Janina Kugel dürfte eine der sichtbarsten Managerinnen Deutschlands sein. Zunächst war sie als Chief Human Resources Officer für das Siemens-Tochterunternehmen Osram tätig, bis dann der damalige Vorstandsvorsitzende Josef Käser („Joe Kaeser“) sie 2013 abwarb und mit der Leitung der Personalstrategie- und Führungskräfteentwicklung beauftragte. Damit war sie für 372.000 Siemens-Mitarbeiter verantwortlich.
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Janina Kugel: Überblick über die wichtigsten Takeaways
Im Februar 2015 wurde Janina Kugel als Arbeitsdirektorin in den Vorstand von Siemens berufen und war – mit damals 45 Jahren – das jüngste Vorstandsmitglied. „Nebenher“ war sie auch Mutter von Zwillingen.
Mit Kugel verbindet man frische, innovative Ideen, einen offenen und flexiblen Umgang mit den Menschen und das Einstehen für ihre Vorstands-Ideen. Sie hat sich selbst vor die Mitarbeiterschaft gestellt und erklärt, warum ein Standort gegebenenfalls geschlossen werden musste, und stand so auch in schweren Situationen vor den Mitarbeitern Rede und Antwort. Auch für Frauen und Karriere setzt sie sich ein, auch heute noch.
2018 wurde Kugel von einer Jury zur „Prima inter Pares“ auf einer Liste der 100 einflussreichsten Frauen der deutschen Wirtschaft gewählt, einer Initiative des Manager Magazins und der Boston Consulting Group. Im Januar 2020 schied sie zum Ende der Vertragslaufzeit aus dem Siemens-Vorstand aus.
Heute ist Kugel Aufsichtsrätin in Firmen wie TUI, beim Pensions-Sicherungs-Verein und dem finnischen Unternehmen Konecranes und setzt sich für Gleichberechtigung bei der Karriereentwicklung ein.
Am 22. Oktober 2025 haben die Wirtschaftsjunioren Lindau-Westallgäu Janina Kugel zu den „Lindauer Wirtschaftsgesprächen“ eingeladen. Sympathisch, empathisch und bodenständig kam sie rüber, kein bisschen überheblich.
Von ihrem Vortrag und dem anschließenden Gespräch, das von Daniel Müller moderiert wurde, haben wir nachfolgend die wichtigsten Takeaways für dich zusammengefasst:
Wirtschaftsstandort Deutschland
- Deutschland braucht die Einwanderung in den Arbeitsmarkt. Allerdings wird derzeit keine dafür förderliche Debatte im Land geführt.
- Junge Menschen sind heutzutage viel offener als früher. Sie trauen sich Dinge zu sagen, die ich mich in diesem Alter nicht getraut hätte.
- Minijobs, beitragsfreie Krankenversicherung für Ehegatten und das Ehegatten-Splitting sind nicht förderlich für den deutschen Arbeitsmarkt.
- Wir müssen dafür sorgen, dass der Anteil der Jugendlichen, die keinen qualifizierten Schulabschluss haben, geringer wird. In Zukunft brauchen wir eher mehr als weniger qualifizierte Leute.
Takeaways für Berufstätige
- Es ist eine Herausforderung, dass es im Job auch viel um Unternehmenspolitik geht. Ich schätze, dass man sich auf einer Führungsposition zu etwa 30% um Unternehmenspolitik, und nur zu 70% um die eigentliche inhaltliche Arbeit kümmern kann. Leider ist das sehr unproduktiv!
- Sorge dafür, dass Du ausreichend schläfst. Ich habe in meiner aktiven Zeit etwa 6 Stunden geschlafen. Damit kann man funktionieren, aber man ist ständig müde.
- Mein persönliches Mantra ist: „Das wird schon!“
- Beschäftige Dich mit dem, womit Du gescheitert bist! Nur so verstehst Du, warum dieses oder jenes nicht geklappt hat.
- Coachings habe ich immer gern als meinen Luxus wahrgenommen.
- Ich bin sehr strukturiert und organisiert, beruflich und privat. Mein Mann ist manchmal genervt, wenn ich ihm für private Termine eine Outlook-Einladung schicke.
- Ich arbeite viel mit Listen und schreibe mir selbst eine E-Mail, wenn ich etwas nicht vergessen möchte.
- Jeder 30-jährigen sage ich: Hör auf das, was Du selbst möchtest, nicht auf das, was andere von Dir wollen.
- Alle Entscheidungen in Deinem Leben kannst Du verändern: Job, Partner, Haus. Nur wenn Du Kinder hast, hast Du Kinder – Dein Leben lang.
Takeaways für Führungskraft
- Als Führungskraft musst Du Menschen mögen und bereit sein, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Man muss empathisch sein, und die Menschen mitnehmen.
- Führung bedeutet nicht, lauter zu werden, sondern klarer. Als Führungskraft musst Du eine klare Linie vorgeben.
- Managen, wenn alles gut läuft, ist einfach. In meiner Berufszeit habe ich hauptsächlich restrukturiert, d.h. ich musste Menschen entlassen. Da musst Du die Dinge klar darlegen.
- Eine Führungskraft muss als gutes Beispiel vorangehen und den Kulturwandel gestalten. Sie sollte auch ihre Ideen selbst vortragen und erklären. Natürlich kannst Du als Führungskraft andere vorschicken, um unangenehme Dinge zu verkünden; aber das ist feige. Stell Dich hin, erkläre die Dinge und sage den Menschen, warum Du so entschieden hast!
- Man muss Leadership neu denken und mehr horizontal agieren. Wenn Du Menschen mehr zutraust und sie fragst, geben sie viel zurück und bringen sich ein. Ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen intrinsisch bestrebt sind, etwas zu leisten.
- Als Führungskraft solltest Du Feedback geben und Feedback selbst bekommen – beides ist wichtig. Dabei sollte es nicht nur um Kritik gehen, sondern auch um die Stärken des Gegenübers.
- Schaffe Dialog-Plattformen, wo Du ehrliches Feedback erhältst und nicht zu viel rausgefiltert wird. Stell Systeme auf, in denen Menschen miteinander kommunizieren (Janina Kugel hat bei Siemens HR-Cafés eingeführt, bei denen ein weltweiter, digitaler Austausch stattfand).
- Im breiten Netzwerk findest Du viel bessere Lösungen als wenn Du nur innerhalb Deiner Führungsriege diskutierst.
Wirtschaft lenken
- Wirtschaftliche Strukturen zu verändern heißt, Neues zu machen und Altes zu abzubauen bzw. zu ändern.
- Es ist wichtig, bei Analysen schonungslos offene Fragen zu stellen und die Mitarbeiter mitzunehmen. Du musst ihnen erklären, warum Dinge sich ändern müssen. Das ist gerade in der heutigen unsicheren Zeit wichtig.
- Heute müssen wir uns überlegen, was wir noch händisch machen und was wir der Technologie überlassen können.
- Wenn AI eingesetzt wird, muss man dafür sorgen, dass aus den Daten, die AI nutzt, der Bias rausgenommen wird. So kommen wir zu einer besseren Arbeitswelt.
- Gebt den Menschen immer die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und sich beruflich weiterzubilden!
- Wenn ein Paar Kinder hat, wird Flexibilität bei der Arbeit extrem wichtig (diese Flexibilität hat Kugel bei Siemens eingeführt).
Mut tut gut!
- Man muss den Mut haben, Dinge anders zu tun, auch wenn es nicht immer klappen wird.
- Wichtige Änderungen in einem finden meistens dann statt, wenn man sich außerhalb seiner Komfort-Zone befindet.
- Im Wort „zumuten“ steckt auch das Wort „Mut“. Wenn Menschen auf Gehalt verzichten sollen, damit mehr ihre Arbeit behalten können, dann gilt das auch für’s Management. Nur dann wird das auch als fair wahrgenommen.
- Ich liebe die Berge. Ich glaube, je älter ich werde, desto lieber habe ich es, wenn ich eine Weile lang niemanden treffe.
Viele dieser Erkenntnisse sind auch in Janina Kugels positiv inspirierendem Buch, das im Februar 2023 erschienen ist, dargestellt:
„It’s now: Leben, führen, arbeiten – Wir kennen die Regeln, jetzt ändern wir sie“
Photo: ©Siemens, 2017


