Chef, ich sollte eigentlich noch, hmm, wie komme ich nur vom Büro ins Hotel? Wie mache ich das? Soll ich mit dem Taxi oder wäre es möglich, wenn Sie Chef…? Könnten Sie noch kurz beim Büro stehen bleiben und ich hole meinen Koffer?

Chef schaut mich an, als hätte ich ihn gefragt, was sich am 24. Mai 1753 um 14:38 Uhr ereignet hat. Dabei war doch alles „klar“, meinte ich. Unser letzter Termin für diesen Tag in Frankfurt war soeben beendet. Wir stiegen ins Auto. Ich hatte noch eine Stunde Zeit, bis unsere Weihnachtsfeier begann. Davor musste ich allerdings noch meinen Koffer aus dem Büro holen, im Hotel einchecken (welches rund acht Fahrminuten vom Büro entfernt ist) und mich nochmals für die Welt da draußen hübsch machen.

Chef blickt mich noch immer fragend an. Jetzt rettet Kollege die Situation und greift ein: „Chef, Sie müssen wissen, das war Frauensprache!“ Ich bin verzückt. Mein Kollege ist demnach ein Frauenversteher!

Chef verzieht keine Miene. Ich entschließe mich daher es nochmals in netter Form auf den Punkt zu bringen: „Naja, was ich Sie fragen wollte…., hmmm, wäre eigentlich nur, ob es möglich wäre, wenn wir beim Büro kurz stehen bleiben könnten, ich hole meine Koffer und dann fahren wir weiter ins Hotel, damit ich einchecken und mich etwas auffrischen kann. Aber ich könnte auch ein Taxi rufen. Das ginge natürlich auch.“

Chef grinst. „Wieso sagen Sie nicht gleich: Chef, wir fahren jetzt ins Büro, damit ich meinen Koffer holen kann und danach bringen Sie mich bitte ins Hotel?“ Jetzt blicke ich Chef erleichtert an und sage: „Ja, genau das meinte ich!“ „Gut!“ sagt Chef. „Dann weiß ich, was ich zu tun habe.“

So einfach ist das also? Ein Silberstreif am Horizont! Mir wird klar: Wir Frauen machen uns selbst das Leben schwer, mit dieser schon fast pietistischen und umständlichen Form der Kommunikation. Es kommt eben nicht nur auf die Tonalität an. KP – kurz und prägnant heißt die Devise, will man von Männern verstanden werden!

Ich sollte mir demnach überlegen, Chef bei nächster Gelegenheit auf andere Dinge in KP-Form anzusprechen: „Chef, ich will eine Gehaltserhöhung.“ Oder „Chef, ich will jetzt mein Firmenauto und nicht erst in einem halben Jahr.“ „Chef, ich brauche ab sofort jeden Montag einen bezahlten Urlaubstag.“ Ich geb`s zu, etwas ideologisch und zugegeben aus meiner Sicht im Ausdruck ziemlich verkürzt, aber mal schauen – „theoretisch“ müsste es doch klappen?!


Barbara BertoliniÜber die Autorin

Barbara Bertolini
schreibt anekdotisch über ihre Erfahrungen mit den Kommunikationsfähigkeiten von Männern und Frauen in der Finanzbranche.

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