Sichtbarkeit ist kein „Nice-to-have“, sondern eine strategische Ressource für beruflichen Aufstieg. Dabei bedeutet Sichtbarkeit nicht, sich in den Vordergrund zu drängen, sondern die eigene Arbeit so zu positionieren, dass sie Wirkung entfalten kann. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwas für die eigene Sichtbarkeit zu tun.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Unternehmen aus der Finanzbranche geben an, dass Frauen seltener als Männer befördert werden, weil sie weniger sichtbar sind.
  • Wer präsent ist, wird eher erinnert – auch dann, wenn es um Beförderungen geht.
  • Sichtbarkeit ist also kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzungen für beruflichen Aufstieg.
  • Sichtbarkeit bedeutet, die eigene Arbeit so zu positionieren, so dass sie Wirkung entfalten kann.
  • Es ist nicht schändlich, die eigenen Erfolge zu kommunizieren, sofern dies ehrlich und sachlich geschieht.
  • Um als Expertin zu gelten, muss man sich selbst ernst nehmen. Daran lässt sich arbeiten.

Bei den Fondsfrauen-Events und aus vielen Gesprächen mit unseren Mitgliedern erkennen wir immer wieder: Sichtbarkeit ist kein „Nice-to-have“. Sie ist eine strategische Ressource – und eine der unterschätztesten Voraussetzungen für beruflichen Aufstieg. Studien zeigen seit Jahren, dass Leistung allein selten reicht, um für Beförderungen berücksichtigt zu werden. Entscheidend ist, wer wahrgenommen wird, wer als kompetent gilt und wessen Name in entscheidenden Momenten auf den richtigen Tischen liegt.

In ihrem Buch “Becoming” bringt es Michelle Obama auf den Punkt: „If you don’t get out there and define yourself, you’ll be quickly and inaccurately defined by others.“

Sichtbarkeit bedeutet also nicht, sich in den Vordergrund zu drängen, sondern die eigene Arbeit so zu positionieren, dass sie Wirkung entfalten kann – für das Team, für das Unternehmen und für die eigene Karriere.

Warum Sichtbarkeit so wichtig ist

Die 5. Auflage der Studie „Zeitenwende im Asset Management: Gender Diversity zwischen Fortschritt und neuer Zurückhaltung“ (2025), erstellt von den Fondsfrauen gemeinsam mit KPMG Deutschland und der Universität Mannheim, zeigt deutlich: Unternehmen wollen Frauen befördern – aber sie sehen sie zu selten. Als häufigste Gründe nennen sie:

  • grundsätzlich zu wenig Frauen
  • keine oder wenige weibliche Bewerberinnen
  • weibliche Kandidatinnen sind weniger sichtbar

Die Gründe dafür wurden nicht näher erläutert, aber sie liegen auf der Hand:

  • Beförderungsentscheidungen basieren auf Wahrnehmung. Wer präsent ist, wird eher erinnert.
  • Kompetenz wird zugeschrieben, nicht nur gemessen. Sichtbare Frauen gelten eher als Expertinnen.
  • Netzwerke funktionieren über Bekanntheit. Beziehungen entstehen nicht im Stillen.
  • Sichtbarkeit schafft Einfluss. Wer gehört wird, kann gestalten – fachlich, strategisch, kulturell.

Was Frauen konkret für ihre Sichtbarkeit tun können

Wer die Bedeutung von Sichtbarkeit erkannt hat, ist bereits einen Schritt weiter. Die entscheidende Frage lautet dann: Was kann ich konkret tun? Hier ein paar Hinweise:

  • Eigene Erfolge klar kommunizieren. Kurz, sachlich, wirkungsorientiert.
  • Räume aktiv nutzen. Meetings, Projektupdates, Konferenzen – all das sind Bühnen.
  • Expertise zeigen – intern wie extern. Sichtbarkeit entsteht durch Beitrag, nicht durch Lautstärke.
  • Neben Mentoren auch Sponsoren suchen. Sie öffnen Türen und sprechen über dich, wenn du nicht im Raum bist.
  • Netzwerke strategisch pflegen. Beziehungen statt bloßer Kontakte.
  • Sich selbst ernst nehmen. Selbstbewusstsein ist eine Entscheidung. 

Sichtbarkeit ist kein Ego-Projekt – sie ist ein Karrierefaktor

Frauen tun sich oft schwer damit, sich selbst ernst zu nehmen, gerade jüngere. Dabei leisten sie viel – oft mehr, als sichtbar wird. Sichtbarkeit ist aber kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Wirkung zu entfalten, Chancen zu nutzen und die eigene berufliche Zukunft aktiv zu gestalten. Wer sichtbar ist, wird gehört. Wer gehört wird, kann gestalten. Und wer gestaltet, wird befördert.

Doch für viele ist Sichtbarkeit kein Geschenk, sondern eine Kompetenz, die erlernt und trainiert werden will, um dann bewusst eingesetzt werden zu können.

Was Frauen tun können, um sich selbst ernster zu nehmen

Sichtbarkeit beginnt im Inneren. Wer sich selbst nicht ernst nimmt, wird auch von anderen seltener als kompetente Stimme wahrgenommen. Diese Haltung lässt sich stärken:

  • Eigene Leistungen dokumentieren. Ein Erfolgsjournal macht Wirkung sichtbar.
  • Grenzen klar setzen. „Nein“ ist professionell.
  • Die eigene Stimme bewusst einsetzen. Nicht erst sprechen, wenn alles perfekt ist.
  • Sich selbst als Expertin definieren. Den eigenen Schwerpunkt klar benennen.
  • Mentale Selbstabwertung stoppen. Perspektivwechsel hilft.
  • Sich Entwicklung zugestehen. Lernen ist Stärke, nicht Schwäche.
  • Erfolge nicht relativieren. Nicht kleinreden – stehen lassen.

Sheryl Sandberg, langjährige COO von Meta und Gründerin der Lean‑In‑Bewegung, bringt es in ihrem bekannten Bestseller „Lean In“ auf den Punkt: „Being confident and believing in your own self-worth is necessary to achieving your potential.“

Foto: Canva

Profilbild von Anke Dembowski

Anke Dembowski

Anke Dembowski ist Finanzjournalistin und Autorin verschiedener Investmentfonds- und anderer Finanzbücher. Sie ist außerdem Mit-Gründerin des Netzwerks „Fondsfrauen".

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