Anlässlich der 66. Nobelpreisträgertagung in Lindau wird die Frage diskutiert, ob Wissenschaft und Forschung zu männlich sind. Mit diesem Thema beschäftigen sich Frauen, die es wissen müssen: Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka, Physikerin Ulrike Böhm, Soziologin und Genderforscherin Paula-Irene Villa, sowie die Kosmologin Anna-Christina Eilers. Zusammen mit Moderatorin Sabrina Staubitz sprechen sie darüber, warum deutsche Spitzenforschung so männlich ist und wie man dies ändern könnte.

Genderforscherin Villa führt an, dass es der selektive Blick der Entscheider sei, die darüber bestimmen, wer einen Job bekommt. „Das sind oft unterbewusste Entscheidungen, die nüchtern betrachtet gar nicht böse gemeint sind.“ Studien würden belegen, dass ansonsten identische Bewerbungen mit männlichen Vornamen die besseren Chancen bei den Personalverantwortlichen hätten.

Bildungsministerin Wanka stimmte dem zu, verwies aber auch auf messbare Fortschritte in diesem Bereich. Wichtig sei es, noch weiter an der Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu arbeiten. „Eine Gesellschaft wie unsere kann es sich nicht leisten, auf all die weiblichen Talente zu verzichten.“ An die Frauen gerichtet fährt sie fort: „Wenn Frauen dann in entsprechende Positionen berufen werden, dann müssen sie sich auch trauen“, was leider oft nicht der Fall sei.

Ein Lösungsweg sei auch, mehr Frauen in Schlüsselpositionen zu bringen – notfalls per Quote. Physikerin Ulrike Böhm, die bei Nobelpreisträger Stefan Hell in Göttingen an optischen Phänomenen forscht, erklärt, dass an den entscheidenden Stellen derzeit überwiegend Männer sitzen, „und die bevorzugen eben oft Männer“, so Böhm. Sie ist Gründerin des Netzwerks „Women in Research“.

Die Diskussionsrunde wird am Mittwoch, den 29. Juni um 20:15 Uhr im Spartenkanal ARD-Alpha ausgestrahlt. Die 66. Nobelpreisträgertagung findet vom 26. Juni bis 1. Juli in Lindau statt. Dieses Jahr sind die Physiker an der Reihe, und 29 Nobelpreisträger sowie 400 junge Wissenschaftler aus 80 Ländern diskutieren über die wissenschaftlichen Errungenschaften der Physik.

Foto: Christian Flemming/Lindau Nobel Laureate Meetings

Es zeigt Bundesministerin für Bildung und Forschung Johanna Wanka (rechts) und Physikerin Ulrike Böhm

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