Bis März 2022 war Michaela Krahwinkel Abteilungsleiterin Performance-Analyse bei Union Investment und hat in dieser Funktion, manche scherzten gar, „die Produkt- und Fondsmanager des eigenen Hauses gegrillt“. Kürzlich hat sie ihren Arbeitsschwerpunkt verlagert und arbeitet seit April 2022 als Referentin für Diversity & Inclusion im Bereich Konzern-Personal. Ein Job-Wechsel ist immer eine besondere Herausforderung. Wir unterhalten uns mit Michaela, wie sich ein kompletter Perspektivenwechsel anfühlt und wie sie ihn für sich wuppt.

Michaela, Du hast gerade einen Perspektivenwechsel gemacht, von einer Analysten-Funktion zu einem Haltungs- bzw. Kulturthema. Kannst Du uns mehr über Deinen Wechsel erzählen?
Es ist ein Wechsel mit allem Drum und Dran, es hat nur noch die Schultüte gefehlt. Ich trauere meinen Mitarbeitenden und der Arbeit in der Performance-Analyse wirklich nach. Aber der Wunsch nach Veränderung ist letztlich stärker gewesen. Gefühlt habe ich Bedenken, der neuen Aufgabe nicht gerecht zu werden, bis hin zu „Hallo!“, was für eine wichtiges Zukunftsthema werde ich jetzt begleiten!

Es ist ja immer eine Herausforderung, wenn man einen neuen Job hat. Du bist im Unternehmen geblieben, hast jetzt aber eine ganz neue Rolle übernommen. Wie fühlt sich dieser Rollen-Wechsel für Dich an?
Einfach gut! Unglaublich ist der große Vertrauensvorschuss, den ich von meinen Kolleginnen und Kollegen erhalten habe. Bereichernd ist die Zusammenarbeit mit so unterschiedlichen Menschen bei Union Investment und die Auseinandersetzung mit den vielen vorhandenen Ansichten und Haltungen.

Und wie reagiert Dein Umfeld, Deine Kolleginnen und Kollegen?
Sehr, sehr unterschiedlich – viele waren zudem total überrascht. Von Unverständnis, weil ich doch für das Thema Performanceanalyse stehe, bis hin zu: „man gibt doch eine Führungsposition nicht so einfach her!“ Nach kurzem Grübeln haben sich die meisten aber doch sehr gefreut, dass ich mich zukünftig bei unserem neu gegründeten Diversity Council einbringe und für Chancengleichheit von Frauen einsetze.

Gab es einen Trigger für den Rollenwechsel? Oder hast Du Dir einfach überlegt „jetzt mach ich mal was ganz anderes“?
Während meiner Brustkrebserkrankung im letzten Jahr hatte ich Zeit, mir Gedanken auch über meine berufliche Zukunft zu machen. Union Investment hat mir in den letzten zwanzig Jahren viel gegeben und ich wollte einfach etwas zurückgeben. Und neben meiner Aufgabe als „Rechenknecht“, habe ich mich schon immer für die Chancengleichheit von Frauen im männlich dominierten Assetmanagement eingesetzt.

Was empfindest Du als die größten Herausforderungen des Rollen-Wechsels? Und wie gehst Du persönlich mit diesen Herausforderungen um?
Oje, da gibt‘s einige: Ich bin keine Führungskraft mehr, sondern ein Teil von großartigen Teams. Die agile, hierarchiefreie Zusammenarbeit sollte eigentlich nicht neu für mich sein, ist es in dem Umfang aber. Früher waren meine Aufgaben vergleichbar mit einem Sprint oder Mittelstreckenlauf, jetzt ist es eher ein Marathon. Das bedeutet auch, Erfolge stellen sich nicht so schnell ein, daran muss ich mich noch gewöhnen. Erfolg bedeutet jetzt nicht mehr die Kommentierung einer komplexen Analyse. Jetzt geht es darum, den Weg für Vielfalt und Talente im Unternehmen zu bereiten. Dabei sind Anstöße zu Verhaltensänderungen meiner Mitmenschen die große Herausforderung.

Aber ganz oben steht meine Herzensangelegenheit: ein Frauennetzwerk bei Union Investment zu etablieren. Es soll dafür sorgen, dass Frauen gleichberechtigt in einem wertschätzenden Arbeitsumfeld tätig sein können und sich zudem solidarisieren und gegenseitig unterstützen. Um dies zu erreichen, arbeite ich in einem Team mit 18 engagierten Gründerinnen, welche die Voraussetzungen für unser, nein ihr unioninternes Frauennetzwerk legen.

Was kommt denn eigentlich Neues auf Dich zu? Wirst Du jetzt auf einmal Social-Media-Queen?
Na ja, dafür müsste ich mein LinkedIn Profil erstmal pflegen. Aber ganz klar, technisch lerne ich viel dazu. Ich muss mich mit ganz anderen Kommunikationstechniken und Softwares befassen. Eine Pinwand war gestern, jetzt nutze ich dafür Sticky Notes in Conceptboard. Einen Beitrag zu liken oder zu teilen ist für mich jetzt ganz normal, dies war es meiner alten Welt nicht – wer gibt einer Performanceanalyse schon ein „like“!

Wie sieht es mit Deiner Arbeitszeit aus? Hat sich da etwas geändert? Bist Du jetzt weniger in ein zeitliches Korsett gebunden und flexibler als früher? Wie fühlt sich das an?
150 % in Bezug auf die Arbeitszeit sind es nicht mehr. Trotzdem, ich könnte durch die vielen Möglichkeiten bei Union Investment flexibler mit meiner Arbeitszeit umgehen, aber die Macht der Gewohnheit steht mir persönlich dabei ein wenig im Weg. Unter 100 Prozent mache ich es nicht.

Mal entre nous: Ist so ein Perspektivenwechsel eher anstrengend oder eher bereichernd?
Er ist herrlich. Ich kann nur jede/n ermutigen sich zu trauen, mal was Neues zu wagen. Die anderen Erfahrungen, die vielfältigen, neuen Kontakte und die persönliche Entwicklung sind eine große Bereicherung.

Super, vielen Dank für das offene Interview, und viel Erfolg in Deinem neuen Job!

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