Carola Marx ist Head of Investment Operations EMEA bei der DWS in Frankfurt. Sie hat eine spezielle Form des Mentorings in COO eingeführt, das man auch als „Reverse Mentoring“ bezeichnen kann. Mit diesem Format lädt sie im COO-Bereich alle New Joiner ein, sich zu vernetzen und gibt ihnen gleichzeitig ein Gefühl von Willkommen und Orientierung. Auf der anderen Seite lernt sie nicht nur die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen, sondern erhält auch interessante Einblicke, beispielsweise über nützliche Tools oder gute Netzwerk-Veranstaltungen.
Das Wichtigste in Kürze
- In Carolas Bereich findet zweimal im Jahr, jeweils im Juli und im Januar, ein Willkommens-Mentoring statt.
- Die neuen Kolleginnen und Kollegen fühlen sich durch dieses Mentoring abgeholt und können auch mal ihre Sorgen und Nöte vortragen, die sie als Newcomer haben.
- Bei „Reverse Mentoring“ erhalten beide Seite Inspiration, neue Ideen und gute Impulse. Carola profitiert davon, dass die neuen Kolleginnen und Kollegen frische Perspektiven und innovative Ideen mitbringen.
- Sie nutzt die Erwartungen und positiven Erfahrungen, um neue Ideen zu entwickeln und den COO-Bereich der DWS kontinuierlich interessant und zukunftsorientiert aufzustellen.
Carola Marx ist Head of Investment Operations EMEA bei der DWS in Frankfurt. Beim Fondsfrauen-Award 2025 wurde sie vielfach nominiert und als „außergewöhnliche Botschafterin und inspirierende Führungsfrau“ beschrieben. Schließlich gewann sie den Award „Role Model of the Year“. Heute unterhalten wir uns aber nicht über ihren Award, sondern es geht um eine spezielle Form des Mentorings, das sie in COO eingeführt hat.
Carola, du bist unserem Aufruf im letzten Newsletter nachgekommen und hast erzählt, dass Ihr bei Euch Reverse Mentoring macht. Erzähl doch mal, wer trifft sich da mit wem?
Mentoring kann ja auf die unterschiedlichsten Art und Weisen gelebt werden – und genau das macht es spannend. Mit unserem Reverse-Mentoring-Format im COO-Bereich lade ich alle New Joiner ein sich gegenseitig vorzustellen, zu vernetzen und versuche gleichzeitig ein Gefühl von Willkommen und Orientierung zu schaffen. Dabei möchte ich verstehen, welche Erwartungen unsere neuen Kolleginnen und Kollegen mitbringen. Jede neue Perspektive ist eine Bereicherung – egal, ob jemand frisch aus dem Studium kommt oder Erfahrungen aus anderen Unternehmen und Bereichen einbringt. Wir nutzen diese Erwartungen und positiven Erfahrungen, um neue Ideen zu entwickeln und unseren Bereich kontinuierlich interessant und zukunftsorientiert aufzustellen.
Ach, dann seid Ihr also eine richtige Gruppe, nicht nur zu zweit?
Korrekt! Je nachdem, wie viele Neuzugänge wir in den vergangenen 6 Monaten im Team hatten, sind das bei uns pro Veranstaltung 20-25 Personen. Dazu kommen dann noch ich und ein paar Kolleginnen und Kollegen, die mich unterstützen. Was es besonders interessant macht, ist, dass Menschen aus den unterschiedlichsten Leveln zusammenkommen. Das bietet allen die Möglichkeit direkt zum Start ein breites Netzwerk aufzubauen und sich über verschiedene Perspektiven auszutauschen.
Wie lange dauert so eine Sitzung, und in welchen Abständen finden sie statt?
Wir machen ein solches Willkommens-Mentoring zweimal im Jahr, jeweils im Juli und im Januar. Ich setze den Termin abends auf – open end – damit wir keine zeitliche Einschränkung haben. Je nach Themen dauert es etwa zwei bis drei Stunden. Und je nach Wunsch gibt es dann auch Follow up Termine.
Was nehmen Eure New-Joiner aus dem Treffen mit? Was lernen sie?
Das Wichtigste – die neuen Kolleginnen und Kollegen vernetzen sich mit vielen anderen New Joinern. Zusätzlich geben wir Ihnen eine Basic Introduction. Kollegen aus dem COO-Bereich haben eine tolle Präsentation und Intranetseite erstellt, in der viel Wissenswertes für einen neuen Mitarbeiter erklärt wird: Wo finde ich was? Wen kann ich ansprechen? Wo bekomme ich zu welchem Thema Hilfe? Diese Präsentation / Intranetseite wurde vor mehreren Jahren aus Fragen und Anregungen des Reverse Mentorings entwickelt.
Wenn du das hier so erzählst, wollen andere das womöglich auch einführen…
Ja, das ist doch gut! Ich weiß gar nicht mehr, von wem ich die Idee habe. Ich weiß aber, ich habe sie auch von jemand anderem übernommen. Ich sage immer: Steal with pride! Es soll gerne von anderen Abteilungen und Unternehmen nachgemacht und angepasst werden!
Was fragen denn eure Neuankömmlinge so, und wie ist die Reaktion auf Euer Reverse Mentoring-Meeting?
Ich habe viel positives Feedback bekommen. Die meisten erzählen, dass sie so etwas noch nie gehabt haben, wenn sie in einem Unternehmen neu angefangen haben und finden es sehr hilfreich.
Und die Fragen? Ganz unterschiedlich. Von sehr Tech relevanten Themen in Bezug auf Ausstattung der Arbeitsplätze oder Tools die genutzt werden können, bis hin zu, welche Networking-Möglichkeiten es gibt. Bei letzterem erzählen wir, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie zum Beispiel den Frauenstammtisch oder JNET unser Netzwerk für junge Mitarbeiter. Die Kolleginnen und Kollegen fühlen sich durch unser Mentoring abgeholt und können auch mal ihre Sorgen und Nöte vortragen, die sie so als Newcomer haben.
Beim Reverse Mentoring lernt ja jeder von jedem. Was hast Du beispielsweise schon aus solchen Sitzungen mitnehmen können?
Ganz persönlich profitiere ich natürlich massiv davon, dass ich alle neuen Kollegen kennenlerne und mein Netzwerk dadurch erweitere. Außerdem freue ich mich über jede tolle neue Idee, die wir bei uns implementieren können. Ich frage bei dem Treffen ganz konkret nach, wie es in anderen Unternehmen gehandhabt wird. Welche Tools habt Ihr genutzt? Welche Netzwerk-Veranstaltungen gab es, und waren sie gut? Was hast Du aus Deiner alten Rolle gelernt? Oft bringen die New Joiner ganz neue Ideen mit, die wir kopieren oder an uns anpassen können. Beispielsweise hatte ein Kollege die Idee, dass jeder neue Mitarbeiter einen Buddy an die Seite gestellt bekommt – diese Idee haben wir dann dem Gesamt COO-Bereich vorgeschlagen.
Auch die Welcome Präsentation und unsere Intranetseite mit hilfreichen Fakten ist vor ein paar Jahren auch aus dem Reverse Mentoring entstanden.
Eine Kollegin erzählte auch mal, dass in ihrer Ex-Firma ein monatliches Event stattgefunden hat, bei dem sich alle connecten und austauschen konnten. Wir haben dann gleich vereinbart, dass sie auch bei uns so etwas auf die Beine stellt.
Was ist der Outcome einer solchen Reverse Mentoring-Sitzung?
Je nachdem, was besprochen wurde, erzielen wir ganz unterschiedliche Ergebnisse. Aber meistens gibt es verschiedene To-Dos, von denen jeder etwas übernimmt und weitertreibt. Bei der letzten Sitzung habe ich eine Liste mit 15 Ideen zusammengeschrieben.
So eine Reverse-Sitzung vorzubereiten und durchzuführen macht ja Arbeit. Warum machst Du das?
In der Vorbereitung geht es eigentlich nur darum die Mitarbeiter einzuladen. Im Termin ist es dann natürlich wichtig, nicht nur eine große Liste an Ideen zu generieren, sondern die neuen Kolleginnen und Kollegen auch gleich dazu zu animieren, diese gemeinsam mit mir abzuarbeiten und eine „bessere“ COO-Welt zu schaffen.
Ich bin überzeugt davon, wir verbringen alle mehr Zeit in der Firma als mit dem Partner zu Hause und daher sollten wir kontinuierlich daran interessiert sein ein positives und kollaboratives Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem sich alle Mitarbeiter wohl fühlen. Und ja, das ist ein kleines Zeitinvestment, das ist es aber auch definitiv wert.
Vielen Dank für dieses tolle Best-Practice-Beispiel! Vielleicht melden sich ja noch weitere Fondsfrauen, damit wir mehr erfahren, wie Mentoring woanders eingesetzt wird!


