Am 21. Oktober 2025 hat CACEIS, eine Gesellschaft der Crédit Agricole-Gruppe, den „Company of the year“-Award der Fondsfrauen erhalten. Fondsfrau Anke Dembowski unterhält sich nun mit Anja Maiberger darüber, welche Maßnahmen CACEIS für Gender-Diversity ergriffen hat und welche Vorteile das Unternehmen in der Verwirklichung von mehr Diversity in Unternehmen sieht. Anja Maiberger hat am 2. Februar 2026 die Rolle als Country Managing Director bei CACEIS in Deutschland übernommen. In ihrer neuen Funktion bleibt sie ihrer kunden- und vertriebsorientierten Führungsrolle treu, die sie seit 2019 innehat. Zusätzlich gestaltet sie maßgeblich die Schnittstelle zwischen den Asset-Servicing-Aktivitäten der CACEIS Gruppe in Deutschland und den lokalen Marktteilnehmern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei CACEIS blickt man auf eine längere Diversity-Entwicklung zurück: Die Belegschaft besteht aus rund 49% Frauen, davon 30% in Führungspositionen. Insgesamt liegt der Frauenanteil im Top Management von CACEIS bei 50%. Bezogen auf die Branche ist das ein überdurchschnittlich hoher Frauen-Anteil.
  • CACEIS stellt nicht nur die gesellschaftliche Notwendigkeit nach mehr Geschlechter-Gleichstellung fest, sondern arbeitet auch konkret daran. Beispielsweise gibt es ein „Female Talent“-Programm, und diverse Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Im Jahr 2024 wurde bei CACEIS Deutschland ein Frauennetzwerk gegründet: Women at CACEIS.
  • Wenn sich CACEIS für Diversity einsetzt, geht es dem Unternehmen um Gleichberechtigung und Glaubwürdigkeit. Es will damit auch seine Verantwortung als Arbeitgeber unterstreichen und sich als ein attraktiver und fairer Arbeitgeber präsentieren.
  • Bei seinen Bemühungen geht es CACEIS nicht nur um Fairness, sondern das Unternehmen sieht auch ein geschäftliches Potenzial in Diversity. „Je diverser ein Unternehmen ist, desto größer sind Potenzial und Kreativität, mit denen sich die Herausforderungen in einem modernen Unternehmen lösen lassen“, findet Anja Maiberger.
  • CACEIS will sich nicht von den Bewegungen in den USA beeinflussen lassen, sondern weiter seinen „Europäischen Weg“ gehen.

Frau Maiberger, CACEIS bietet Asset Servicing an. Können Sie kurz erklären, welche Dienstleistungen das alles umfasst?

Asset Servicing beschreibt alle Dienstleistungen für institutionelle Kunden rund um Wertpapiere und Investmentfonds. Die Dienstleistungen unterscheiden sich für die Buy-side und die Sell-side.

Für die Buy-side beinhalten sie Custody, Verwahrstelle nach KAGB, Added Value-Services wie zum Beispiel Wertpapierleihe, Reportings und Kapitalmaßnahmen.

Für die Sell-side stehen Dienstleistungen wie Transaction Banking, Clearing & Settlement börsennotierter Papiere sowie OTC-Transaktionen und Custody im Vordergrund.

Und was ist dabei Ihre Aufgabe, Frau Maiberger?

Ich verantworte das gesamte Commercial Team von CACEIS in Deutschland. Dies umfasst folgende Teams: Sales, Relationship Management, Client-Service, Business Engineering, Marketing & Communications, Product Development, Fonds-Administration, PERES, jeweils mit Exposure zu Deutschland, Österreich und den osteuropäischen Märkten. Außerdem bin ich Managing Director für Deutschland.

CACEIS hat am 21. Oktober 2025 den „Company of the year“-Award der Fondsfrauen erhalten. Hat Sie das überrascht, oder hatten Sie fast damit gerechnet, weil bei CACEIS viel für ein frauenfreundliches Arbeitsumfeld und Gleichstellung getan wird?

Ja, mich hat es sehr wohl überrascht, und zwar positiv! Inzwischen wird in vielen Unternehmen und in vielen Branchen deutlich mehr für ein frauenfreundliches Umfeld getan als früher. Allerdings glaube ich persönlich, dass in unserer Gesellschaft noch deutlich mehr für ausgeglichene Geschlechterverteilung getan werden kann und muss. Für uns bei CACEIS ist es wichtig, ein fairer, glaubwürdiger und interessanter Arbeitgeber zu sein.

Sie sieht es mit der Gleichstellung bei CACEIS aktuell aus?

Im Grunde blicken wir bei CACEIS auf eine längere Entwicklung zurück: Unsere Belegschaft besteht schon seit vielen Jahren aus rund 49% Frauen, davon 30% in Führungspositionen. Bezogen auf die Branche ist das ein überdurchschnittlich hoher Frauen-Anteil. In unserem Top Management liegt der Frauenanteil übrigens bei 50%. Ich bin im Februar 2026 als Country Managing Director hinzugekommen, so dass wir in Deutschland mit mir nun auch eine Frau an der Spitze haben. Insofern stellen wir bei CACEIS nicht nur die gesellschaftliche Notwendigkeit nach mehr Geschlechter-Gleichstellung fest, sondern wir arbeiten konkret daran.

Welche Maßnahmen hat man bei CACEIS konkret ergriffen, um für ein frauenfreundliches Arbeitsumfeld und Gleichstellung zu sorgen?

Wir haben dazu verschiedene Maßnahmen ergriffen. Beispielsweise gibt es seitens der CACEIS-Group ein „Female Talent“-Programm, und es gibt diverse Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dabei ist uns wichtig, den Fokus nicht nur auf Frauen zu legen, sondern gleichermaßen auf Väter – mit einem bezahlten Zusatzurlaub nach der Geburt. Sowohl Mütter als auch Väter erhalten einen Kinderbetreuungszuschuss. Wichtig ist uns aber nicht allein, dass sich Frauen in eine Führungsposition entwickeln können, sondern dass sie sich bspw. auch in eine anspruchsvolle Projektleitungsrolle entwickeln können, die keine klassische Führungsverantwortung hat.

Im Jahr 2024 haben wir bei CACEIS Deutschland ein Frauennetzwerk gegründet: Women at CACEIS, das übrigens auch Männern offensteht. Damit setzen wir uns für die Gleichberechtigung von Geschlechtern bzw. für Diversity ein. Insofern freuen wir uns natürlich, dass das Set-up von CACEIS in Deutschland von den Fondsfrauen gesehen und mit dem Award honoriert wurde.

Solche Maßnahmen ergreift man ja nicht lá pour lá. Was ist der Grund dafür, dass CACEIS sie ergreift?

Uns geht es dabei um Gleichberechtigung und Glaubwürdigkeit. Und natürlich auch um unsere Verantwortung als Arbeitgeber. CACEIS will ein attraktiver und fairer Arbeitgeber sein. Das wird man nicht mit einem Fingerschnippen – da braucht es Maßnahmen, die gewachsen sind und systematisch aufeinander aufbauen. Aber mit unserem Anteil von 50% Frauen im Top Management in Deutschland arbeiten wir auch in Richtung Glaubwürdigkeit.

Was ist der Business-Case dabei?

In echter, gelebter Diversität steckt viel Potenzial. Männer und Frauen haben häufig unterschiedliche, gute Ansätze bei der Führung von Mitarbeitenden, bei der Leitung von Projekten oder bei der Lösung von Problemen. Je diverser ein Unternehmen ist, desto größer sind Potenzial und Kreativität, mit denen sich die Herausforderungen in einem modernen Unternehmen lösen lassen.

Darüber hinaus ist uns wichtig, alle Menschen im Unternehmen fair zu behandeln und nicht eine Gruppe zu bevorzugen.

Wird auch gemessen, ob die Maßnahmen zu Erfolgen führen? Wenn ja, wie sind die Ergebnisse?

Ja, beispielsweise messen wir quartalsweise, wie hoch der Anteil bei neubesetzten Führungspositionen der Frauen im Vergleich zur Gesamtanzahl ist. Diese Zahl schwankt von Jahr zu Jahr, ist allerdings immer auf einem relativ hohen Niveau. Zudem gibt es ein jährliches Reporting, in dem wir einige geschlechterspezifische Analysen machen.

Sind die erreichten Kennzahlen, oder vielleicht auch bestimmte Quoten, relevant bei der Berechnung der Vorstandsvergütung?

Nein, wir haben keine Kennzahlen/KPIs oder Quoten, aber die bisherige Entwicklung unterstreicht ja, dass man viel erreichen kann, wenn man als Unternehmen Diversität als Ziel definiert hat.

Im Januar 2025 wurde in den USA ein deutlicher Kurswechsel bei der Förderung von Diversität eingeläutet. Hat dies auch Konsequenzen oder Auswirkungen für CACEIS? SAP hat ja beispielsweise seine DEI-Ziele gestrichen.

Bei uns ist das nicht der Fall. Der CEO von CACEIS, Jean Pierre Michalowski, hat klar gesagt, dass wir an die Kraft und Wirksamkeit von Diversity im „Human Capital“ glauben. CACEIS geht also weiter einen „Europäischen Weg“.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung bei der Gleichstellung? Wird man sich vielleicht in 20 Jahren gar nicht mehr darüber unterhalten müssen, weil wir weltweit die Gleichstellung erreicht haben?

Das glaube ich nicht. Sehen Sie mal: Die Welt, in der wir heute leben, privilegiert seit Jahrhunderten nach wie vor Männer für die so genannten „wichtigen Ämter“. Diese manifestierte Entwicklung lässt sich nicht binnen weniger Jahre oder Jahrzehnte einfach umdrehen. Das ist ein langer Prozess, aber ein Prozess, für den es sich zu kämpfen lohnt. Für eine bessere, ausgeglichenere Welt und unsere jungen Kolleginnen, die hoffentlich von mehr Diversität profitieren werden.

Vielen Dank für dieses ehrliche Interview!

Foto: CACEIS

Profilbild von Anke Dembowski

Anke Dembowski

Anke Dembowski ist Finanzjournalistin und Autorin verschiedener Investmentfonds- und anderer Finanzbücher. Sie ist außerdem Mit-Gründerin des Netzwerks „Fondsfrauen".

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