Eine Studie von Fidelity International in Zusammenarbeit mit dem National Innovation Centre for Ageing (NICA) zeigt, dass zwei von fünf (42 %) Menschen ab 50 Jahren weltweit eine Rentenlücke von mindestens einem Jahrzehnt haben, d.h. sie planen ihre Altersvorsorge um zehn Jahre zu kurz. Dies zeigt, dass das Ansparen in Fonds inzwischen gut umgesetzt wird, dass die Menschen aber Unterstützung bei der Auszahlungsphase benötigen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Lebenserwartung der Menschen in der westlichen Welt steigt.
- Eine längere Lebenserwartung bedeutet nicht nur mehr Lebenszeit, sondern birgt auch Herausforderungen bei der Altersvorsorge.
- Ein großer Teil der Menschen planen ihre Altersvorsorge um zehn Jahre zu kurz, weil sie ihre Lebenszeit unterschätzen.
- Es besteht noch Handlungsbedarf bei den Strategien zum Vermögensverzehr.
- Auszahlpläne sind bei vielen Discountbrokern gar nicht möglich.
- Trotz mangelnder Planung beschreiben zwei von drei (68 %) Rentnern ihre Einstellung zum Ruhestand als positiv, verglichen mit etwas mehr als der Hälfte (56 %) der Noch-nicht-Rentner.
- Rentner, die gut fürs Alter vorgesorgt haben, fühlen sich auch körperlich und sozial besser aufs Rentenalter vorbereitet.
Dass Menschen in der westlichen Welt immer länger leben, ist im Prinzip good news! Und dass das Interesse an einem langen Leben in Gesundheit und Vitalität groß ist, bezeugen die vielen Pressebeiträge, die es zu diesem Thema gibt. Erst jüngst wurde über Elon Musk berichtet, der auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte, dass das Altern vermutlich technisch lösbar sei. Er ist der Meinung, dass eine zentrale biologische Uhr existiert, die man beeinflussen könne.
Aber eine längere Lebenserwartung bedeutet nicht nur mehr Lebenszeit, sondern birgt auch Herausforderungen bei der Altersvorsorge. Je länger wir leben, desto länger muss das Geld, das wir auf die eine oder andere Weise für die Altersvorsorge angespart haben, reichen.
Für die Studie wurden 11.800 Menschen zu ihrer Altersvorsorge befragt
Eine Studie von Fidelity International in Zusammenarbeit mit dem National Innovation Centre for Ageing (NICA) zeigt, dass zwei von fünf (42 %) Menschen ab 50 Jahren weltweit eine Rentenlücke von mindestens einem Jahrzehnt haben, d.h. sie planen ihre Altersvorsorge um zehn Jahre zu kurz.
Die Studie „The Longevity Revolution: Preparing for a New Reality“ basiert auf einer globalen Untersuchung in 13 Märkten und detaillierten Befragungen von über 11.800 Teilnehmern ab 50 Jahren. Sie unterstreicht, dass Menschen sich offenbar anders auf ein längeres Leben vorbereiten müssen als sie es bisher tun.
Wachsende Kluft zwischen steigender Lebenserwartung und finanzieller Vorsorge
Ermittelt wurde die Zehnjahreslücke durch den Vergleich der Lebenserwartung im jeweiligen Land mit der Erwartung der Befragten, wie lange ihre Altersvorsorge reicht. Weltweit planen 42 % um mindestens zehn Jahre zu kurz; in Deutschland sind es sogar mehr als die Hälfte (54 %). Dagegen scheint man in China, Singapur und Taiwan deutlich realistischer zu planen.
Bis 2050 werden weltweit voraussichtlich 3,67 Millionen Menschen das Alter von 100 Jahren erreichen, schätzt das Pew Research Centre. Betrachtet man eine potenzielle Lebensspanne von 100 Jahren, haben sogar fast vier von fünf Menschen ab 50 Jahren (81 %) eine Lücke von mehr als einem Jahrzehnt – mit deutlichen Unterschieden je nach Land. In Deutschland steigt dieser Wert auf fast neun von zehn (87 %), die nicht ausreichend vorbereitet sind.
Für die Altersvorsorge ist frühzeitiges Handeln gefragt
Susanna Wooders, Country Head Germany bei Fidelity International, kommentiert die Studienergebnisse so: „Die Menschen leben heute länger als je zuvor. Viele bereiten sich aber immer noch auf einen Ruhestand vor, wie ihn ihre Eltern und Großeltern erlebt haben. Die Diskrepanz zwischen Lebenserwartung und Sparhorizont birgt das Risiko, dass viele schlecht vorbereitet sind. Mit der richtigen Planung kann ein längeres sorgenfreies Leben Realität werden – aber dafür braucht es ein neues Denken und frühzeitiges Handeln.“
Augenmerk in Europa liegt noch zu sehr auf der Ansparphase
Aber auch die Fondsbranche kann hier besser unterstützen als sie es bisher tut – zumindest in Europa: Hierzulande konzentrieren sich die Marketing-Strategen der Finanzhäuser noch sehr auf die Anspar-Phase. Sparpläne lassen sich allerorten abschließen, und zwar äußerst niederschwellig: Sparpläne von 25 oder sogar einem Euro pro Monat sind möglich und technisch leicht einzurichten.
Wo es aber noch Handlungsbedarf gibt, sind Strategien zum Vermögensverzehr: Wieviel sollte man bis zum Rentenbeginn angespart haben, pro 100 Euro monatlicher Entnahme, die man anstrebt? Wie hoch darf die monatliche Entnahme aus dem Fondsvermögen sein, wenn man Kapitalerhalt oder Kapitalverzehr bis zu seinem Lebensende anstrebt? Überhaupt bieten nur die wenigsten Discountbroker Auszahlpläne an. Es ist also rein technisch nicht überall möglich, einen Auszahlplan einzurichten. Und wenn man dann noch regelmäßig eine bestimmte Anzahl von Fondsanteilen verkaufen will und keine fixe Summe (um den negativen Cost-Average-Effekt zu vermeiden), dann wird es eng. Hier gibt es also noch Handlungsbedarf – insbesondere angesichts der jetzt in Rente gehenden starken Generation der Boomer. Da ist sicher noch interessantes Geschäftspotenzial zu heben!
Rentner sind am Ende recht optimistisch
Am Ende scheinen sich die Menschen aber doch mit ihrer Finanzplanung im Alter einzurichten, denn die Fidelity-Studie zeigt einen gewissen Optimismus hinsichtlich des Ruhestands. Zwei von drei (68 %) Rentnern beschreiben ihre Einstellung diesbezüglich als positiv, verglichen mit etwas mehr als der Hälfte (56 %) der Noch-nicht-Rentner. Das deutet darauf hin, dass die Zuversicht oft wächst, sobald Menschen in den Ruhestand eintreten. In Deutschland beschreiben 60 % der Rentner ihre Einstellung als positiv, verglichen mit nur 54 % der Noch-nicht-Rentner. Dieser Optimismus spiegelt sich auch in den sich wandelnden Einstellungen zu Arbeit und Alter wider. Sieben von zehn der Befragten (70 %) erwarten, länger zu arbeiten – vor allem, um geistig und körperlich aktiv zu bleiben (38 %) und weniger aus finanzieller Notwendigkeit (26 %).
Auf vier Säulen für ein langes Leben vorbereiten
Was den Optimismus stärkt ist, wenn man sich auf ein zufriedenes, langes Leben vorbereitet. Dies betrifft vor allen Dingen die folgenden vier Faktoren:
- Finanzielle Stabilität
- körperliche Gesundheit
- emotionales Wohlbefinden
- soziale Kontakte
So zeigt die Studie, dass diejenigen, die Schritte zur Planung des Ruhestands unternommen haben – etwa durch die Erstellung eines Budgets oder die Identifizierung potenzieller Einkommensquellen – sich in allen genannten Bereichen deutlich besser auf das Leben nach der Arbeit vorbereitet fühlen. Dies unterstreicht, dass Vorbereitung nicht nur die Grundlage für langfristige finanzielle Sicherheit bildet, sondern auch für die Erhaltung wichtiger Faktoren des ganzheitlichen Wohlbefindens im späteren Leben.
Susanna Wooders ergänzt dazu: „Wenn die Finanzen gesichert sind, können Menschen in ihre Gesundheit investieren, soziale Kontakte pflegen und dem Ruhestand mit Zuversicht begegnen. Sind sie es nicht, ist das gesamte Gefüge im Ungleichgewicht.“
Foto: Canva (2026)


