Zum heutigen Equal Pay Day ist das eine interessante Nachricht, die uns nachdenklich stimmen sollte: Bankerinnen in London erwarten nur halb so hohe Bonuszahlungen wie ihre männlichen Kollegen. Das ermittelte die Personalberatung Astbury Marsden in ihrer Ende 2015 veröffentlichten Studie „2015-2016 Compensation“.

Die in der City beschäftigten Frauen rechnen im Schnitt für das Jahr 2015 mit einem Bonus von 16.240 Pfund (20.670 €), während die Männer durchschnittlich 32.840 Pfund (41.790 €) erwarten. Weibliche Direktoren erwarten einen Bonus von durchschnittlich 25.810 Pfund, verglichen mit 50.300 Pfund für Männer auf vergleichbarer Karrierestufe.

Weniger Frauen in bonus-trächtigen Bereichen
Die Bonusunterschiede weisen nicht unbedingt darauf hin, dass Frauen bescheidener sind, sondern sie spiegeln auch das unterschiedliche Interesse an bonus-trächtigen Jobs wider. Dort, wo das Arbeitsergebnis exakt gemessen werden kann, sind weniger Frauen zu finden. „Tatsache ist, dass die Bereiche, wo es eine starke Provisionskultur gibt, immer noch von Männern dominiert werden. Frauen haben einen stärkeren Anteil an den nicht Provisionen erwirtschaftenden Bereichen wie Personal oder Marketing“, erklärt Adam Jackson, Managing Director Europa bei Astbury Marsden gegenüber Bloomberg. „Handelsräume beispielsweise stehen in dem Ruf, ein sehr männliches Umfeld zu sein, und das schreckt vielleicht Frauen ab, sich um Positionen dort zu bewerben.“

Aber auch die Grundgehälter von Männern und Frauen unterscheiden sich. Sie betra bei Männern im Londoner Finanzdistrikt im Schnitt 96.270 Pfund (122.508 €) und bei Frauen 19% weniger, nämlich 78.200 Pfund (99.515 €).

Gegensteuern durch Transparenz
In Großbritannien will man nun gegensteuern, indem die Transparenz der Vergütungen verbessert wird. Demnächst sollen große Betriebe bei der Veröffentlichung der durchschnittlichen Mitarbeiter-Vergütung auch die Boni mitberücksichtigen, berichtet Astbury Marsden.

„Die vor kurzem von der Regierung angekündigten Maßnahmen werden eine höhere Vergütungstransparenz innerhalb der City schaffen und zu mehr Diskussionen und Veränderungen in den Unternehmen führen“, erläuterte Jackson. „Wenn diese Regelungen in Kraft treten, werden wir wahrscheinlich eine weitere Reduzierung der Geschlechterunterschiede bei den Boni beobachten.“

Was für Unternehmen auch eine wichtige Information ist: Geld ist für Mitarbeiter nicht alles. Über 56 % der Beschäftigten in der City of London sind der Meinung, dass flexible Arbeitsbedingungen, wie die Möglichkeit für ein Sabbatical oder freie Arbeitszeiten, wichtig sind, wenn sie nach einem neuen Job Ausschau halten. Aber immerhin 79% waren das Bonussystem und 79% die Firmenpension ein wichtiges Kriterium.

 

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