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Luxemburger Fondsverband ALFI diskutiert Gender-Themen

Der luxemburgische Fondsverband ALFI hat bei seiner Frühjahrstagung am 8. und 9. März in Luxemburg das Thema „Gender bias in the Fund Industry“ diskutiert. Unter der Leitung von ALFI-Präsidentin Denise Voss wurde darüber gesprochen, wie Fondsgesellschaften die besten Talente finden und halten können, ohne dabei dem Gender-bias zu unterliegen.

Zur Einstimmung auf das Thema präsentierte Fondsfrau Anke Dembowski die von den Fondsfrauen erhobene Fondsmanagerinnen-Studie und zeigte an Hand der Zahlen, dass das Umfeld für weibliche Fondsmanager offenbar ungünstig ist. Wie sonst ließe sich erklären, dass weniger als 10% der Fondsmanager weiblich sind, obwohl es in der – um die unterschiedlichen Assetklassen bereinigten – Performance keinen Unterschied gibt?

Susanne Van Dootingh, Senior Managing Director von State Street Global Advisors in Brüssel erklärte, dass bei ihnen im Hause ein detaillierter Aktionsplan ins Leben gerufen wurde, der auch ein konkretes Budget beinhalte. „Wenn Sie Diversity nicht wie jedes andere geschäftliche Ziel formulieren und verfolgen, ist die Realisierung weit entfernt“, meint Van Dootingh.

Sébastien Danloy, CEO der RBC Investor Services Bank in Luxembourg berichtete, dass in seinem Haus Diversity als konkretes Ziel verfolgt werde. Offenbar ist man bei der Royal Bank of Canada schon sehr weit mit der Frauenquote, möchte aber weiter daran arbeiten.

Rita Knott ist Präsidentin des „Female Board Pool“ in Luxemburg. Sie führt eine Datenbank mit Frauen, die geeignet sind, in die Aufsichtsräte der Fondsgesellschaften und anderer Unternehmen aufgenommen zu werden. Sie bemängelt, dass von den Unternehmen erst vereinzelt Frauen in diesen Positionen nachgefragt würden. Sie ermuntert Frauen, Aufsichtsrats-Positionen einzunehmen: „Dies lässt sich auch sehr gut mit der Wahnnehmung von familiären Aufgaben vereinbaren.“

Ein Mann aus dem Publikum formulierte eine Frage, die sich vermutlich viele Männer stellen, sich aber nicht trauen, sie auszusprechen: Ob Männer nicht benachteiligt seien – zumindest eine Generation lang – wenn jetzt Frauenquoten aufgefüllt würden. Er wurde im Club der Benachteiligten willkommen geheißen, aber das Problem ist, das Umfeld für die Frauen zu verbessern und nicht umgekehrt. Schließlich gibt es derzeit eine ungeschriebene Männerquote von über 90 Prozent, und das dürfte nicht der Verteilung der Talente entsprechen, auf die die Untenehmen zugreifen wollen.

Das Interesse am Fondsplatz Luxemburg an Gender-Themen war groß, so dass wir ein Regionalmeeting in Luxemburg planen. Wir werden alle Mitglieder und Interessierte dazu einladen.

Fotos: ALFI

 

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