Frau Ludwig, Sie sind COO für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei BlackRock. Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Spannende Frage! Ein „normaler“ Arbeitstag ist bei mir fast immer abwechslungsreich und vielseitig. Heute ging es los mit diesem Interview, später tausche ich mich mit Kollegen aus ganz Europa über regulatorische Risiken aus, und danach steht das Zielvereinbarungsgespräch mit einem Mitarbeiter auf dem Programm. Als Country-COO bin ich verantwortlich für den reibungslosen Ablauf in unserer Region. Dazu gehören die Umsetzung der Länderstrategie, der Governance, von Change-Management, unserer Talent Agenda und des Tagesgeschäfts generell. Ich fühle mich emotional verantwortlich für unsere 170 Mitarbeiter in Frankfurt, München und Wien. Die Rolle ist auch Bindeglied zu unserer Europa-Zentrale in London. Ich habe fast 18 Jahre in UK gelebt. Ich freue mich, dass in meiner Aufgabe nach wie vor sehr regelmäßig mit den Kollegen dort im Austausch bin.

Welche Aufgaben machen Ihnen besonders viel Spaß?
Viel Freude macht mir der Austausch mit Kollegen in allen Facetten, die Gespräche in der strategischen Planung und das Issues Management. In der Kaffeeküche geht das derzeit natürlich leider nicht! Ebenso viel Spaß bereitet mir die Förderung unserer Talente, den Kolleginnen und Kollegen zu helfen, über sich selbst hinaus zu wachsen. Ich bin stark auf unsere Nachwuchs-Talente fokussiert, habe zum Beispiel in unserer Region ein Graduate-Programm ausgebaut. Da sind wir jetzt in der zweiten Hiring-Periode. Darüber hinaus fokussiere ich mich auf die Förderung der Karrieremöglichkeiten unterrepräsentierter Gruppen, unter anderem von Frauen.

Die Position eines COO ist nicht unbedingt das, wovon man als Teenager träumt… was war zu Schulzeiten Ihr Berufswunsch?
Ich hatte schon immer vielfältige Interessen und lasse mich gern von Leidenschaft und Opportunität leiten. In meiner Jugend wollte ich mal professionelle Tennisspielerin werden, ich bin ja Generation Steffi Graf. Aber leider war ich dafür nicht gut genug. Dann wollte ich Schneiderin werden, fand dann aber, dass das ein schönes Hobby, aber keine Karriere ist. Journalistin stand auch mal auf meinem Berufswunsch-Zettel.

Jetzt sind Sie COO… Konnten Sie schon immer gut organisieren?
Ja, ich habe eine Leidenschaft fürs Planen und Organisieren! Ich führe gern Einkaufslisten und liebe es, Feiern und Reisen zu planen. Für mich steckt schon ungemein viel Freude in der Planung. Listen mag ich ganz besonders, da liegen viele auf meinem Schreibtisch… Ich nutze dabei auch gern Farben, denn ich bin sehr visuell.

Wie kam es bei Ihnen dazu, dass Sie schließlich COO bei einer großen amerikanischen Investmentgesellschaft wurden?
Das war eine Mischung aus Opportunität, gutem Netzwerk, Mut, aber auch viel Förderung. Ich bin all den Kollegen dankbar, die fast mehr an meine eigenen Fähigkeiten geglaubt haben als ich selbst, und mich sehr gefördert haben. Bei einer Firma wie BlackRock gibt es viele Veränderungen, und bei jeder Veränderung gibt es auch Opportunitäten. Man muss diese natürlich auch erkennen und braucht dann ein Netzwerk und den Mut sich Dinge zuzutrauen, die man vielleicht vorher noch nie gemacht hat. Die Erfahrung und auch die Fehler, die man macht, treiben einen voran. Ich bin jetzt 20 Jahre in der Branche und habe vielfältige Tätigkeiten ausgeübt und Erfahrungen gemacht. Ich habe im Retail Banking angefangen, bin dann ins Investmentbanking, und habe jetzt in der Vermögensverwaltung mein zu Hause gefunden. In allen Bereichen habe ich verschiedene Rollen gehabt, und man trifft natürlich auch verschiedene Menschen und sieht den Markt aus unterschiedlichen Perspektiven.

Im C-Level sind in Deutschland nur relativ wenige Frauen zu finden. Wäre es Ihrer Meinung nach leichter, wenn mehr Frauen in Führungspositionen arbeiten würden?
Es ist schon so, dass wir immer nach Spiegelbildern suchen. Thomas zieht Thomas nach. Je mehr Frauen repräsentiert sind, umso mehr wird Vielfalt gelebte Normalität. Dasselbe gilt für alle anderen unterrepräsentierten Mitarbeiter-Gruppen. Bei BlackrRock glauben wir an Vielfalt in allen Ebenen. Es geht darum eine Kultur aufzubauen: Diversity, Equity, Inclusion. Unsere Mitarbeiterschaft soll unsere Gesellschaft repräsentieren, hinsichtlich unterschiedlicher Denkweisen, Ausbildung, Herkunft und Hintergründe. Diverse Teams sind dabei kein Selbstzweck, ganz im Gegenteil: Je mehr Diversität in den Teams herrscht, desto bessere Entscheidungen werden getroffen. Das steigert nicht nur die Innovation, sondern auch die Freude der Mitarbeiter. Das macht uns wiederum attraktiv, um die besten Talente anzuzziehen.

Halten Sie persönlich es für wichtiger, dass mehr Frauen in den Aufsichtsräten oder dass mehr in den aktiven Steuerungs-Ebenen sitzen?
Da gibt es kein Entweder-Oder. Es sollte auf allen Ebenen eine ausgewogene Repräsentanz aller Gruppen geben.

BlackRock tut einiges, um Frauen zu fördern. Was sind die Firmen-Aktivitäten, die Ihnen besonders zusagen, die Sie für besonders zielführend halten?
Es macht mich stolz, dass wir hier tatsächlich viel machen. Wichtig ist aber das Fundament: Eine starke Firmen-Kultur. Bei BlackRock leben und bauen wir eine Kultur auf, in der Inklusion und Zugehörigkeit an 1. Stelle stehen. Jeder Mitarbeiter soll die gleichen Chancen zur Entfaltung und eine Stimme haben, um die gemeinsamen Ziele voranzubringen. Eines unserer Prinzipien lautet „We are One BlackRock“. Das muss gelebt werden, und darf nicht nur als Worthülse auf der Website stehen.

Wie sieht denn diese Kultur in der Realität aus?
Ein Teil dieser Kultur ist, dass wir die Diversität vorantreiben, indem wir Talente identifizieren und fördern. Beispielsweise haben wir das WIN & Allies-Netzwerk von Mitarbeiterinnen für Mitarbeiterinnen. Hier schaffen wir ein Umfeld, in dem Frauen sich entfalten können. Wir wollen ein bevorzugter Arbeitgeber für Frauen im Finanzdienstleistungs-Bereich werden. Weltweit sind über 4.500 Frauen und Männer Teil des WIN-Networks, und bei uns in der Region sind es sogar 41 % der Belegschaft. Das beinhaltet spezielle Förderungsprogramme, die auf die einzelnen Karrierephasen der Mitarbeiterinnen zugeschnitten sind. Wir haben beispielsweise ein Mentoring-Programm und moderierte Förderungsprogramme wie „Taking the Stage“. Hier geht es darum, Selbstvertrauen beim öffentlichen Sprechen zu fördern. Mir hat das auch schon sehr geholfen. Für Frauen auf den mittleren Karrierestufen haben wir das Programm „Art of the Ask“. Das hilft den Mitarbeiterinnen sich darüber klarzuwerden, was sie von seiner Karriere bei BlackRock wollen. Für senior Frauen haben wir neu das Programm „Women on Boards“. Hier geht es ums Demystifizieren des Boardrooms, und es gibt Tipps was die Dynamics und was die Erwartungen sind, oder wie man einen effektiven Elevator Pitch macht.

Wichtig ist zudem, wie wir rekrutieren. Bei uns sind die Rekrutierungs-Prozesse darauf ausgelegt, dass man nicht voreingenommen ist. Für jede offene Stelle müssen mehrere Kandidaten interviewt werden, und das Panel muss ausgewogen sein: Verschiedene Funktionen, Gender, Senioritäten. Das Resultat: Bei BlackRock haben wir weltweit über 40 % weibliche Mitarbeiter, stellen aber fast paritätisch ein. In unserem lokalen Graduate-Programm haben wir sogar 60 % weibliche Absolventen.

Oft wird gesagt, diverse Teams arbeiten effizienter als einseitig orientierte Teams. Was ist aus Ihre Sicht anders, wenn diverse Teams arbeiten?
Diverse Teams führen zu mehr Perspektiven, weil die Menschen verschiedene Hintergründe haben. Mehr Perspektiven führen zu besseren Resultaten. Außerdem führt das Erlauben unterschiedlichen Denkens zu mehr Spaß bei der Arbeit. Hierzu führen wir auch regelmäßig Mitarbeiter-Befragungen durch, die wir auswerten und Grundlage für die Weiterentwicklung unserer Maßnahmen sind.

Welche Tipps geben Sie Frauen, die Karriere im Finanzsektor machen wollen?
Es ist wichtig Mut zu haben; Mut zum Risiko, Mut zum Neuen, Mut sich selbst zu sein und über sich selbst hinauszuwachsen Wir müssen uns trauen Dinge auszuprobieren und einfach machen. Hier empfehle ich gern das Buch von Susan Jeffers: „Feel the Fear and do it anyway“

Danke für das tolle Gespräch!

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