Seit September 2025 ist Fondsfrau Manuela M. Fröhlich Head of Fundraising & Investor Relations bei ALIGN in Zürich. Wir sprechen mit ihr über Media Finance, den Wechsel in eine neue Industrie und darüber, wie sich langjährige Finanzexpertise auf ein neues Themenfeld übertragen lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn man für ein weniger bekanntes Unternehmen arbeitet, muss man erklären, wer man ist, was man macht und warum die Strategie für Investoren relevant ist. Das braucht Zeit und Vertrauen.
  • Es kann reizvoll sein, vorhandene Expertise auf ein neues Themenfeld zu übertragen und gleichzeitig eine völlig neue Industrie kennenzulernen.
  • Erfahrung hilft enorm, aber Neugier bleibt genauso wichtig.
  • Die einzelnen Finanzierungen im Filmgeschäft sind kurzlaufend und liegen je nach Struktur typischerweise zwischen etwa 12 und 24 Monaten.
  • Karriere bedeutet nicht immer den nächsten Titel oder den nächsten Schritt nach oben. Ein neues Unternehmen, eine neue Assetklasse oder eine neue Industrie kann mindestens genauso viel Entwicklung bedeuten.

Manuela, Du bist jetzt seit rund einem Jahr bei ALIGN. Welche Herausforderungen, aber auch welche Vorteile hat es, für einen weniger bekannten, spezialisierten Asset Manager zu arbeiten?

Der größte Unterschied ist, dass man sich nicht auf einen bekannten Markennamen verlassen kann. Man muss erklären, wer man ist, was man macht und warum die Strategie für Investoren relevant ist. Das braucht Zeit und Vertrauen.

Gleichzeitig ist genau das auch der Reiz. In einer kleinen spezialisierten Boutique ist man sehr nah am Investment und an den Investoren, kann viel stärker mitgestalten und sieht unmittelbar, was funktioniert und was nicht. Nach vielen Jahren in größeren Organisationen finde ich diese Nähe zum eigentlichen Geschäft ausgesprochen spannend.

Du hast mit dem Wechsel auch eine für Dich neue Industrie kennengelernt. Welche Tipps hast Du für diejenigen, die in ein neues Unternehmen oder Themenfeld wechseln?

Meine langjährige Erfahrung in der Finanzbranche war dafür eine sehr gute Basis. Kreditstrukturen, Risiko, Rendite und die Anforderungen von Investoren sind mir vertraut. Neu war für mich die Filmindustrie mit ihren eigenen Marktmechanismen und Finanzierungsstrukturen.

Genau darin lag für mich der Reiz: vorhandene Expertise auf ein neues Themenfeld zu übertragen und gleichzeitig eine völlig neue Industrie kennenzulernen. Erfahrung hilft enorm, aber Neugier bleibt genauso wichtig.

Wie lange hat es gedauert, bis Du Dich in der neuen Industrie wirklich sicher bewegt hast?

Die finanzielle Logik war für mich schnell nachvollziehbar. Zeit braucht das Verständnis für die Feinheiten einer neuen Industrie: Wie funktioniert die Wertschöpfungskette? Wer sind die relevanten Marktteilnehmer? Welche Risiken sind tatsächlich entscheidend?

Nach einem Jahr kann ich heute sehr selbstverständlich mit Investoren über Media Finance sprechen. Gleichzeitig lerne ich bei neuen Transaktionen immer noch dazu. Genau das macht es spannend.

Was macht ALIGN und welche Investoren sprecht Ihr an?

ALIGN ist ein spezialisierter Private Credit Manager für Media Finance. Wir finanzieren unabhängige Filmproduktionen über senior besicherte Kredite. Das Entscheidende: Wir wetten nicht auf den Erfolg eines Films an der Kinokasse. Unsere Rückzahlung basiert beispielsweise auf staatlichen Förderungen oder vertraglich vereinbarten Zahlungen von Distributoren und erfolgt in der Regel, bevor ein Film überhaupt veröffentlicht wird.

Unsere Investoren sind vor allem Family Offices, Multi Family Offices, Wealth Manager und Asset Manager. Gleichzeitig sprechen wir zunehmend mit institutionellen Investoren, die nach spezialisierten Private Credit Strategien und unterschiedlichen Renditetreibern suchen.

Wir schauen sicher alle gerne Filme, aber kannst Du uns kurz erklären, wie Filmfinanzierung eigentlich funktioniert?

Ein Film braucht Kapital, um produziert werden zu können. Ein Teil der Finanzierung kann bereits vor Produktionsbeginn gesichert sein, zum Beispiel durch staatliche Förderungen oder weil Vertriebsrechte für bestimmte Länder schon an Distributoren verkauft wurden. Das Geld daraus steht dem Produzenten aber häufig erst später zur Verfügung.

Ein Beispiel: Ein Distributor hat die Rechte an einem Film gekauft, zahlt aber einen wesentlichen Teil erst, wenn der fertige Film geliefert wird. Der Produzent braucht das Geld vorher für die Produktion. Genau diese Lücke finanzieren wir. Der Zahlungsanspruch gegenüber dem Distributor wird an uns abgetreten und bei Lieferung fließt dessen Zahlung direkt an uns zurück.

Für uns als Kreditgeber ist deshalb nicht entscheidend, wie viele Menschen später ins Kino gehen. Entscheidend ist, wer uns zurückzahlt und wie diese Forderung abgesichert ist.

Welche Laufzeiten und Renditen sind bei solchen Finanzierungen typisch?

Die einzelnen Finanzierungen sind kurzlaufend und liegen je nach Struktur typischerweise zwischen etwa 12 und 24 Monaten.

Die Verzinsung hängt von der Art und Qualität der Besicherung ab. Für den Fonds streben wir unter normalen Marktbedingungen eine jährliche Nettorendite von rund 12 Prozent an. Entscheidend ist aber nicht nur die Rendite, sondern welches Risiko man dafür übernimmt und wodurch die Rückzahlung abgesichert ist.

Wie sieht diese Absicherung konkret aus? Was passiert, wenn etwas schiefläuft?

Wir arbeiten mit verschiedenen Sicherheiten. Dazu gehören staatliche Förderungen und vertraglich vereinbarte Zahlungen von Distributoren. Zusätzlich gibt es sogenannte Completion Bonds, die das Fertigstellungsrisiko einer Produktion absichern.

Das relevante Kreditrisiko liegt deshalb nicht primär darin, ob ein Film beim Publikum erfolgreich ist. Entscheidend sind die Qualität der Sicherheiten und die Zahlungsfähigkeit der jeweiligen Gegenparteien. Als Senior Kreditgeber schauen wir mit einer völlig anderen Brille auf einen Film als ein Equity Investor.

Filmfinanzierung war für Dich vor einem Jahr selbst ein neues Gebiet. Wie hast Du Dir genügend Expertise aufgebaut, um heute mit Investoren darüber sprechen zu können?

Hier hilft Erfahrung enorm. Nach 37 Jahren im Asset Management weiß ich ziemlich genau, welche Fragen ein Investor stellen wird: Woher kommt die Rendite? Was kann schiefgehen? Wer zahlt meinen Kredit zurück? Welche Sicherheiten habe ich? Und wie hat sich die Strategie in Stressphasen verhalten?

Ich musste also nicht neu lernen, wie man eine Investmentstrategie beurteilt. Ich musste lernen, wie diese Fragen innerhalb der Filmindustrie beantwortet werden. Dafür bin ich tief in die Finanzierungsstrukturen eingestiegen und habe natürlich sehr viel von meinen Kollegen gelernt, die seit Jahrzehnten in dieser Industrie tätig sind.

Was möchtest Du unseren Leserinnen mit auf den Weg geben? Lohnt es sich, die Finanzwelt noch einmal aus einer völlig neuen Perspektive zu betrachten?

Absolut. Ich bin noch einmal in eine völlig neue Industrie eingetaucht, die ich bis dahin eigentlich nur aus der Zuschauerperspektive kannte. Das war herausfordernd, aber vor allem unglaublich spannend.

Karriere bedeutet nicht immer den nächsten Titel oder den nächsten Schritt nach oben. Ein neues Unternehmen, eine neue Assetklasse oder eine neue Industrie kann mindestens genauso viel Entwicklung bedeuten.

Mein Tipp: Verlasst Euch auf Eure Erfahrung, aber bleibt neugierig. Erfahrung öffnet Türen. Neugier entscheidet, durch welche Ihr als Nächstes geht.

Foto: Toni Hofmann

Profilbild von Anke Dembowski

Anke Dembowski

Anke Dembowski ist Finanzjournalistin und Autorin verschiedener Investmentfonds- und anderer Finanzbücher. Sie ist außerdem Mit-Gründerin des Netzwerks „Fondsfrauen".

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