Nun ist es schon die 5. Gipfel-Veranstaltung, die die Fondsfrauen in Mannheim veranstaltet haben! Nachdem 2015 der 1. Fondsfrauen-Gipfel mit kleinem Budget etwa 100 Teilnehmerinnen und vereinzelte Männer so neugierig gemacht hatte, dass sie kamen, war es diesmal die Rekord-Anzahl von 270 Anmeldungen.

In ihrer Begrüßungsrede blickte Anne Connelly auf die beachtlichen Aktivitäten der Fondsfrauen zurück: Verschiedene wissenschaftliche Studien, interessante Networking-Events, Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Frauen in der Fondsbranche, ins-Boot-holen vieler Gesellschaften. Immerhin begleiten mittlerweile über 30 Firmen aus der Branche die Fondsfrauen als Förderer, Unterstützer oder Businessmitglied und zeigen damit, dass sie es ernst meinen mit der Frauenförderung. Nicht zuletzt suchen sie auch neue Mitarbeiterinnen, da das Thema Fachkräftemangel auch vor der Fondsbranche nicht Halt macht.

Neues Nachwuchsprogramm
Eine der ersten Studien, die die Fondsfrauen durchgeführt hatten, förderte zutage, dass der Anteil weiblicher Fondsmanager im deutschsprachigen Raum weniger als 10% beträgt. Was man hier tun kann? Die Pipeline mit mehr jungen Frauen zu füllen ist sicher sinnvoll, aber eine andere Studie, die die Fondsfrauen gemeinsam mit der Uni Mannheim durchführten, zeigte, dass das Interesse junger Frauen an der Finanzbranche ausgesprochen gering ist – teilweise auf Grund falscher Vorurteile, die eher dem Investment-Banking gelten.

Um hier etwas zu ändern, wurde auf dem diesjährigen Gipfel erstmals ein Workshop für Young Professionals angeboten, auf dem sich Studentinnen über die Bandbreite der in der Fonds-Branche existierenden Jobs und deren Anforderungen informieren konnten. Dr. Hannah Lea Hühn, Senior Sales Manager bei Amundi, moderierte dazu eine Diskussion, an die sich eine Speed-Dating-Session mit Vertreterinnen prominenter Fondsgesellschaften anschloss. Das war für beide Seiten sehr aufschlussreich.

Workshop für Finanzberaterinnen
Gleichzeitig fand der Workshop für Finanzberaterinnen statt, auf dem unter der Moderation von Jennifer Brockerhoff von der Brockerhoff Finanzberatung drei Frauen und ein Mann über die Finanzberatung der Zukunft diskutierten. Wie sieht ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell im Zeitalter von Robo-Advice und MiFid-Regulierung aus? Wie kann eine flächendeckende Finanzberatung gewährleistet werden, wenn die unabhängige Finanzberatung unter BaFin-Aufsicht gestellt wird und auch sonst kein super-attraktives Berufsbild mehr abgibt? Fazit: Es hilft, bei Amazon & Co. abzuschauen und beim Kundenbedürfnis anzufangen, und nicht beim Produkt. Wie das konkret anzustellen ist, war Gegenstand der Diskussion.

Digitale Transformation kann Frauen in der Arbeitswelt entgegenkommen
Von Amazon zur Digitalisierung ist es gedanklich nur ein Katzensprung. Dr. Kira Marrs, Wissenschaftlerin am Institut für sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) in München, erklärte in ihrem Vortrag, welchen Einfluss die digitale Transformation auf die Frauen in der Wirtschaft, und speziell in der Fondsbranche hat. Ihr Credo: Man solle sich nicht erst um die Digitalisierung im Unternehmen, und dann um das Thema Gleichberechtigung kümmern. Vielmehr sollte man die Umbrüche und Veränderungen, die der Digitalisierungs-Umbau in den Unternehmen mit sich brächte, gleich nutzen, um auch die Frauen-Integration zu bewerkstelligen. Dann seien später keine aufwendigen Reparatur-Projekte nötig. Schließlich bedeute Digitalisierung nicht nur die volle Computerisierung von Abläufen, sondern könne auch als Werkzeug zur besseren Zusammenarbeit und Kommunikation verstanden werden. Und gerade hier würden die Stärken von Frauen gesehen.

Die Kundenerwartungen im Asset Management werden von Amazon & Co vorgegeben
Welchen Einfluss die Digitalisierung speziell auf die Fondsbranche hat, diskutierte ein 4-köpfiges Panel unter der Moderation von Anke Dembowski. Dabei ging es um den Einfluss der Digitalisierung…

  • unmittelbar auf das Portfoliomanagement (Robo-Advice, Robo-Management)
  • das Kundenerlebnis (schneller Kontakt und Zugriff auf Informationen, nahtlose Abläufe)
  • die Produkte (Technik-Fonds, Big-Data-Fonds, Blockchain, Investition in Token) und
  • die Branche als Ganzes

Fazit: Die Fondsbranche arbeitet noch an der Digitalisierung. Dienstleister wie Amazon, Uber, Tinder, etc. prägen die Erwartungen der Verbraucher. Diese Erwartungen werden automatisch auch auf die Fondsbranche übertragen, die sich dieser Herausforderung stellen muss.

Silke Foth zeigt Männerrituale auf, und wie wir damit umgehen können
Der Vortrag von Unternehmensberaterin und Coach Silke Foth sorgte für Heiterkeit, denn es ging um (Männer-)Rituale, die im Geschäftsbereich immer noch vorherrschen. Männer verbrächten etwa 30% ihrer bezahlten Arbeitszeit mit Netzwerken, beobachtet Foth, und davon sollten sich Frauen ruhig etwas abschauen. Rituale seien wichtig, weil sie Menschen verbinden und Gemeinsamkeit schaffen. Sie sollten aber auf Augenhöhe stattfinden und nicht in Dominanz und Unterwürfigkeit enden. Foth erklärte, wie Frauen raumgreifender agieren und sich ihren Redeanteil holen könnten, und wie wir einen eindeutig dominanz-getriebenen Händedruck erkennen und parieren können. Das Gelächter der Zuschauerinnen zeigte, dass viele unter ihnen solche Rituale auch in ihren Firmen erleben und nun besser durchschauen.

Nachhaltigkeit birgt Chancen für Frauen in der Fondsbranche
Das Thema ESG ist derzeit aus dem Finanzbereich nicht mehr wegzudenken. Wo dabei die Frauen bleiben, und wie sich Frauen hier positionieren können, diskutierte Manuela Fröhlich mit einem 4-köpfigen Panel. Die Teilnehmer gaben zu bedenken, dass das ESG-Thema derzeit einen Hype erfahre und dass dies die Gefahr zu Greenwashing und Klumpenrisiken mit sich brächte. Fazit der Diskussion: Das Thema ESG bietet eine gute Chance für Frauen, da ihnen Nachhaltigkeit am Herzen liegt und sie hier eine hohe Glaubwürdigkeit haben. Auf der anderen Seite sind jetzt im Asset Management Vergangenheitsdaten (z.B. Korrelationen) womöglich anders als in der Vergangenheit zu interpretieren, da jetzt auch neue, nicht-finanzielle Faktoren eine zunehmende Rolle spielen.

Jasmin Taylor: Ohne gute Nerven, Fleiß und Glück geht es kaum
Im anschließenden Business-Talk unterhielt sich Anne Connelly mit Jasmin Taylor. Sie war Shooting-Star der Touristikbranche und eine gefragte Größe der Society. Dann musste die von ihr gegründete Firma JT Touristik Insolvenz anmelden. Taylor erklärte im Gespräch, wie sie es schaffte, ihr Unternehmen an Lidl zu verkaufen und ein erfolgreiches Comeback mit exklusiven Urlaubsresorts zu starten. Fazit: Gute Nerven, Fleiß und nicht zuletzt auch Glück sind notwendig für geschäftlichen Erfolg.

Bei anschließenden Drinks und Networking fanden sich viele Themen für gute Gespräche, und das in angenehm lockerer Atmosphäre. Fazit: Wir freuen uns schon auf den 6. Fondsfrauen-Gipfel.

Text: Anke Dembowski
Fotos: Anke Dembowski

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