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„Ich werde nicht müde über ESG und Impact Investing zu sprechen!“

Dr. Susanne Lederer-Pabst arbeitete in verschiedenen Funktionen in der Finanzbranche, zuletzt als Head of Austria bei Fidelity International. Vor 8 Jahren gründete sie ihr auf nachhaltige Investments spezialisiertes Beratungs-Unternehmen Dragonfly Finance in Wien. Außerdem ist sie Mutter von zwei 8 und 10 Jahre alten Kindern. Fondsfrau Anke Dembowski unterhält sich mit Dr. Lederer-Pabst, warum ihr nachhaltige Investments am Herzen liegen, und warum sie in diesem Bereich besondere Chancen für Frauen sieht.

Susanne, warum hast Du Dich selbständig gemacht mit Dragonfly Finance?
Ich durfte am eigenen Leib erfahren, was es heißt eine Führungsfunktion in einem weltweiten Konzern infolge Mutterschaft verlassen zu müssen. So habe ich mein eigenes Unternehmen gegründet. Meinen Mitarbeiterinnen will ich dieses Schicksal ersparen und biete ihnen die Flexibilität, die sie für ihre Mutterrolle benötigen – bei gleichzeitig spannendem Berufsumfeld und gutem Gehalt. Ich fahre damit auch als Unternehmerin sehr gut. Mütter leisten Unglaubliches, sie gehören gefördert und ausreichend versorgt. Wir sind bei Dragonfly zu 100% weiblich.

Wie kamst du dazu, Dich speziell um Nachhaltigkeits-Themen zu kümmern?
Ich habe mir vor vielen Jahren schon die Sinnfrage gestellt. Als ich dann Mama wurde, wollte ich zunächst die Finanzbranche verlassen. Dann ist jedoch das Gefühl in mir immer stärker geworden, dass es genau hier, in diesem Wirtschafts- und Finanzbereich, gezielt Menschen braucht, die fähig sind zur Wandlung. Wir brauchen Menschen, die diese Branche sinnstiftend weiterentwickeln. Mein innerstes Anliegen ist es, mit meinem, unserem Tun ein Feld zu kreieren, in dem sich bewusste Intelligenz zu den Themen Nachhaltigkeit, Social-, Green- und Impact-Investing bilden kann.

Warum ist das Thema Nachhaltigkeit so wichtig?
Ich denke eine zukunftsfähige Gesellschaft braucht auch eine nachhaltige Wirtschaft – im Einklang mit der Natur. Ohne Einklang keine Nachhaltigkeit. Im Moment übersteigt unser jährlicher Ressourcenverbrauch das 1,7-fache unserer Erde, aber wir haben nur eine Erde. Fürsorge um unseren Planeten und die Notwendigkeit der Finanzierung der großen Herausforderungen unserer heutigen Gesellschaft schließen einander nicht aus – ganz im Gegenteil: Eine die Gesellschaft nährende Wirtschaft benötigt Finanzierung. Stichwort: Energiewende, soziale Infrastruktur, Bildung, und vieles weitere mehr.

Ist Nachhaltigkeit ein Thema, das sich besonders für Frauen eignet?
Ich denke ja! Frauen bringen dieses Thema glaubwürdig rüber, weil sie hier zutiefst authentisch sind. Nachhaltigkeit bedeutet ja, die Bedürfnisse der derzeitigen Generation zu erfüllen, ohne die Chancen der nächsten Generation zu gefährden. Und dieses generationenübergreifende Denken, das Aufziehen, Begleiten, Nähren sind weibliche Qualitäten. Die stecken einfach in unserer DNA und genau diese sind nun gefragt, um unser aller Überleben als Spezies zu sichern.

In Deinem Unternehmen beschäftigst Du ausschließlich Frauen…
Ja, mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Studien die belegen, dass Frauen an strategisch wichtigen Positionen den langfristigen, nachhaltigen Unternehmenswert und Profit erhöhen. Überall dort, wo männliche Monokulturen dominieren und hierarchische Strukturen das Arbeitsleben bislang bestimmten, werden diese nun nach und nach abgelöst, und neue Chancen warten auf uns Frauen. Wir sind ja von Männern umringt, die ich auch sehr schätze – aber der Finanzbereich ist nach wie vor extrem männlich dominiert, da ist es mir wichtig, für Diversität zu sorgen.

Nutzt sich das Thema Nachhaltigkeit nicht irgendwann mal ab?
Nein! Ich werde nicht müde über ESG und Impact Investing zu sprechen, über nachhaltiges Wirtschaften und die Rolle der Frauen in diesem Zusammenhang, über die Millennials, die für uns auf die Straße gehen, und die Sustainable Development Goals der UNO, die diese weltweite Nachhaltigkeits-Bewegung vorantreiben. Dabei bereitet es mir viel Freude, weibliche Werte in die Welt zu tragen. In einer Zeit, in der das Überleben unseres Planeten gesichert werden muss, braucht es eine neue Art von „Börse“. Eine, an der zunehmend soziale und ökologische Werte gehandelt werden. Es braucht den Paradigmenwechsel im Finanzbereich.

Wo siehst Du Chancen für Frauen in der Zukunft?
Ich glaube, dass Frauen DIE Profiteure der digitalen Transformation werden, denn vor allem männliche, verstandesbasierte Fähigkeiten wie Logik, werden auf Systeme mit Künstlicher Intelligenz, also Maschinen, übertragen. Vertrauen, Intuition, Empathie hingegen sind die kaum ersetzbaren Eigenschaften des Menschen – und das sind weibliche Qualitäten, da sind wir Frauen stark! Die Digitalisierung mit ihrer disruptiven Kraft stellt also die Weichen ganz neu. Mutige Frauen braucht diese Welt, ich freue mich darüber!

Was genau bietest Du mit Dragonfly an? Wer sind Deine Ziel-Kunden?
Wir bieten nachhaltige Investitionsmöglichkeiten für institutionelle Kunden wie Pensionskassen, Versicherungen und Banken an. Dabei ist unser persönliches Anliegen, diese für Themen wie Social-, Green- und Impact Investing zu begeistern. Wir kooperieren mit internationalen Asset Managern, die durch ihr verantwortungsvolles Handeln einen Unterschied bewirken. Das bietet die Möglichkeit, durch Investitionen in diese Produkte tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen zu erzielen, finanzielle Erträge zu erwirtschaften und wichtige Ziele für eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen – sei es im Bereich ESG-konform gemanagter High-Yield- und Schwellenländer-Anleihen, sozialer Infrastruktur, Gesundheitsversorgung oder erneuerbarer Energietechnologie.

Hast Du schon einmal verspürt, dass jemand Dich im geschäftlichen Umfeld anders behandelt als wenn Du ein Mann wärst?
Lach! Tausendmal – aber fairerweise muss ich sagen, in beide Richtungen gehend, also sowohl negativ als auch positiv. Abqualifizierend, bewertend, belächelnd ja klar, das kennt wohl jede Frau. Ich erlebe aber auch, dass sich Männer in dieser typisch männlichen Branche auch sehr freuen über die Frauen die es gibt, und sehr wertschätzend mit ihnen umgehen. Meistens werde ich willkommen geheißen – nur nicht, wenn es dann um denselben Job geht, da hört sich der Spaß meistens auf. Aber generell fühle ich mich schon gewertschätzt und manchmal sogar hofiert.

Vielen Dank für das Interview!

Der berufliche Weg führte Dr. Susanne Lederer-Pabst zunächst ins Fonds- und Portfoliomanagement der Volksbank Invest. Danach war sie Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der „fondsfabrik“. Nach dem Verkauf dieser an die C-Quadrat arbeitete sie als Head of Austria bei Fidelity International, bis sie 2012 wieder ein eigenes Unternehmen gründete.

Kontakt: www.dragonfly.finance

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