Berufseinsteigerinnen der Generation Z legen besonders Wert auf Sinn, Sicherheit, gutes Arbeitsumfeld, faire Bezahlung und Work Life Balance. Klassische Karrierewege oder unbefristete Verträge stehen bei ihnen weniger im Fokus. Für Unternehmen sind aktuell Berufserfahrung, Motivation und Zuverlässigkeit wichtig.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Generation Z betrachtet Arbeit als eine wichtige Quelle der Erfüllung. Neben der Bezahlung sind auch gute Beziehungen im Team, Work Life Balance, sowie Sinn & Selbstentfaltung wichtig.
- Die Mehrheit der jungen Talente betrachtet den Berufseinstieg als eine Art Übergangserfahrung. Sie plant eine Beschäftigung von nur rund 12 Monaten und kann sich auch einen Wechsel der Branche oder des geografischen Standorts vorstellen.
- Der Anteil ausgeschriebener Einstiegsstellen ist seit 2023 stark zurückgegangen.
- Bei knapp einem Drittel der Unternehmen (32%) hat die Bedeutung von Berufserfahrung in den vergangenen drei Jahren als Einstellungskriterium zugenommen.
- Die KI scheint künftig insbesondere die Aufgaben von Berufseinsteiger*innen zu übernehmen.
- Unternehmen sehen es gerne, wenn Bewerber*innen ihre Ausbildung durchgezogen haben. Sie verbinden damit Zuverlässigkeit, Motivation und einen geringeren Aufwand für Einarbeitung oder Weiterbildung.
Nach einem Hoch im Jahr 2021 ist der Anteil ausgeschriebener Einstiegsstellen seit 2023 stark zurückgegangen. Im 1. Quartal 2025 liegt er 45% unter dem Fünfjahresdurchschnitt und sogar unter dem Niveau der ersten Corona-Monate. Das ist das Resultat einer Stepstone-Analyse.
„Für viele junge Menschen ist die Situation aktuell schwieriger als noch vor zwei bis drei Jahren“, sagt Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group. „Wir durchleben eine wirtschaftliche Schwächephase, aber gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel bestehen. Der demografische Wandel wird den Arbeitsmarkt schon in wenigen Jahren spürbar verschärfen. Deshalb gilt: Wer heute in Nachwuchstalente investiert, sichert sich morgen entscheidende Wettbewerbsvorteile.“
Jungen Menschen ist ein gutes Arbeitsumfeld wichtig
Mehrere aktuelle Studien befassen sich damit, was Berufseinsteigerinnen (und generell junge Frauen der Gen Z) im Job wichtig finden. Die Ergebnisse sind erstaunlich konsistent über verschiedene Quellen hinweg.
So zeigt eine vom JobTeaser Gen Z Lab und dem EDHEC NewGen Talent Centre durchgeführte Studie „Gen Z und der erste Job: Die neuen Trends für 2025“, welche Erwartungen junge Berufseinsteiger*innen haben. Als wichtigste Faktoren für den ersten Job nennen sie:
- Gute Bezahlung (89 %)
- Wohlwollendes Arbeitsumfeld (86 %)
- Gute Beziehungen im Team (85 %)
- Work‑Life‑Balance (84 %)
- Sinn & Selbstentfaltung: 92 % sehen Arbeit als wichtige Quelle der Erfüllung.
Insofern betrachtet die Generation Z Arbeit im Jahr 2025 grosso modo als eine wichtige Quelle der Erfüllung.
Gen Z ist hochflexibel
Auffällig ist die hohe Flexibilität der Gen Z. Entsprechend haben klassische Karrierewege oder unbefristete Verträge bei Berufseinsteigern aktuell keine Priorität. Die Untersuchung zeigt nämlich, dass Hochschulabsolvent*innen, die 2025 ins Berufsleben starten, ihren ersten Job vor allem als Sprungbrett und weniger als Ort betrachten, an dem sie das restliche Berufsleben verbringen werden.
Die ideale durchschnittliche Dauer für die erste Stelle sehen sie bei nur einem Jahr, und eine große Mehrheit von 85% plant, insgesamt nicht länger als zwei Jahre im ersten Job zu bleiben. Mehr als ein Drittel geht sogar davon aus, in den nächsten Jahren die Branche und den geografischen Standort gewechselt zu haben.
Insofern scheint der Berufseinstieg für junge Talente eine Art Übergangserfahrung darzustellen:
- Fast die Hälfte der Studierenden plant nach dem Abschluss keinen unbefristeten Arbeitsvertrag
- 20% streben einen befristeten Vertrag an
- 11% erwägen als Freelancer zu arbeiten
- 6% sehen sich als Unternehmer*innen
- 4% interessieren sich für ein Graduiertenprogramm.
Ein unbefristeter Vertrag kommt immerhin noch für 54% in Frage.
Hochschulabsolvent*innen müssen mehr Bewerbungen verschicken
Auffällig ist, dass Akademiker*innen bei ihren Bewerbungen einen deutlich längeren Atem beweisen müssen als Gleichaltrige mit abgeschlossener Ausbildung. Während Hochschulabsolvent*innen unter 30 im Median rund 40 Bewerbungen verschicken, bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, kommen Ausbildungsabsolvent*innen im Schnitt schon nach etwa 26 Bewerbungen zum Ziel, zeigt die Stepstone-Befragung.
Auch beim zeitlichen Einsatz zeigen sich Unterschiede. Akademiker*innen investieren pro Bewerbung im Schnitt bis zu sieben Stunden – sei es für die individuelle Anpassung der Unterlagen, aufwendige Motivationsschreiben oder digitale Tests. Bewerber*innen mit Ausbildung wenden hingegen etwa fünf Stunden pro Prozess auf.
Besonders frustrierend: Viele Bewerber*innen berichten von Ghosting – also gar keiner Rückmeldung. 4% der Akademiker*innen haben diese Erfahrung bereits gemacht, bei Ausbildungsabsolvent*innen beachtliche 61%. Hier könnten Unternehmen immerhin ein freundliches Schreiben mit einer Absage schicken.
Unternehmen achten auf Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie auf Selbstorganisation
Natürlich haben auch die Unternehmen ihre Anforderungen an die jungen Menschen, die sie einstellen. Eine HR-Umfrage von Randstad und ifo (Q4 2025) untersuchte das Thema Berufseinsteiger*innen und die Rolle von Berufserfahrung im Einstellungsprozess. Heraus kam, dass bei knapp einem Drittel der Unternehmen (32%) die Bedeutung von Berufserfahrung in den vergangenen drei Jahren als Einstellungskriterium zugenommen hat.
Das könnte mit dem KI-Einsatz zusammenhängen, denn erwartungsgemäß gewinnt sie an Bedeutung: 40% der Unternehmen planen, dass Tätigkeiten, die bislang häufig von Berufseinsteiger*innen übernommen wurden, in den kommenden drei Jahren durch KI ersetzt werden. Der Einsatz von KI scheint aber noch nicht so weit zu gehen, Mitarbeiter in großem Maße zu ersetzen. Nur 19% der Teilnehmer geben an, dass die Anzahl an Berufseinsteiger*innen in ihrem Unternehmen in den nächsten drei Jahren sinken soll. Fast zwei Drittel planen hingegen mit einer gleichbleibenden Stellenanzahl für Berufseinsteiger*innen.
KI übernimmt viele Aufgaben von Berufseinsteiger*innen
Insbesondere die Aufgaben von Berufseinsteiger*innen scheint die KI zu übernehmen. In 14% der von Randstad und ifo befragten Unternehmen übernimmt KI bereits Aufgaben von Berufseinsteiger*innen. Die restlichen 86% verneinen dies. Während dies im Handel erst bei 10% der Unternehmen der Fall ist, sind es in der Industrie 14% und im Dienstleistungssektor, zu dem auch die Finanzbranche zählt, 16%.
Der Größenklassenvergleich zeigt außerdem, dass in großen Unternehmen bereits häufiger KI für Berufseinsteigertätigkeiten eingesetzt wird als in kleinen Unternehmen. Das macht es jungen Leuten schwer, den ersten Job zu bekommen und damit die von den Unternehmen gewünschte Berufserfahrung überhaupt sammeln zu können.
Berufserfahrung gewinnt bei einem Drittel der Unternehmen an Bedeutung
Das hält Unternehmen nicht davon ab, nach Mitarbeiter*innen mit Berufserfahrung Ausschau zu halten. „In den letzten drei Jahren hat Berufserfahrung als Einstellungskriterium zugenommen“, schreiben Randstad und ifo in ihrer Studie. In der Umfrage gab knapp ein Drittel der Betriebe (32%) an, bei der Suche nach neuen Arbeitskräften inzwischen verstärkt darauf zu achten. In der Industrie hat Berufserfahrung im Vergleich zum Handel und zu den Dienstleistern in den vergangenen drei Jahren stärker an Bedeutung zugenommen. Hier gaben 38% der Betriebe an, in letzter Zeit den Fokus auf diese Bewerbergruppe zu legen (Handel 34%, Dienstleistungssektor 27%).
Motivation und Zuverlässigkeit sind gefragt
Neben der Berufserfahrung achten Unternehmen bei der Rekrutierung vor allem auf Kommunikations- und Teamfähigkeit (66%), gefolgt von Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein (61%).
Außerdem sehen es Unternehmen gerne, wenn Bewerber*innen ihre Ausbildung durchgezogen haben. Auf die Frage, ob sie grundsätzlich Studien- und Ausbildungsabbrecher einstellen würden, antworteten 23% der Betriebe mit „nein“. Gefragt, warum sie skeptisch gegenüber Studien- und Ausbildungsabbrechern sind, verbinden 44% einen Ausbildungs- oder Studienabbruch mit geringerer Zuverlässigkeit, 42% mit fehlender Motivation der Bewerber und lehnen deshalb eine Einstellung ab. Weitere 33% sehen den zusätzlichen Aufwand für Einarbeitung oder Weiterbildung als hinderlich, 26% stört ein mögliches fehlendes Verantwortungsbewusstsein.
Gen Z fordert viel, bringt aber auch viel mit
In einem funktionierenden Markt müssen Unternehmen und Bewerber*innen natürlich zusammenfinden. Es zeigt sich, dass die Gen Z viel fordert, aber auch viel mitbringt: Offenheit, Lernbereitschaft, Verantwortungsgefühl. Wenn Unternehmen ihre Bedürfnisse ernst nehmen, entsteht ein Arbeitsumfeld, das nicht nur für junge Talente attraktiv ist, sondern für alle Generationen. Dabei zwingt der Anspruch der Generation Z Unternehmen, das einzulösen, was sie versprechen. Womöglich liegt genau darin liegt ihre größte Wirkung.
Foto: Canva


