ermutigt oder zur Beteiligung eingeladen worden zu sein
  • Gerade Millenials verfallen in alte Mustern: In Deutschland verlassen sich rund 63 % aller Millenial-Frauen bei finanziellen Entscheidungen ganz auf ihre Ehemänner
  • Nach der Ehe warten häufig unangenehme Überraschungen: Mehr als Hälfte aller befragten Frauen in Deutschland fand erst nach der Ehe heraus, dass ihr Partner Geld vom Gemeinschaftskonto genommen hatte

Statt selbst Verantwortung zu übernehmen, geben verheiratete Frauen finanzielle Entscheidungen mit langfristigen Vermögensauswirkungen mehrheitlich an ihre Partner ab – und sehen sich nach der Ehe doch häufig unerwarteten Problemen ausgesetzt.

In Deutschland ist das traditionelle Rollenbild dabei stärker ausgeprägt als in anderen Regionen: Während in Ländern wie Mexiko (39%) oder Brasilien (45%) tendenziell weniger Männer finanzielle Entscheidungen allein verantworten, überlassen in Deutschland ganze 60 % diese wichtigen Entscheidungen ihren Partnern. Lediglich 23 % der deutschen Frauen geben an, die Führungsrolle in der Ehe auszufüllen. Nur 19 % treffen Entscheidungen gemeinsam mit ihrem Partner. Während die meisten deutschen Frauen (75%) ihre aktuelle finanzielle Situation jedoch sehr positiv einschätzen, sind die von ihnen getroffenen finanziellen Entscheidungen primär auf kurzfristige Aktivitäten ausgerichtet. So ist die große Mehrheit während der Ehe lediglich für alltägliche Ausgaben (86%) und große Einkäufe (84%) verantwortlich.

Geringes Selbstvertrauen im Umgang mit Finanzen ist weit verbreitet
Die Mehrheit der deutschen Frauen nennt mangelndes Wissen als einen der Hauptgründe für ihr geringes Engagement. 68 % aller verheirateten Frauen hierzulande vertreten die Meinung, dass ein hohes Maß an Wissen erforderlich sei, um gute Investitionsentscheidungen treffen zu können, doch weniger als die Hälfte (46%) glaubt, dieses tatsächlich zu besitzen. Dabei ist die mangelnde Ermutigung durch den Ehepartner ein wesentliches Hemmnis für das eigene Engagement. Ganze 74 % aller deutschen Frauen, die sich auf ihren Ehepartner verlassen, geben an, nie durch diesen ermutigt oder zur Beteiligung eingeladen worden zu sein. Nur in der Schweiz stimmen mit 81 % noch mehr Frauen dieser Aussage zu.

Gerade Millenials lösen sich nicht vom traditionellen Rollenbild
Anders als vielleicht erwartet, bringt der UBS Investor Watch hervor, dass im Altersvergleich gerade jüngere Frauen dazu tendieren, Anlage- und Finanzplanungsentscheidungen an ihre Ehepartner abzugeben. Weltweit geben im Schnitt fast 60 % aller 20- bis 34-jährigen finanzielle Entscheidungen ab. Dieser Trend spiegelt sich auch in Deutschland wider: 63 % der Millenial-Frauen verlassen sich in Finanzfragen auf ihre Ehemänner.

Mangelnde Einbindung führt oft zu negativen Überraschungen nach der Ehe
Angenommen die Ehe würde enden, so zeigt sich die Mehrheit deutscher Frauen (66%) zuversichtlich, ihre Finanzen allein verwalten zu können. Die Praxis zeichnet jedoch ein anderes Bild: Vier von zehn (38%) aller verwitweten oder geschiedenen Frauen geben an, auf diesen Moment nicht ausreichend vorbereitet gewesen zu sein. Ganze 79 % berichten, nach dem Tod ihres Ehepartners oder der Scheidung negative finanzielle Überraschungen erlebt zu haben. So fanden mehr als die Hälfte aller Befragten in Deutschland (51%) beispielsweise heraus, dass ihr Ehepartner Geld vom Gemeinschaftskonto genommen hatte. 47 % der Ehemänner hatten darüber hinaus eine riskantere Vermögensallokation gewählt als bekannt. Ganze 51 % der verstorbenen Ehemänner hatten kein Testament hinterlassen. Der Ratschlag deutscher Frauen, die den Tod eines geliebten Menschen oder eine Scheidung erlebt haben, ist eindeutig: 67 % der Betroffenen raten dazu, mit ihrem Ehepartner mehr über Finanzen zu sprechen. 66 % empfehlen, finanzielle Fragen in einem Ehevertrag festzuhalten.

Barbara Rupf Bee, die bei der UBS das Global Wealth Management in Deutschland verantwortet, sagt: „Wir sollten die traditionelle Rollenverteilung hinter uns lassen und Frauen zu mehr finanziellem Selbstbewusstsein ermutigen und auch entsprechend unterstützen – hier hat die Finanzindustrie die Möglichkeit, aktive Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Unsere Studie hat gezeigt, dass eine geteilte Verantwortung in der Ehe viele Vorteile hat – von einer gestiegenen Zuversicht für die Zukunft bis hin zu nachhaltigeren Entscheidungen. Aber gerade angesichts der höheren Lebenserwartung von Frauen oder dem Fall einer Scheidung ist es zum Schutz des Vermögens für Frauen essentiell, in allen Lebensphasen eine aktive Rolle bei der Finanzplanung zu spielen.“