Während ihrer Vita war Dr. Sabine Hampel u. a. Marineoffizierin und Aktien-Fondsmanagerin. Im Alter von 43 Jahren hat sie ihr Angestelltenverhältnis gekündigt und einen eigenen Venture Capital-Fonds gegründet. Der Global Resilience Innovation Fund (GRIF) deckt u.a. die Bereiche Rüstung und kritische Infrastruktur ab. Dort sieht Dr. Sabine Hampel nicht nur eine dringende Notwendigkeit der weiteren Entwicklung, sondern auch ein sehr großes Investmentpotenzial.
Das Wichtigste in Kürze
- Dr. Sabine Hampel war bis Ende 2024 bei der EB-SIM als Head of Equity im Portfoliomanagement beschäftigt. Sie hat ihr Angestelltenverhältnis gekündigt und mit weiteren Mitgründern einen eigenen Venture Capital-Fonds gegründet.
- Bei Venture-Capital werden die Sektoren Soziales und Gesundheit bereits gut abgedeckt. Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Cybersecurity, Kritische Infrastruktur und Disaster-Management bisher weniger. Daher investiert der Global Resilience Innovation Fund (GRIF) genau in diese Bereiche.
- Das Gründerteam vertritt die These, dass die Wirtschaftskraft, der Wohlstand und die Demokratie Europas geschützt werden müssen. Auf Grund der zunehmend fragileren Sicherheitslage in Europa müsse Europa verteidigungsfähig und resilienter werden.
- Bei den dafür notwendigen wichtigen Zukunftstechnologien sei entscheidend, dass mehr europäisches Kapital eingesetzt wird.
- Das verstehen auch viele Investoren und sehen die Notwendigkeit, eben auch in diesen Sektor zu investieren. Daher fangen sie an, ihre Anlagerichtlinien anzupassen, die bisher viele Ausschlüsse für Defense hatten.
- Eine gewisse Hürde zum Investieren sei jedoch immer noch da. Aus diesem Grund sei der Dialog über solche gesellschaftlich relevanten Themen relevant. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass in Deutschland die Freiheit gern als Free-Lunch angenommen wird.
Dr. Sabine Hampel war bis Ende 2024 bei der EB-SIM als Head of Equity im Portfoliomanagement beschäftigt. Im Alter von 43 Jahren hat sie ihr Angestelltenverhältnis gekündigt und einen eigenen Venture Capital-Fonds gegründet. Vor ihrer Tätigkeit bei EB-SIM war sie bei Acatis Investment KVG als Fondsmanagerin und 12 Jahre bei der Marine. Dort hat sie die Ausbildung zum Offizier gemacht und war u.a. als Chefin einer Logistikeinheit eingesetzt.
Sabine, Du hast Dein Angestelltenverhältnis gekündigt. Warum?
Die Tätigkeit des Aktienfondsmanagers ist fantastisch – jeden Tag mit Unternehmen über Geschäftsmodelle und Innovationen sprechen, investieren und die Wirtschaft zu stärken. Mein Fokus bei der EB-SIM lag auf dem nachhaltigen Aktienfondsmanagement. Ich sehe ein sehr großes Investmentpotenzial im Bereich Venture Capital – gerade in den Themen Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Cybersecurity, Kritische Infrastruktur und Krisenmanagement. Aus diesem Grund habe ich, zusammen mit meinen Mitgründern, vor gut einem Jahr entschieden, den VC Fonds GRIF (Global Resilience Innovation Fonds) zu gründen.
Wie passen Defense und Nachhaltigkeit zusammen – schließlich hast Du Dich vor der Gründung um nachhaltiges Aktienmanagement gekümmert?
Der Themenbereich Nachhaltigkeit und ESG liegt mir nach wie vor am Herzen. Das Thema ESG ist wichtig, denn es geht darum, Unternehmen auch in den Bereichen Environmental, Social und Governance prozessual gut aufzustellen. Und dies betrifft Unternehmen aus allen Branchen – von erneuerbaren Energien, über zuckerhaltige Produkte bis hin zu den Herstellern von T-Shirts. Damit Unternehmen umweltschonend produzieren und agieren können, sind zahlreiche Investitionen notwendig. Wir sehen jedoch, dass diese Investitionen langfristig bei Unternehmen zu stabilen und auch besseren Margen führen. Ich bin überzeugt, dass Berichtspflichten im Bereich ESG ein sehr sinnvolles Risikomanagement-Instrument sind und Unternehmen langfristig resilient, u.a. gegenüber den Folgen des Klimawandels, machen. Gerade jetzt sind Unternehmen aber auch in der Pflicht, sich in dem Umfeld zunehmender geopolitischer Spannungen zu behaupten, bspw. sich gegen die Einschränkungen der Lieferketten oder Cyberangriffe zu wappnen. Aus unserer Sicht ist es wichtig, einer holistischen Denkweise zu folgen, denn die Themen bedingen sich gegenseitig stark.
Sein Angestelltenverhältnis zu kündigen und einen Venture-Fonds im Defense-Bereich aufzumachen ist mutig. Was war Deine Idee?
Die Idee ist ein „Gemeinschaftsprodukt“ der Gründer des Fonds. Sicherlich ist es aufgrund meiner Vita als Marineoffizier und Aktien-Fondsmanagerin ein logischer Gedanke, diese Bereiche zu verbinden. Auch ist es so, dass ich, wenn ich etwas kritisiere, auch eine Lösung anbieten möchte. Wir als Gründerteam vertreten die These, dass die Wirtschaftskraft, der Wohlstand und die Demokratie Europas geschützt werden müssen. Mit dem Fonds können wir aktiv und schnell etwas dafür tun! Im Venture-Capital werden die Sektoren Soziales und Gesundheit bereits gut abgedeckt; Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Cybersecurity, Kritische Infrastruktur und Disaster-Management bisher weniger. Also packen wir dort an, wo wir am meisten bewegen können.
Wie hast du angefangen?
Ich habe vor gut einem Jahr Dr. Priscilla Schelp getroffen – eine Expertin im Bereich Risiko- und Krisenmanagement und CEO von Networkx, einem Unternehmen, das erfolgreich u.a. die Gästelisten exponierter Wirtschafts- und Sicherheitsveranstaltungen der führenden deutschen Medienunternehmen besetzt. Uns beide verbindet nicht nur die Neugierde für neue Geschäftsmodelle, sondern auch das Streben, die Welt und die Gesellschaft ein Stück resilienter zu machen. Also haben wir überlegt, wie wir dies erreichen können.
Du hast also nicht alleine gegründet…
Nein, wir sind mehrere Gründer plus die Board-Mitglieder. Das Gründerteam wird durch Faik Yargucu ergänzt, der als ehemaliger Geschäftsführer und weiterhin Gesellschafter von ACATIS zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Asset Managements gehört. Dazu sind wir sehr stolz, im Board eine Kombination aus militärischer, technischer, Venture- und Finanzexpertise nutzen zu können. Dr. Moritz Brake, Experte im Bereich maritime Sicherheit, unterstützt uns bei allen Themen zur kritischen Infrastruktur und Marine. Mit Bernhard Langer, ehemaliger CIO von Invesco Ltd., diskutieren wir sehr gerne wirtschaftliche Aspekte der Start-ups. Auch der enge Kontakt zur IABG und zum DLR ist für uns essenziell, um die Technologien der Startups aus technischer Sicht einzuschätzen.
Wenn ich Euer Team betrachte, habt Ihr eine ausgewogene Quote, und das im Defense-Bereich! Stellt Ihr auch ein?
Klar stellen wir ein! Wir legen dabei den Fokus auf Personen, die die notwendige Fachkompetenz für dieses Themenfeld mitbringen sowie unsere Vision und Werte teilen.
Was ist das für ein VC-Fonds? Für welche Rechtsstruktur habt Ihr Euch entschieden und welche Investoren sprecht Ihr an?
GRIF – Global Resilience Innovation Fund ist ein Venture-Capital-Fonds, der in Startups in den Phase Pre-Seed bis Series in den Themen Rüstung, Luft- und Raumfahrt, Cybersecurity, kritische Infrastruktur und Krisen-Management investiert. Wir haben uns für eine SCS RAIF SICAV-Struktur in Luxemburg entschieden. Es handelt sich um einen geschlossenen Fonds, d.h. der Fonds ist nicht täglich handelbar, wie ein klassischer Investmentfonds, und hat eine Laufzeit von 10 Jahren. Unsere Ziel-Investoren sind Family Offices, vermögende Privatkunden, Pension Funds und institutionelle Investoren.
Eure Gründung und auch das Closing mit Seed Capital, also dem ersten Kapitalzufluss, gingen sehr schnell…
Das ist richtig! Die Idee entstand im März 2025, Ende Juli 2025 stand der Fonds. Ende September erfolgte das 1. Closing. Das erste Investment haben wir im Oktober getätigt. Es handelt sich um HyImpulse, einen Raketenhersteller aus Heilbronn, der für seine Antriebstechnik u.a. Kerzenwachs nutzt. Wir planen zeitnah weitere Closings, um neue spannende Deals abschließen zu können.
Habt Ihr auch Gegenwind, weil Ihr im Rüstungsbereich unterwegs seid?
Ja, absolut. Als wir anfragten, taten sich viele Banken mit dem Thema noch schwer, weil wir auch in Technologien investieren wollen, die nicht nur für zivile Zwecke oder für sicherheitsrelevante Anwendungen genutzt werden können, sondern gegebenenfalls nur für den militärischen Gebrauch entwickelt werden. Das ändert sich allerdings rasant. Wir merken, dass allen Akteuren klar wird, dass es gerade bei wichtigen Zukunftstechnologien entscheidend ist, dass mehr europäisches Kapital eingesetzt wird. Deshalb sollten wir vom Reden ins Handeln kommen. Unser Fonds macht genau das möglich. Wir spüren aktuell mehr Rückenwind.
Was sagen die Investoren dazu, dass Ihr im Defense-Bereich unterwegs seid?
Der Finanzsektor hat sich insgesamt mit seinen Nachhaltigkeits-Quoten und -Definitionen viele Chancen – auch politische – verbaut. Das macht es Investoren und Asset Managern jetzt, wo man einen anderen Blick auf den Defense-Sektor hat, das Leben noch etwas schwer. Viele Investoren verstehen die Notwendigkeit, eben auch in diesen Sektor zu investieren, und fangen an, die Anlagerichtlinien anzupassen. Die Hürde zum Investieren ist noch immer da – gerade aus diesem Grund ist der Dialog über diese gesellschaftlich relevanten Themen relevant. Vor dem Hintergrund, dass „unsere Freiheit kein Free-Lunch“ ist, wie es gerade in Deutschland gerne angenommen wird.
Auf der einen Seite versorgt die Nato die Ukraine mit Waffen, und auf der anderen Seite möchte man nicht in Defense-Titel investieren… ist das nichtinkonsequent?
Erstmal freue ich mich, dass wir über diese Themen öffentlich sprechen und diskutieren – der Diskurs ist wichtig. Und jeder darf seine Meinung haben – die Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut! Aus unserer Sicht ist es wichtig, dass wir als Europa ein höheres Maß an Autonomie entwickeln. Dazu gehört auch, dass jeder einen Beitrag zum gesellschaftlichen Wohl leistet – über Engagement bspw. im sozialen Bereich, als Wehrdienstleistender oder als Investor in Innovationen, die uns als Gesellschaft stärker und unabhängiger machen. Ich zitiere gerne den Investmentansatz von Warren Buffett: Innovationen führen zu einer starken Wirtschaft.
Möchte nicht jeder in Frieden leben?
Das ist ein Punkt, in dem wir uns alle einig sind – wir schätzen den Frieden und möchten diesen wahren. Wir dürfen aber die Augen nicht vor dem verschließen, was in der Ukraine und in der Ostsee vor sich geht, oder aber bei den zahlreichen Cyberattacken auf deutsche Unternehmen. Wir erleben eine zunehmend fragilere Sicherheitslage in Europa. Aus unserer Sicht ist dies gegenüber den Bürgern Europas klar zu kommunizieren, dennoch sprechen es die wenigsten klar aus. Wir müssen verteidigungsfähig und resilienter sein, damit wir auch in Zukunft in Frieden leben können.
Werdet Ihr nach Eurem Track Rekord gefragt?
Schon! Wir haben einen Track Rekord im Aktienfondsmanagement. Den VC-Fonds haben wir ja erst kürzlich aufgelegt. Deshalb ist er naturgemäß kurz. Wichtig zu berücksichtigen ist, dass es in Europa kaum einen VC-Fonds mit einem Track Rekord im Defense Bereich gibt. Aus unserer Sicht ist es gerade in diesen Themengebieten von enormer Relevanz, ein hohes militärisches Know-how in Kombination mit einem starken Netzwerk und Finanzwissen aufzuweisen.
Was ist Dir mit der Auflage Deines Defense-VC-Fonds wichtig?
Ich will noch einmal unterstreichen, dass es nicht nur ein Defense-Fonds ist, sondern wir das Thema „Resilienz der Gesellschaft“ adressieren. Die Gesellschaft und die Unternehmen müssen sich insgesamt den sich verändernden Bedingungen und der sich ständig verändernden geopolitischen Lage anpassen können. Mit dem Fonds zeigen wir: Wir beschweren uns nicht, wir packen es an. Dazu haben wir engagierte und sehr erfahrene bzw. gut ausgebildete Personen im Fonds vereint. Aber um Ihre Frage direkt zu beantworten: Ja, wir brauchen eine starke Verteidigungs-Industrie in Europa, und das muss auch so kommuniziert und gelebt werden.
Danke für die klaren Worte, und viel Erfolg mit Eurem VC-Fonds!
Foto: Carina Jahn Photography


