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„Man darf nicht einfach nur warten, bis man entdeckt wird!“

Seit Oktober 2016 ist Dr. Christine Bernhofer Geschäftsführerin der Swiss Life KVG. In ihren Verantwortungsbereich fallen neben Strategie und Rechnungswesen auch Controlling, Recht, IT, Personal sowie die Weiterentwicklung der Kapitalverwaltungsgesellschaft. Fondsfrau Anke Dembowski unterhielt sich mit ihr anlässlich des Events „Immobiliendialog 2018“ über Frauen in der Fondsbranche, speziell im Immobilien-Bereich. Im zweiten Teil des Interviews, den wir im Januar bringen werden, geht es um das Thema Job und Familie.

Frau Dr. Bernhofer, können Sie kurz erklären, wie bei Ihnen ein normaler Arbeitstag aussieht?
So richtig typische Arbeitstage habe ich eigentlich nicht. Nehmen wir die vergangene Woche: Da habe ich eine Anlageausschuss-Sitzung ausgerichtet und daran teilgenommen. Außerdem war ich beim Private Banking-Kongress und habe dort einen Vortrag gehalten. Anschließend habe ich an einem Treffen der Beos AG teilgenommen, die seit diesem Jahr ebenfalls Teil von Swiss Life Asset Managers ist. Dort haben wir uns über neue Produkte ausgetauscht. Dann hatte ich noch ein Treffen mit einem potenziellen neuen institutionellen Investor und ein Geschäftsführungs-Treffen in Luxemburg, wo es um ein großes Objekt in Stuttgart ging. Außerdem habe ich an einer Aufsichtsratssitzung in Zürich teilgenommen, und am nächsten Tag waren ein Teammeeting und ein Führungskräfte-Treffen anberaumt. Schließlich folgte noch ein Quartalstreffen mit IntReal, unserem Fondsadministrator. Nächste Woche kommt die Expo-Teilnahme. Sie sehen: Mein Arbeitstag ist extrem weit gefächert.

Was reizt Sie an Ihrem Job als Geschäftsführerin einer KVG besonders?
Besonders reizt mich, dass es keine Routine gibt. Die Aufgaben reichen von der Kundengewinnung über Entscheidungen für das Portfolio Management bis hin zum Risk-Management. Ich kümmere mich um zahlreiche Themen, und das macht für mich den Reiz aus. In der Geschäftsführung habe ich auch die Möglichkeit, Dinge zu bewegen und umzusetzen. Ich bin jetzt seit 2004 Geschäftsführerin von regulierten Einheiten; dabei ist es mir noch nie langweilig geworden!

Was hat bei Ihnen den Ausschlag dafür gegeben, dass Sie als Geschäftsführerin im Immobilienfonds-Bereich gelandet sind?
Das war eigentlich Zufall. Nach dem Studium wollte ich in die Personal-Abteilung, wie viele junge Frauen. In der Hypo-Vereinsbank war ich schon als Praktikantin während meines Studiums, und Immobilien mache ich seit 1994. Als dann mehrere meiner Kollegen zur MEAG gingen, sagte ein Kollege: „Mensch, das wäre doch auch was für Dich!“ Vier Wochen später habe ich bei der MEAG unterschrieben. Ich fing dann an, in deren KVG zu arbeiten und damit war das Fondsthema bei mir gesetzt. Die Arbeit dort gab mir auch die formelle Voraussetzung für eine Geschäftsführungs-Tätigkeit, und mit 35 Jahren bekam ich meine erste Geschäftsführungs-Position bei TMW Pramerica. Ich kann mich noch erinnern, wie das bei der BaFin lief: Dort musste ich drei Stunden lang vorsprechen. Die Herren haben mich regelrecht gegrillt, mit Details im Accounting und so weiter. Dann meinte einer der Interviewpartner von der BaFin: „Sie sind ja noch ganz schön jung“, und ich antwortete nur: „Stimmt!“

Es ist ja auch nicht selbstverständlich, als junge Frau eine Geschäftsführungs-Tätigkeit zugetraut zu bekommen. Wie ist Ihnen das gelungen?
Als ich bei der MEAG noch Prokuristin war, habe ich schon gesagt, dass ich gern Geschäftsführerin werden möchte. Mein damaliger Chef hat mir dann geholfen. Ich glaube, dass es wichtig ist, die Leute wissen zu lassen, wo man hin will.

Und die Ausbildung, die Kompetenz?
Naja, das Thema Kompetenz ist doch sehr dehnbar. Schließlich haben wir alle mehr oder minder dieselbe Ausbildung. Man muss sein Ziel laut von sich geben, sonst haben einen die Führungskräfte gar nicht auf dem Schirm. Das geht vermutlich jedem so: Bei der Besetzung eines neuen Jobs fallen einem diejenigen Leute ein, die mal gesagt haben, dass sie Lust auf was Neues haben. Eine vernünftige Ausbildung und Talente haben ja viele! Vorgesetzte müssen Dich im Auge haben. Dazu darf man nicht zu introvertiert sein oder einfach nur warten, bis man entdeckt wird – dazu sind jedermanns Kalender und Kopf zu voll. Ich habe in verschiedenen Gesprächen gesagt, dass ich mich weiter entwickeln will. Man muss so etwas artikulieren! Als ich dann mal auf einem Bankentreffen in Frankfurt war, wurde ich angesprochen, ob ich an einer Stelle als Geschäftsführerin der UBS Real Estate KVG interessiert sei.

Im Bereich der offenen Immobilienfonds sind nur wenige Frauen in Führungspositionen sichtbar. Neben Ihnen fällt mir insbesondere Barbara Knoflach ein. Haben Sie eine Idee, warum das so ist?
Eigentlich ist es nicht nur im Immobilienbereich, sondern fast überall so! Dass Frauen nicht weiter nach oben kommen, liegt meiner Meinung nach nicht nur daran, dass die Unternehmen das nicht wollen. Es ist doch so: Wenn man als Frau neben dem Job auch das Familienprojekt angeht, fehlen einem meist ein paar Jahre. Männer können da unbelasteter sein und trotzdem ihrer Karriere nachgehen, halt lückenlos präsent sein – zumindest noch ist das so. Interessante Jobs bringen meist Reisetätigkeit mit sich, und wenn man kleine Kinder hat, ist das schwierig. In den ersten Lebensjahren möchte man die Kinder auch nicht gern ununterbrochen irgendwohin geben. Männer in dem Alter haben dann schon ihr Netzwerk geknüpft und wichtige Kontakte aufgebaut. Es zeigt sich immer wieder, dass man sinnvoll netzwerken muss, denn man muss den Leuten im richtigen Augenblick einfallen. Das gilt auch bei der Besetzung von Aufsichtsrats-Posten. Daher ist wichtig, dass wir Frauen netzwerken, auch bei den Männern. Ich kann nur sagen: Geht auf Konferenzen und Messen und zeigt, dass Ihr da seid! Sagt, was Ihr macht, und lasst vielleicht mal einen Satz fallen wie „Es ist inzwischen ganz schön viel Routine“. Dann fallt ihr den Leuten bei Neubesetzungen auch ein!

Vielen Dank, Frau Dr. Bernhofer! Ich freue mich schon auf den zweiten Teil unseres Interviews!