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Studie: US-Fonds, die von weibliche Fondsmanagern geführt werden, outperformen

Verschiedenes Research zeigt: Weibliche Fondsmanager sind zahlenmäßig deutlich unterrepräsentiert. Eine mögliche Erklärung, die ein solches Missverhältnis verständlich machen könnte, wäre, dass die Leistungen von Frauen an jene der Männer nicht heranreichen. Eine andere wäre, dass es keinen objektiven Grund dafür gibt, dass Frauen unterrepräsentiert sind, da sie ähnliche Leistungen wie Männer oder sogar bessere erbringen. Was lag daher näher für Morningstar Research, als diesen Hypothesen auf den Grund zu gehen?

Aufgrund der guten Datenlage analysierte man – wie auch bei vorhergehenden Morningstar-Studien – wieder in den USA domizilierte Fonds. Studienautoren sind die beiden quantitativen Analystinnen Madison Sargis (Foto) und Kathryn Wing. Sie untersuchten ausschließlich aktiv gemanagte Aktien- und Rentenfonds, im Zeitfenster von 2003 bis September 2017. Dabei ging es um die Beantwortung von zwei Fragen. 1. Profitieren Fonds von Diversity im Management? 2. Unterscheidet sich der Track Record weiblicher Fondsmanager statistisch signifikant von jenem männlicher Fondsmanager?

Studien-Methodik
In den fast 15 Jahren bis einschließlich September 2017 waren insgesamt 11.272 aktiv gemanagte und in den USA aufgelegte Aktien- und Rentenfonds sowie 13.053 Fondsmanager und Fondsmanagerinnnen Gegenstand der Untersuchung, wobei die monatlich anaylsierten Fonds in einer Bandbreite von 3.651 bis 6.426 Fonds schwankten. Einen Survivorship-Bias gibt es nicht, da die Autorinnen auch während des Beobachtungszeitraums liquidierte Fonds in ihre Berechnungen miteinbezogen. Der Fokus lag auf relativen Monatsrenditen zur jeweiligen Peergroup, wobei auf die jeweils passenden Morningstar-Kategorie abgestellt wurde, in der es die bekannten Morningstar Sterne-Ratings gibt. Dadurch wollten die Autorinnen sicherstellen, dass der Wettstreit unter einer homogenen Gruppe von Fonds ausgetragen wird.

Kurze Zeithorizonte: Von Managerinnen gelenkte Rentenfonds outperformen
Zu interessanteren Ergebnissen kommt man, wenn Performanceresultate je Assetklasse über kurze Horizonte betrachtet werden. So zeigen US-Rentenfonds, die seit 2003 von Frauen gemanagt werden, eine kumulierte Outperformance von 4,23 % – oder 32 Basispunkte pro Jahr annualisiert – gegenüber der durchschnittlichen Fondsrendite in ihrer Kategorie. Der Großteil dieser Überrendite kam während der Finanzkrise und in den letzten drei Jahren zustande (siehe Grafik). Die Sudie enthält 124 verschiedene, von Frauen gemanagte Fixed Income Fonds. Ende 2004 gab es das Maximum dieser Fonds (47 an der Zahl), seither ging es mit der Zahl der Vehikel ständig bergab. Im September 2017 waren es gerade noch einmal 14 von Frauen gemanagte Rentenfonds.

Chart: „US-Rentenfondsperformance: Gendervergleich“
Frauen liefern, wenngleich nicht statistisch signifikant, mehr Performance

US-Rentenfonds, die seit 2003 von Frauen gemanagt werden, weisen eine kumulierte Outperformance von 4,23 Prozent – oder 32 Basispunkte pro Jahr annualisiert – gegenüber der durchschnittlichen Fondsrendite in ihrer Morningstar-Kategorie aus. Insbesondere in der Finanzkrise und in den letzten drei Jahren machten sie mehr Rendite.
Quelle: Morningstar-Studie

Portfolio-basierte Tests
In einer zweiten Testrunde stellten die Autorinnen Portfolio-basierte Untersuchungen an. Hier schufen Sargis und Wing jeweils zu Monatsbeginn drei Portfolios aus Fonds, die entweder von Männern, Frauen beziehungsweise gemischten Teams gemanagt werden. In jedem dieser drei Buckets sind die teilnehmenden Fonds gleichgewichtet. Im Fokus steht wieder die relative Performance von Aktien- und Rentenfonds zur jeweiligen Fondskategorie. Um das interssansteste vorwegzu nehmen; Auch hier kann die Hypothese, Männer lieferten bessere Performance und würden daher häufiger als Fondsmanager beschäftigt, nicht bestätigt werden. Für die in den USA aufgelegten Rentenfonds gilt sogar das Gegenteil: Frauengeführte Rentenfonds outperformen den Kategoriedurchschnitt um 35 Basispunkte pro Jahr, während gemischte Teams um 16 Basispunkte besser waren und männergeführte nur acht Basispunkte besser lagen. Bei Aktienfonds sah es hingegen anders aus: Hier lagen die von Männern geleiteten Fonds um 24 Basispunkte jährlich voran. Gemischte Managementteams erzielten die schlechtesten Ergebnisse mit einer Underperformance von neun Basispunkten im Jahr.

Betrachtung unterschiedlich langer Zeiträume
Noch einmal andere Tests stellen auf die Erfahrungen der Investoren ab. Hier werden die in den USA ansässigen Aktien- und Rentenfonds jeden Monat zwischen 2003 und September 2017 in drei Gruppen unterteilt, je nachdem, ob sie von Männern, Frauen oder gemischten Teams gemanagt werden. Diese Gruppen werden dann im Hinblick auf ihr Performanceverhalten über Ein-, Drei-, Sechs-, Zwölf-, 36- und 60 Monatsperioden untersucht. Dann sieht man sich im Vergleich dazu über jede dieser Perioden und in Geschlechter getrennt die durchschnittliche Performance der jeweiligen Fondskategorie an.

Dabei stellt sich heraus, dass die Fondsgruppen, die von Fondsmanagerinnen verwaltet werden, sowohl bei Renten- als auch bei Aktienfonds am besten abschnitten. Ein Investor kann über fünf Jahre 0,41 respektive 0,38 % pro Jahr mehr Performance von frauengeführten Fonds gegenüber dem Kategorie-Durchschnitt erwarten. Bei Rentenfonds lagen die Männer übrigens noch hinter den gemischten Teams auf dem letzten Platz. Beim Vergleich zwischen den drei Gender-Gruppen entwickelte sich die Performance der Frauen-Portfolios deutlich besser als jene der Konkurrenz ab einem Zeitraum von Zwölf-Monats-Perioden.

Untersucht man auch hier die Track Records einzelner Manager, so unterstützten die Resultate die bisherigen Ergebnisse. Unter den Fixed Income-Managern produzierten Frauen eine im Schnitt um neun Basispunkte höhere Performance als Männer, während sie bei Aktienfonds um durchschnittlich fünf Basispunkte pro Jahr gegenüber dem jeweiligen Kategoriedurchschnitt vorne lagen. Der Unterschied in den Track Records zwischen Frauen und Männern wird auch hier nach zwölf Monaten offensichtlich. Allerdings sind die Outperformance-Ergebnisse gegenüber der jeweiligen Fondskategorie niedrig.

Fazit
Die Arbeitshyothese, die mangelnde weibliche Leistung sei Schuld an der Unterrepräsentation von Frauen im Fondsmanagement, kann nach den Ergebnissen verworfen werden. Nun gilt es, in weiteren Arbeiten nach anderen Erklärungen für die geringe Frauenquote zu suchen. Morningstar hat durch die vorliegende Arbeit sicherlich einen Beitrag zur Diversity-Diskussion in der Fondsindustrie geleistet.

Der vollständige Artikel von Dr. Kurt Becker im Magazin „Institutional Money“ kann hier nachgelesen werden.


Über den Autor:
Dr. Kurt Becker ist Chefredakteur des Fach-Magazins Institutional Money.

Foto: Institutional Money

 

 

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