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Interview mit dem “Male Ambassador of the Womens Network” von Legg Mason

Das fanden wir spannend: Ein männlicher Botschafter eines Frauennetzwerks! Legg Mason hat ein firmeneigenes Womens‘ Network. Dessen männlicher Botschafter ist Christian Zeitler. Welche Aufgaben Christian Zeitler in dieser Funktion wahrnimmt und wie das Diversity-Thema bei Legg Mason gespielt wird, darüber unterhält sich Fondsfrau Anke Dembowski mit Christian Zeitler.

Herr Zeitler, wie kam man bei Legg Mason auf die Idee, einen Male Ambassador of the Womens Network zu benennen?
Wir hatten vorletztes Jahr ein Team-Dinner, und dabei ist uns aufgefallen, dass da nur Männer waren. Wir haben dann spontan beschlossen: Unser nächster Hire wird eine Frau und alle haben genickt. Aber dann haben wir die Stelle eines Client-Relationship-Manager ausgeschrieben und erhielten 45 männliche und nur 5 weibliche Bewerbungen. Da haben wir uns gefragt, warum wir nicht viel mehr weiblichen Bewerbungen bekommen.

Zu welcher Antwort sind Sie gekommen?
Wir haben uns erst einmal umgehört hier am Bankenplatz Zürich und haben erfahren, dass eine Quote von 1:9 zwischen Frauen und Männern in der Schweiz offenbar die Norm ist. Ich habe dann auch bei uns in London nachgefragt. Auch dort ist der weibliche Nachwuchs dünn gesät, wenn auch nicht gar so dünn wie in Zürich. Im Bereich Marketing oder Compliance beispielsweise, da haben wir einen deutlichen Frauenüberschuss, aber in den anderen Bereichen nicht. Jetzt wollen wir die Gender-Gleichberechtigung bei Legg Mason stärker pushen, um mehr Frauen einzustellen.

Welche Aktivitäten wurden dazu bei Legg Mason entwickelt?
Wir haben uns in Zürich kurzgeschlossen, um uns besser zu den anliegenden Themen auszutauschen. Wir haben mit Kolleginen von der Deutschen Bank und Capital Group gesprochen, diese haben den gleichen Frauenmangel im Nachwuchs wie wir zu beklagen. Mit denen machen wir jetzt einen eigenen kleinen Zirkel auf. Außerdem gehen wir systematisch an die Unis, um den Studierenden weibliche Role Models vorzustellen. Wir hoffen, dass wir dadurch künftig mehr weibliche Bewerbungen erhalten. Eine Kollegin in London hat einen Womens‘ Circle eingerichtet, wo sich die Frauen aus der Asset Management Branche einmal monatlich treffen. Darüber hinaus hat Legg Mason ein „Womens‘ Leadership Network“ aufgebaut, das sich über ganz Europa und die USA spannt. Wenn wir Unterstützung von einer unserer Senior-Frauen benötigen, ist da sofort eine Grund-Bereitschaft da – das ist wirklich enorm!

Tragen die Aktionen schon Früchte?
Ja. Erst kürzlich haben wir am Standort Genf eine sehr gute Kollegin bekommen die uns von einem Kunden empfohlen wurde.

Aber zurück zu Ihrer Aufgabe als «Male Ambassador of the Womens Network» bei Legg Mason. Wie ist denn da Ihr Aufgabengebiet?
Das „Womens Network“ von Legg Mason trifft sich regelmäßig und schaltet auch auf internationaler Ebene Video-Konferenzen. Das Netzwerk reicht bis in die USA, wo man ja in Sachen Gender-Gleichstellung schon weiter ist. Als Male Ambassador bringe ich dort die männliche Sicht ein, stelle mich sozusagen als Sounding Board zur Verfügung. Natürlich weiß ich es nicht unbedingt besser, sondern habe eben die männliche Sicht. Man muss nämlich auch bedenken: Diversity funktioniert in beide Richtungen.

Wie kann man sich Ihre Arbeit zu Gender-Diversity konkret vorstellen?
Ich versuche unser Netzwerk zu erweitern und die Gender Diversity bei uns im Hause weiter zu promoten. Es geht mir auch darum, weiblichen Nachwuchs generell für unsere Branche zu begeistern und zu finden, und diesen dann weiterzuentwickeln. Dazu ist es wichtig, den Studentinnen unsere Kolleginnen, die es geschafft haben, zu zeigen. Nach dem Motto „das ist ihr Lebenslauf. Die Kollegin hat es auf diese Weise geschafft, und Ihr könnt das auch schaffen.“ Außerdem haben wir immer mal ad hoc Besprechungen, wenn ein Gender-Thema aufpoppt.

Wie wird Gender Diversity ansonsten bei Legg Mason gelebt?
Bei uns ist Gender Diversity eine recht prominente Geschichte. Unser CEO ist zwar männlich, aber im Executive Committee haben wir 33 % Frauen, unser Board of Directors ist zu 30% weiblich, und insgesamt sind 42 % unserer Mitarbeiter Frauen. Im Jahr 2017 waren 47% unserer gesamten Neu-Rekrutierungen weiblich.

Warum halten Sie Gender-Diversity für so wichtig?
Wenn man nur Mitarbeiter hat, die gleich denken, kommt man in einer Firma nicht sehr weit. Wir brauchen „diversity of thought“. Ich bin überzeugt, dass es vorteilhaft für ein Unternehmen ist, wenn dort nicht nur  e i n e  Denkrichtung vorherrscht, z.B. alle kommen von einer Uni, oder alle Mitarbeiter sind männlich. Dann kommt keine Kreativität auf; dazu gibt es viele überzeugende Studien. Hier spielt natürlich nicht nur Gender-Diversity mit hinein, aber Frau/Mann ist etwas, was man auf den 1. Blick sehen und statistisch entsprechend leicht auswerten kann.

Was machen Sie bei Legg Mason neben Ihrer Funktion als Male Ambassador of the Womens Network?
Ansonsten bin ich Head of Central Europe, DACH und Benelux.

Wie begegnet man Ihnen, wenn Sie in Ihrer Funktion als Male Ambassador of the Womens Network etwas sagen oder eine Forderung stellen? Wird es als „Gedöns“ abgetan, wie es unser ehemaliger Bundeskanzler Schröder mal gesagt hat?
Nein, bei uns wird das sehr ernst genommen. Ich habe eine Kollegin, Regina Curry, die ist Chief Diversity Officer und koordiniert alle unsere Aktivitäten. Der Diversity-Gedanke ist bei uns stark verankert, ebenso wie das Wissen, dass uns das weiterbringt. Dar Gedanke, dass „diversity of thought“ eine Quelle der Kreativität ist, zieht sich bei uns stringent durch die gesamte Organisation.

Fließt Diversity auch als konkretes Business Ziel in die Zielvorgaben der Mitarbeiter ein?
Was wir nicht haben, ist eine feste Quote. Legg Mason ist zwar Mitglied im 30%-Club, aber letztlich wollen wir beim Recruiting die besten Leute finden, und nicht einfach nach Gender oder kulturellem Hintergrund einstellen. Wir sind uns aber darüber im Klaren, dass wir etwas falsch gemacht haben, wenn sich bei einer Ausschreibung 10 Männer und keine Frau bewerben. In dem Fall würden wir vielleicht einen anderen Headhunter einsetzen. Wir haben uns Diversity ernsthaft auf die Fahnen geschrieben beim Einstellungsprozess.

Gelegentlich wird Frauen Zickigkeit oder eine gewisse Stutenbissigkeit vorgeworfen. Wie sehen Sie das als „Male Ambassador“?
Ich sehe das nicht so – vielleicht einmal bei Frauen untereinander. Aber eigentlich sehe ich in dieser Richtung keine speziellen Charaktereigenschaften bei Frauen.

Jetzt haben wir viel darüber gehört, wie man im Hause Legg Mason in Sachen Diversity vorankommen will. Haben Sie noch einen direkt umsetzbaren Tipp für unsere Leserinnen?
Ja: Traut Euch! Bei Bewerbungsgesprächen ist es oft so, dass sich Männer tendenziell überschätzen und Frauen sich eher unterschätzen. Frauen bewerben sich auf eine interessante Position oft nicht, weil sie denken, dass der Job eine Stufe zu viel für sie ist. Männer probieren es einfach, während Frauen oft nicht das Risiko einer Absage eingehen wollen. Es ist aber wichtig: Traut Euch!

Vielen Dank für das tolle Gespräch!

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