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Die Basis für eine eigene gute Altersvorsorge ist zuallererst die eigene Erwerbstätigkeit. Aber gerade in dieser Hinsicht weisen die meisten Lebensläufe von Frauen Brüche und Unregelmäßigkeiten auf, die letztendlich auf das Mutterdasein zurückzuführen sind. Darüber hinaus leben Frauen in Ost- und Westdeutschland noch immer in unterschiedlichen Familienmodellen, die zum Teil Vorsorgelücken begünstigen.

Ursachen für den Unterschied bei der Frauenerwerbstätigkeit
Die Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte vor einiger Zeit eine Studie, die erneut belegte, dass in den neuen Bundesländern deutlich mehr Frauen berufstätig sind als in den alten. Die Frauenerwerbstätigenquote liegt im Osten bei 57,9 % und im Westen bei 50,8 %; diesen Stand hatten die neuen Bundesländer bereits im Jahr 2006 erreicht. Die Stiftung spricht von einer „grundsätzlich positiven Entwicklung“, weist jedoch auf die größer gewordene Differenz zwischen Ost und West von 5,1 auf 7,0 Prozentpunkte hin. Obwohl mittlerweile mehr als jede zweite Frau im Westen eine sozialversicherungspflichtige Anstellung hat, nehmen die Unterschiede zwischen Ost und West, so die Studienautoren, weiter zu.

Den Grund für diesen Unterschied sieht Kirsten Witte von der Bertelsmann-Stiftung in der unterschiedlichen Sozialisation in der DDR und der Bundesrepublik: „Die Ost-Rollenbilder waren sehr lange egalitär geprägt – also beide Geschlechter in der Regel berufstätig. Im Westen ist dieses gleichberechtigte Doppelverdienermodell weniger stark verbreitet. Hier ist meist der Mann der Hauptverdiener“, verdeutlicht Witte. Barbara Riedmüller, Professorin an der Freien Universität Berlin und Expertin für Sozial- und Arbeitsmarktfragen, sieht dagegen vor allem in der weiterhin anhaltenden kulturellen Differenz eine Ursache: „In Westdeutschland steigen die Frauen aus, wenn sie ein Kind bekommen. Das kommt für Frauen in den neuen Bundesländern nicht infrage“, so Riedmüller.

Frauen in Ost- und Westdeutschland
Im Rahmen einer Studie, die in Zusammenarbeit der Universität Rostock und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung erfolgte, wurde nachgegangen, wie dieser Unterschied langfristig entstand und warum diese Erscheinung immer noch anhält. Dazu ein Rückblick in die Geschichte: So ist 1960 ein Jahr, indem sich die Ost-West-Entwicklung besonders deutlich zeigte, auch wenn sich dieser Verlauf bereits schon vor der Teilung Deutschlands angedeutet hatte. Zu dieser Zeit waren die Mütter in der BRD ausschließlich für Haushalt und Familie verantwortlich. Das wurde sogar noch per Gesetz gefördert, das dem Ehemann gestattete, seiner Frau ein Beschäftigungsverhältnis zu untersagen. Hingegen herrschte in der DDR ein anderes Frauenbild vor. Die Rolle der Hausfrau war hier verpönt und aufgrund des ökonomischen Drucks gingen sowohl kinderlose Frauen als auch Mütter einer Beschäftigung nach.

Bruch im klaren Bild der Rollenverteilung
Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Erwerbstätigenquote für Mütter in Ostdeutschland von 1940 bis heute konstant höher war als die im Westen. In der DDR lag der Anteil der arbeitenden Mütter nahezu durchgehend bei 65 bis 75 %. Der Höhepunkt der Beschäftigung wurde in den 1960er Jahren erreicht. Aufgrund sinkender Geburtenzahlen wurden den Müttern im Osten Rückkehrgarantien für den Arbeitsplatz sowie weitere heute noch fortschrittlich erscheinende Erleichterungen zugesichert. Parallel herrschte in der BRD das „Goldene Zeitalter der Familie“. Es gab eine klare Rollenverteilung, die durch das Steuersystem sowie durch soziale Sicherungssysteme honoriert wurde. Die Forscher stellten fest, dass erst im Jahr 1970, als die Geburtenrate sank und die Scheidungsrate stieg, sich das Familienbild in der BRD wandelte und sich die Erwerbstätigenquote dem Ostniveau annäherte. Ursachen hierfür waren neben Reformen im Familienrecht und in der Familienpolitik, die Emanzipationsbewegung sowie die besseren Bildungschancen für Frauen. 

(Foto: Pixabay)


Über die Autorin:
Linda Standhardt
ist Volontärin in der Online-Redaktion beim Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA). Neben dem Schreiben von redaktionellen Beiträgen betreut sie dort auch die Social Media-Kanäle. www.dia-vorsorge.de.

 

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