Die Anpassungen von MiFid II werden aktuell heiß diskutiert. Prinzipiell müssen Beraterinnen ab August Nachhaltigkeitspräferenzen abfragen, einige scheinen nach aktuellen Meldungen zumindest vorerst von den Regelungen befreit zu sein. In unserem letzten Digital Lunch Talk am 30.06. haben wir das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und diskutiert. Wie immer in unseren Digital Lunch Talks wollten wir das Thema praxisorientiert behandeln und haben dafür Frauen aus unterschiedlichen Bereichen eingeladen.

Unsere Diskussionsteilnehmerinnen waren:

  • Victoria Arnold, Institutional Sales Germany – BlackRock ETF & Index Investments and Local ESG-Representative
  • Jennifer Brockerhoff, Fachberaterin für Nachhaltiges Investment – Brockerhoff Finanzberatung
  • Dr. Sandra Derissen, Head of Sustainability Analysis SHC – avesco Sustainable Finance AG
  • Madeleine Sander, Member of the Board/ Mitglied des Vorstands bei HAUCK AUFHÄUSER LAMPE Privatbank AG

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Die rechtlichen Änderungen wurden aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und diskutiert. Es ging um die Herausforderungen für verschiedene Beteiligte. Auf der einen Seite stehen Beraterinnen wie Jennifer Brockerhoff vor der Frage, wie sie Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer KundInnen abfragen. Auf der anderen Seite, so Victoria Arnold, müssen Fondsanbieter nun ihre bestehenden Nachhaltigkeitsanalysen mit der Regulatorik zusammenbringen.

Jennifer Brockerhoff macht gleich zu Anfang klar: Die Beratungsleistung wird sich ab August stark erweitern. Im Detail wissen die Beraterinnen aber selbst noch nicht, was ab August auf sie zukommen wird und warten entsprechend auf dringend benötigte Informationen. Auf die Frage, ob der ESG-Fragebogen für Beraterinnen umfassend genug ist und wie einheitlich er angewandt werden muss, sagt Jennifer Brockerhoff daher mit einem Lächeln: „Frag mich in vier Wochen“.

Die bisherigen Informationen, stimmt Victoria Arnold zu, seien sehr heterogen. Das stelle auch die Produktanbieter vor neue Herausforderungen. Arnold hofft daher auf weitere Standardisierungen in der näheren Zukunft. Madeleine Sander führt weiterhin an, dass Beraterinnen vor dem Spagat stehen, die Präferenzen der KundInnen einerseits regelkonform abzufragen, andererseits aber den KundInnen gegenüber verständlich bleiben und in den Erklärungen nicht zu technisch zu werden. Das würde gerade anfangs voraussichtlich auch zu etwas aufwendigeren Beratungsgesprächen führen.

Jennifer Brockerhoff verweist dabei auf notwendige Vorarbeit in der Beratung. Ohne diese könnte es schwer werden, Kundenpräferenzen mit entsprechenden Produkten abzustimmen. Viele KundInnen würden sich möglichst grüne, am besten wirkungsorientierte Produkte wünschen. Das sei häufig aber nicht mit der Realität in Einklang zu bringen. Sie empfiehlt BeraterInnen daher, mit KundInnen offen über Regulatorik und Möglichkeiten zu sprechen. Eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit sei für Beraterinnen vor diesem Hintergrund unabdingbar.

Einig sind sich die Diskussionsteilnehmerinnen darüber, dass das erst der Anfang eines großen Wandlungsprozesses ist. Daher ist der Rat aller Diskussionsteilnehmerinnen, sich tiefgründig zu informieren, Courage zu zeigen und nicht zu schnell die Flinte ins Korn zu werfen. Madeleine Sander hält fest: „Information is key!“

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