Der Sommer steht vor der Türe, da kommt Lust auf luftige Kleidung auf. Nandine Meyden, Expertin für moderne Umgangsformen, schreibt für die Fondsfrauen, wie kurz der Rock im Job sein darf und ob eine Seidenstrumpfhose trotz Hitze sein muss. Frau Meyden berät international agierende Unternehmen zu Etikette-Fragen und hat Bücher wie „Business-Etikette“, „Lexikon der Benimm-Irrtümer“ und „Karriere Killer!“ geschrieben. Vielen ist sie auch bekannt aus ihrer Fernseh-Live-Sendung „Vorsicht Fettnäpfchen!“ und ihren Gast-Interviews in verschiedenen TV-Sendungen wie „Johannes B. Kerner“, „Menschen und Schlagzeilen“ oder „Brisant“.

Die einen scheinen zu sagen: „Heutzutage geht doch alles“ oder „wer keinen direkten Kundenkontakt hat, kann anziehen was er will“, andere wiederum sind jeden Tag im grauen oder blauen Anzug/Kostüm zu sehen und lehnen selbst einen braunen Anzug ab. Untersuchungen zeigen, dass Kunden besonders hohe Erwartungshaltungen bezüglich korrekter Kleidung vor allem bei Berufen zeigen, die mit Geld zu tun haben. So zum Beispiel Rechtsanwälte, Steuerberater, Versicherungs- und Finanzberatern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Geldinstituten, Banken und Sparkassen.

Der erste Eindruck zählt
Das hat gute Gründe: Wissenschaftliche Untersuchungen haben schon vor langem gezeigt, dass für den ersten Eindruck nur rund sieben Sekunden benötigt werden und dass dabei der optische Eindruck mit 55% am entscheidensten ist. Hans-Georg Häusel schreibt dazu in seinem Bestseller „Think Limbic!“, nachdem er erläutert wie wichtig in der gesamten Menschheitsgeschichte die Unterscheidung von Freund und Feind war und wie sie über das limbische System unbewusst und in wenigen Sekunden noch heute vorgenommen wird: „Ungebremst würde die Freund-/Feind-Kennung aber manches Geschäft verhindern. In der Praxis hat sich deshalb ein Trick bewährt, der das Reptiliengehirn elegant aushebelt: All tragen die gleiche Kleidung – nämlich einen grauen <…> Anzug. Damit wird dem Reptiliengehirn des anderen vorgegaukelt, dass man zur gleichen Sippe wie er selbst gehört. Unbewusst baut sich so ein Vertrauensvorschuss für den Geschäftspartner auf.“

Typische Fehler bei Frauen
„Wie schön, dass wir da freier sind“ oder „bei uns ist das ja alles nicht so streng“ meint manch eine Frau, wenn sich das Gespräch um Dresscodes im Beruf dreht. Ein Irrtum, der nicht wenigen Frauen den beruflichen Aufstieg deutlich erschwert. Im Beruf sollte schließlich das Geschlecht keine Rolle spielen, bei der Kleidung dann darauf zu pochen und mehr Lockerheit für sich in Anspruch zu nehmen ist inkonsequent und lenkt von der Kompetenz ab. Ärmelloses Outfit, tiefe Ausschnitte, Röcke, die mehr als zwei Fingerbreit über dem Knie enden, Durchsichtiges, Hautenges und alles, was sexy wirkt passt nicht zu Positionen mit Verantwortung. Mit Verantwortung ist hier auch „Verantwortung für das Vermögen der Kunden“ gemeint.

Frauen unterschätzen die Sprache ihrer Kleidung im Beruf oft ganz immens, auch wenn sie sich sonst oft mehr mit Kleidung beschäftigen, als es Männer tun. Es gibt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen, die immer wieder – und das seit Jahrzehnten – bestätigen: Je femininer eine Frau im Beruf wirkt, desto weniger wird ihr Kompetenz und Effektivität unterstellt. Darüber kann man sich ärgern, das ändert aber nichts. Will man es als Frau leichter haben, sich gerade in von Männern dominierten Bereichen wie in bestimmten fachlichen Bereichen oder generell hohen Positionen durchzusetzen, so sollte man das berücksichtigen.

Ich werde oft gefragt, ob man denn als Frau wirklich unbedingt immer Strümpfe/Strumpfhose tragen muss, auch wenn es 30 Grad hat. Ganz klar: Wenn die Frauen in Berufen arbeiten, in denen die Männer zur Arbeit keine Shorts, sondern lange Hosen tragen, dann besteht auch kein Grund für die Frauen, mit nackten Beinen zu kommen. Gleiche berufliche Chancen und gleichen Lohn zu fordern bedeutet auch, die gleichen Opfer zu bringen.

Für alle gilt:
Die Kleidung sollte zeigen, dass ich arbeite und nicht den Eindruck erwecken, man würde auf dem Weg zum Strand, zum Sport oder zum Photoshooting nur mal eben vorbeischauen.

 

 

 

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