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Interview mit Fondsmanagerin Dr. Ilga Haubelt

Die Fondsfrauen sprechen mit Frau Dr. Ilga Haubelt, Head of Global Equities und Senior Portfoliomanagerin bei DEKA. Sie managt unter anderem den über 2 Mrd. Euro schweren Fonds Deka-Dividenden Strategie.

Fondsfrauen: Frau Dr. Haubelt, Sie sind seit gut 2 Jahren Head of Global Equities und Senior Portfoliomanager bei Deka Investment. Davor waren Sie knapp 7 Jahre lang Portfoliomanagerin bei Union Investment. Welche Fonds außer dem Deka-Dividenden Strategie managen Sie bei der Deka, und wie hoch ist das Volumen, für das Sie insgesamt verantwortlich sind?
Dr. Ilga Haubelt: Mein etwas umständlicher doppelter Titel zeigt, dass ich in meiner Funktion quasi zwei Hüte aufhabe: Als Head of Global Equities trage ich die Verantwortung für rund 20 Portfoliomanager und Analysten und verantworte damit auch die Performance der über 8 Mrd. Euro verwalteten Vermögen in unserem Team. Wir verwalten alle globalen Aktienfonds, dazu zählen auch Länderfonds wie der US- oder Japan-Fonds, Themen- und Sektorenfonds wie unser Nachhaltigkeitsfonds oder der Telemedien-Fonds sowie unsere Emerging-Market-Fonds. Als Senior-Portfoliomanager bin ich für unseren global anlegenden Dividendenfonds Deka-DividendenStrategie zuständig, der in den letzten zwei Jahren von 260 Mio. Euro auf ein Volumen von mehr als 2 Mrd. Euro gewachsen ist. Im Fondsmanagement arbeiten wir mit einem Teamansatz, die Entscheidungen für den jeweiligen Fonds trifft aber jeder Portfoliomanager eigenständig. Da jede/r eine individuelle Herangehensweise an die Portfolioaufstellung hat und in seinem jeweiligen Schwerpunkt Experte ist, minimiert diese Herangehensweise das Risiko als Gesamtteam schief zu liegen – wir diversifizieren also nicht nur in unseren Portfolios, sondern auch im Team selbst.

Wenn Sie einer frischen Uni-Absolventin Ihren Job erklären müssten, wie würden Sie ihn beschreiben?
Der Job ist extrem abwechslungsreich und eine schöne Mischung aus Zahlen und Begegnungen mit Menschen: Im sogenannten fundamentalen Portfoliomanagement Aktien – suchen wir die Investments nicht auf Basis quantitativer Verfahren aus, sondern führen regelmäßig Gespräche mit den Vorständen und Investor-Relation-Managern der Unternehmen. Diese Einzelgespräche sind ein wichtiger Blick über den Tellerrand: So können wir herausfinden, ob die Unternehmenslenker auf die entscheidenden Zukunftsherausforderungen eine Antwort haben und ihren Erfolg aus der Vergangenheit auch in der Zukunft fortschreiben können. Hilfreiche Zusatzinformationen gewinnen wir außerdem, wenn wir die Unternehmen besuchen. So lassen sich die Vermietungsperspektiven eines Büroturms in Paris oder London beispielsweise besser einschätzen, wenn man die Gebäudestruktur und die Umgebung selbst erlebt hat. Ebenso lässt sich die Zukunftsfähigkeit eines Maschinenbauunternehmens besser nach einem Besuch in der Fertigung einschätzen. Auf Basis der Kombination aus den Fundamentaldaten und den Gesprächen bilden wir uns eine Meinung zu zukünftigen Wachstumsraten und Margenerwartungen. Als Portfoliomanagerin entscheide ich dann, welche 150 bis 200 Dividendenaktien gerade die weltweit attraktivsten sind und kaufe diese in mein Portfolio.

Hatten Sie schon als Kind den Wunsch, als Fondsmanagerin, oder überhaupt in der Finanzbranche, zu arbeiten? Oder wie kamen Sie auf diese Idee?
Nein, ich kam auf Umwegen ins Portfoliomanagement Aktien. Während meiner Promotion an der Universität Freiburg habe ich eine Weiterbildung zur Immobiliensachverständigen gemacht und bin dann bei MEAG, dem Vermögensverwalter der Münchner Rück, erst einmal für Immobilienmarktprognosen und Gutachten für die Immobiliendirektanlage in den Fonds zuständig gewesen. 2007 suchte Union Investment dann eine Analystin und Portfoliomanagerin für einen global in Immobilienaktien und REITs anlegenden Fonds – so habe ich den Sprung von der Immobilien- auf die Aktienseite geschafft. An dem Wechsel von der reinen Analyse ins Portfoliomanagement fand ich besonders reizvoll, nicht nur auszuwerten und Entscheidungsvorlagen zu schreiben, sondern aus meinen Analyseergebnissen dann auch entsprechende Kauf- und Verkaufsentscheidungen ableiten zu dürfen.

Hatten oder haben Sie weibliche Vorbilder, die Sie für Ihren Beruf inspirieren?
Ich hatte eher Mentoren als Vorbilder: Erfahrenere Kolleginnen und Kollegen, die ihr Know-How mit mir geteilt haben und immer ein offenes Ohr für mich hatten, wenn die Situation an den Märkten mal brenzliger war und ich einen Rat brauchte.

Es gibt tatsächlich nur wenig weibliche Vorbilder unter Fondsmanagern – weniger als 10% sind es, haben wir bei den Fondsfrauen ermittelt. Woran meinen Sie, liegt das?
Ich denke, dass das Berufsbild Portfoliomanagerin nicht besonders bekannt ist – mein Werdegang ist sicher das beste Beispiel dafür. Das ist sehr schade, weil es ein toller Beruf ist: Die messbare Performance der Fonds und Researchportfolien entscheiden über Leistung. Neugierde und Entscheidungsfreude – auch unter Unsicherheit – sind für den Job unabdingbar, genauso wie eine gewisse Affinität zu Zahlen, die Bereitschaft sich messen zu lassen und Verantwortung für das Geld anderer Menschen zu übernehmen.

Hatten Sie einen männlichen oder weiblichen Förderer, der Sie ermutigt und darin unterstützt hat, Fondsmanagerin zu werden?
Nein. Ich bin damals über eine Headhunterin auf meinem Netzwerk für Frauen in der Immobilienbranche auf die Stellenausschreibung als Portfoliomanagerin angesprochen worden. Da mich das reine Analystendasein nicht mehr ausgefüllt hat und ich mich weiterentwickeln und mehr Verantwortung übernehmen wollte, war damals der richtige Zeitpunkt für den Wechsel.

Und hatten Sie auch das umgekehrte Erlebnis? Dass jemand Ihnen – weil Sie eine Frau sind – Steine in den Karriereweg gelegt hat?
Ich hatte sehr viel Glück – durch meine Immobilienspezialisierung hatte ich Nischenwissen und habe so ungewöhnlich schnell Fondsverantwortung übertragen bekommen. Normalerweise dauert es drei bis vier Jahre, bis ein Portfoliomanager einen eigenen Fonds bekommt. Ich durfte bei Union Investment den global anlegenden REIT- und Immobilienaktienfonds bereits nach etwas mehr als einem halben Jahr übernehmen. Knapp zwei Jahre später folgte dann schon die Frage, ob ich den generalistisch anlegenden US-Länderfonds übernehmen möchte. Dies hat schließlich das Fundament für meine heutige Aufgabe als Portfoliomanagerin bei der Deka gelegt und mir ermöglicht, das zu machen, was mir Spaß macht: einkommensstarke Titel in allen Sektoren weltweit auszusuchen. Die eindeutig größere Herausforderung war es, Führungsverantwortung zu bekommen. Dies liegt allerdings nicht am Geschlecht, sondern daran, dass es im Portfoliomanagement sehr flache Hierarchien gibt und jeder Einzelne Spezialist für seinen jeweiligen Schwerpunkt ist.

Welche Maßnahmen oder Umstände würden es Frauen erleichtern, den Entschluss zu fassen, Fondsmanagerin zu werden bzw. Fondsmanagerin zu sein?
Zum einen wäre sicher ein steigender Bekanntheitsgrad des Berufsbildes hilfreich, zum anderen spielt das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Frauen nach wie vor eine größere Rolle als bei Männern. Kita-Plätze und möglichst flexible Arbeitszeiten sind wichtige Voraussetzungen. Ich selbst habe eine dreieinhalbjährige Tochter, die in einen von der Deka unterstützten Kindergarten geht, der nur 2 Minuten Fußweg von meinem Arbeitsplatz entfernt ist und täglich von 7 bis 19 Uhr täglich geöffnet hat.

Noch eine letzte Frage, die eher privater Natur ist: Wie strukturieren Sie Ihre Work-Life-Balance? Wie bringen Sie Arbeit, Freizeit und Familie unter einen Hut?
Portfoliomanagerin ist kein nine-to-five-Job, dessen sollte man sich prinzipiell bewusst sein. Organisationstalent, Flexibilität, moderne Kommunikationstechnologien und eine gute Teamstruktur helfen aber dabei, sich Freiräume für Familie und Freizeit zu schaffen. Das gilt für den Job der Portfoliomanagerin aber wahrscheinlich ebenso wie für viele andere.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Christian Martin, Chris Marten Photo- & Videography

 

Performance des Deka-Dividenden Strategie (dunkelblaue Linie), den Frau Dr. Haubelt managt. Im Vergleich dazu: MSCI World Euro (rote Linie) und Durchschnitt der Morningstar-Fondskategorie Global Equity Income (grüne Linie)

Quelle: MorningstarChart