Da ist er wieder, der Aufruf: Die Deutschen sollen mehr arbeiten – mehr und vor allem effizienter. Von der hohen Zahl an Teilzeit-Beschäftigten möchte man herunterkommen. Die deutsche Volkswirtschaft braucht mehr geleistete Arbeitsstunden.

Doch es dürfte nur wenige Menschen geben, die etwas tun, nur weil es volkswirtschaftlich oder gesellschaftlich sinnvoll ist. Wir wollen daher die Fakten näher beleuchten, um zu sehen, was für uns Frauen Positives an der Forderung nach mehr Arbeit ist.

Teilzeitquote von Frauen ist sehr hoch
Die Erwerbstätigenquote von Frauen liegt deutlich unter, die Teilzeitquote deutlich über der von Männern. Kaum hat sich der Fachkräftemangel als eine der größten Herausforderungen der Unternehmen etabliert (obenauf mit der Herausforderung der überbordenden Bürokratie), wird bereits nach einer höheren Erwerbstätigkeit unter Frauen gerufen. Genauer gesagt: nicht nur unter Frauen, sondern auch unter Rentnerinnen und Rentnern.

Hier ein paar Hard Facts:

  • Frauen stellen rund 46 % aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland.
  • Durchschnittliche Wochenarbeitszeit von Frauen: 30,5 Stunden.
  • Anteil der Frauen, die ihr Haupteinkommen aus eigener Berufstätigkeit beziehen: 40,6%.

Frauen als wichtige Ressource im Kampf gegen den Fachkräftemangel
Doch anstatt sich als Lückenbüßer zu fühlen, sollten wir anerkennen, dass der Wunsch nach mehr weiblicher Erwerbstätigkeit letztlich gut für uns Frauen ist. Ein eigener Job, mit eigenen Karriere-Möglichkeiten und eigenem Geld – das sind nicht nur wichtige Grundlagen für eine gleichberechtigte Partnerschaft, sondern auch für die spätere Altersvorsorge. Woher kommt denn der Gender-Pension-Gap?

„In den letzten 25 Jahren ist die Erwerbstätigenquote von Frauen von knapp 60% auf über 77% im Jahr 2023 angestiegen“, schreibt das Statistische Bundesamt. Na, immerhin! Es bleibt aber, dass etwa ein Viertel der Frauen nicht erwerbsfähig sind.

Karriere-Killer Teilzeit
Aber auch wenn drei Viertel der Frauen erwerbstätig sind, haben sie geringere Karrierechancen als Männer. Ein ernst zu nehmender Karriere-Killer ist die hohe Teilzeitquote unter Frauen. „Fast die Hälfte der Frauen in Deutschland arbeitet in Teilzeit, während es bei den Männern nur rund 13% sind“, schreibt das Statistische Bundesamt – und liefert auch gleich die Erklärung: „Dies liegt in erster Linie an veralteten Rollenbildern, die häufig zu einer ungleichen Verteilung von Haus- und Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern führen.“

Unter Müttern ist der Teilzeitanteil besonders hoch: „In Deutschland arbeiten knapp 70% der berufstätigen Mütter in Teilzeit. In Frankreich ist der Anteil nicht einmal halb so groß“, schreibt die FAZ am 28. Mai 2025.

Was also tun? Veraltete Rollenbilder sind eine harte Nuss – sie zu knacken wird dauern.

Augen auf bei der Partnerwahl!
Der wichtigste Tipp, den man jungen Frauen geben kann, lautet daher: Augen auf bei der Partnerwahl!

Wenn ein Mann nicht bereit ist, im Haushalt mit anzupacken oder auch mal mit dem kranken Kind zu Hause zu bleiben, weil das seinem Selbstverständnis widerspricht – dann wink ihn durch! Er mag noch so unterhaltsam und großzügig sein – für das praktische Zusammenleben ist er auf lange Sicht nicht geeignet.

Augen auf bei der Berufswahl!
Auch bei der Berufswahl sollten Frauen selektiv vorgehen. Jede junge Frau und jeder junge Mann hat heute Zugang zu Informationen darüber, in welchen Branchen wie bezahlt wird. Seit Juni 2026 werden wir sogar direkt darauf gestoßen: Dann nämlich verpflichtet die neue EU-Richtlinie für mehr Lohntransparenz Unternehmen dazu, in Stellenanzeigen das Gehalt explizit zu nennen. Das soll für transparente Strukturen und faire Bezahlung sorgen.

Wenn sich junge Männer dann zielstrebig für gut bezahlte Berufe entscheiden und Frauen für schlechter bezahlte, ist das eine bewusste Entscheidung – die jeder für sich selbst trifft.

„Branchen mit dem höchsten Anteil an Frauen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sind das Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und Unterricht. In beiden Bereichen machen Frauen rund drei Viertel der Beschäftigten aus“, schreibt das Statistische Bundesamt. Dort gibt es leider nur wenig Großverdienerinnen.

In einzelnen Sparten wird gut bezahlt – dort arbeiten jedoch nur wenige Frauen. „Im Hoch- und Tiefbau waren 2023 mit 97,9% fast ausschließlich Männer beschäftigt; auch in Informatikberufen lag der Männeranteil bei über 80%“, so die Statistiker – und fügen eine Warnung hinzu: „Für Frauen stellt dies einen Nachteil dar, da weiblich konnotierte Berufe – z.B. in der Pflege, der Reinigung oder der Erziehung – oftmals schlechter bezahlt sind.“

Liebe Damen, all das überrascht niemanden, der mit offenen Augen durchs Leben geht. Und auch wenn Hoch- und Tiefbau für viele Frauen wenig attraktiv erscheinen: In der Finanzbranche wird ebenfalls gut bezahlt – besonders im Bereich Sales. Und gerade dort sind Frauen oft besonders erfolgreich.

(hier ist ein Beitrag zu den bestbezahlten Berufen für Frauen)

Den inneren Schweinehund überwinden
Die Praxis zeigt: Viele Paare entscheiden sich, dass die Frau beruflich kürzertreten soll, solange die Kinder klein sind. Viele Frauen wählen dann bewusst eine Teilzeitstelle – und das ist natürlich legitim. Doch Kinder werden größer – und irgendwann stellt sich die Frage: Zurück in Vollzeit?

Dieser Schritt fällt oft schwer, denn liebgewonnene Routinen – wie die Walking-Runde am Mittwochvormittag oder der Yoga-Kurs am Donnerstagnachmittag – müssten aufgegeben werden.

Sehen und gesehen werden ist wichtig für die Karriere
Machen wir uns nichts vor: Die Aufstiegschancen von Teilzeitkräften sind geringer als die von Vollzeitkräften. Auch wenn es hier und da Modelle gibt, Führungspositionen zu teilen – das ist noch lange nicht die Regel. Wir können bei den Fondsfrauen darauf hinarbeiten, dass Teilzeit-Führungsmodelle Normalität werden. Bis dahin aber gilt: Wer Vollzeit arbeitet und regelmäßig im Büro präsent ist, hat bessere Chancen.

Warum überhaupt ins Büro kommen, wenn Homeoffice oft praktischer ist? Ganz einfach: Weil Karriere nicht nur von guter Arbeit lebt, sondern auch vom Sehen und Gesehenwerden. Und das ganz ohne bösen Willen: Wer kürzlich noch mit einer Führungskraft in der Kantine geplaudert hat, fällt bei der nächsten Besetzungsrunde schneller ein als jemand, der seit Monaten im Homeoffice sitzt.

Gender Pay Gap: kleiner als gedacht – aber dennoch abzubauen
Ja, es gibt ihn noch: den Gender Pay Gap. Allerdings ist er kleiner als oft angenommen. Laut Statista lag der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen 2023 um 18% unter dem von Männern.

Aber: Ein großer Teil lässt sich durch bekannte Faktoren erklären – wie Teilzeitquote, Berufswahl, geringeres Dienstalter oder Beschäftigungsumfang.

Bereinigt man den Gender Pay Gap um diese Faktoren, bleiben rund sechs Prozent Unterschied. Zwei Drittel des Unterschieds haben wir also selbst in der Hand. Das letzte Drittel sollte dennoch verschwinden – keine Frage!

Es scheint also so zu sein, dass wir den Aufruf, dass Frauen mehr erwerbstätig arbeiten sollten, nicht vorschnell als Lästigkeit abtun sollten. Es ist vielleicht mehr für uns drin als wir denken!

Profilbild von Anke Dembowski

Anke Dembowski

Anke Dembowski ist Finanzjournalistin und Autorin verschiedener Investmentfonds- und anderer Finanzbücher. Sie ist außerdem Mit-Gründerin des Netzwerks „Fondsfrauen".

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