Fondsfrau Anke Dembowski spricht mit Sigrid Zecha, Managing Director und Leiterin Multi Asset Class Solutions (MACS) bei Credit Suisse Deutschland.

Frau Zecha, Sie sind Managing Director und Leiterin Multi Asset Class Solutions (MACS) bei Credit Suisse Deutschland. Wie kamen Sie auf die Idee, in der Finanzbranche zu arbeiten?
Nach meinem volkswirtschaftlichen Studium wollte ich das erworbene Wissen auch möglichst eins zu eins umsetzen. Daher habe ich den Einstieg über volkswirtschaftliche und Research-Abteilungen von Banken gesucht. Dort bekam ich dann die Kapitalmarktnähe, die mich seitdem fasziniert.

Was motiviert Sie an Ihrem Job besonders?
Es gibt zwei Seiten, die mich an diesem Job besonders reizen. Zum einen ist das Thema Geldanlage ein sehr wichtiges Thema für uns Menschen; bei Diskussionen zeigt sich allerdings, dass größere Wissensunterschiede bestehen. Zum anderen spielt der Faktor Unsicherheit stets eine Rolle an den Kapitalmärkten. Diese Gemengelage finde ich sehr spannend – vor allem auch im direkten Austausch mit Kunden. So ist meine Tätigkeit noch nie zur Routine geworden.

Verwalten Sie in Ihrer jetzigen Position noch Fonds? Oder was genau tun Sie im Bereich MACS bei der Credit Suisse Deutschland?
Im Rahmen meiner aktuellen Tätigkeit verwalte ich keinen Fonds, habe das aber an früheren Stationen gemacht. Dieser Erfahrungsschatz ist für meinen Job sehr bereichernd. In meiner Funktion als Leiterin des MACS-Teams verstehe ich mich eher als Produktspezialistin. In dieser Funktion versuche ich im Dialog mit Kunden, die besten Lösungsansätze zu erarbeiten. Dies bedeutet zum Beispiel, dass ich bestrebt bin, die Bedürfnisse eines institutionellen Kunden hinsichtlich Ertragserwartung und Risikotragfähigkeit so gut zu verstehen, dass wir eine optimale Strategie für den Kunden entwickeln.

War es auf Ihrem persönlichen Karriereweg eher förderlich, eine Frau zu sein? Oder gab es auch einige Querschüsse dadurch? (Wenn ja, haben Sie vielleicht ein Beispiel?)
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Zu Beginn meiner Karriere war das Thema Frauenförderung noch nicht so präsent wie heute. Man war als Frau eher auf sich gestellt. Querschüsse kann es immer geben. Das ist mir insbesondere damals in der Zeit des Mutterschutzes aufgefallen. In all meinen Job-Interviews, die ich mit der Credit Suisse vor meinem Wechsel dorthin führte, fiel mir die hohe Anzahl an Frauen im Auswahlprozess wie auch der Spirit der Frauen besonders positiv auf. Dies war durchaus ein Beweggrund, zur Credit Suisse zu wechseln.

Was würden Sie einer jungen Frau (zum Beispiel einer VWL- oder BWL-Studentin) raten, die sich für einen Einstieg in die Fondsbranche interessiert? Welche besonderen Eigenschaften sollte sie haben, und welche Kenntnisse sollte sie sich aneignen, damit es mit der Karriere in der Fondsbranche klappt?
Aus meiner Sicht sollten sich junge Frauen im Klaren darüber sein, was sie tatsächlich wollen. Eine hohe Affinität zu Kapitalmärkten, ein analytisches Gespür, eine gewisse Hartnäckigkeit und gute Kommunikationsfähigkeit sind sicherlich wichtig. Hinzu sollte aber eine Leidenschaft für das, was man tut, kommen. Nur dann kann man auch richtig gut werden.

Fördern Sie persönlich Frauen, oder werden Frauen bei der Credit Suisse speziell gefördert? Falls ja, wie sehen diese Programme aus?
In meiner bisherigen Berufslaufbahn habe ich einige Frauen gefördert. Dabei fällt mir immer wieder auf, dass spezielle Programme eine entscheidende Rolle spielen. Auch ich hatte Mentoren. Die besten Mentoren waren diejenigen, die ich mir selbst gesucht habe. Umgekehrt denke ich, dass ich immer dann die beste Mentorin war, wenn ich „ausgesucht“ wurde. Aber das eine schließt das andere ja nicht aus. In der Credit Suisse ist man sich der positiven Wirkungen bewusst, die durch eine größere Geschlechtervielfalt erzielt werden. Es gibt im Unternehmen sogenannte Diversity Councils, die daran arbeiten, den Frauenanteil in Führungspositionen kontinuierlich zu erhöhen. Zudem gibt es ein Real-Returns-Programm, das diejenigen unterstützt, die nach einer längeren Pause den Wiedereinstieg ins Berufsleben suchen.

Sind Sie bei Besprechungen mit anderen Managing Directors oft die einzige Frau oder eine von wenigen? Und würden Sie sich wohler fühlen, wenn es in der Finanzbranche mehr Frauen auf der Führungsebene gäbe?
Die einzige Frau in einem Meeting zu sein, ist immer noch der Normalfall. Vor kurzem hatten wir aber ein Treffen mit Kunden, bei dem die Credit Suisse mit vier Frauen vertreten war, die Kundenseite jedoch ausschließlich mit Männern. Es ändert sich also langsam, aber sicher.

Was genau würde sich Ihrer Meinung nach ändern, wenn die Frauenquote von 30 % bereits Realität wäre – speziell in der Finanzbranche?
Die Männerrituale wären dann vielleicht nicht mehr so offensichtlich.

Ich frage das nicht gern, weil es sehr neugierig wirkt, aber unsere Leserinnen interessieren sich sehr dafür, wie andere Frauen Karriere und Familie unter einen Hut bekommen. Wie managen Sie das? Wer übernimmt die Hausarbeit? Wer die Kinderfahrdienste usw.?
Um Karriere und Familie unter einen Hut zu bekommen, braucht es eine gute Partnerschaft und Organisation.

Vielen Dank für das Interview, Frau Zecha!

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