Der Einladung zur Herbstveranstaltung des CFA Institute und der CFA Society Austria am 15. Oktober in Wien folgten rund 100 Teilnehmer. Sie stand mit dem Titel „Women in Finance“ unter weiblichen Vorzeichen.

Frauen legen anders an als Männer
Fondsfrau Anke Dembowski hatte in ihrer Keynote-Speech Gelegenheit, in Österreich das Netzwerk „Fondsfrauen“ vorzustellen, das auch dort auf reges Interesse stieß. Anschließend sprach sie darüber, wie Frauen am Finanzmarkt anders agieren als Männer. „Frauen sind bei der Kapitalanlage nicht besser oder schlechter als Männer, sondern sie agieren anders“, erklärte Dembowski. Beispielsweise traden sie deutlich seltener als Männer und gehen bei der Geldanlage weniger Risiken ein. Sie hob hervor, dass Geldanlage-Themen sehr wichtig für Frauen sind: „Frauen haben öfter als Männer unterbrochene Lebensläufe und verdienen weniger. Auf der anderen Seite haben sie eine höhere Lebenserwartung als Männer, müssen also längere Renten-Phasen finanzieren. Daher benötigen sie unbedingt hohe Renditen und sollten sich – damit sie diese auch erzielen – stärker für Finanzthemen interessieren und das Kümmern um die eigenen Finanzen nicht einfach ihren Männern überlassen.“

Ask for it!
In einer weiteren Keynot-Speech berichtete Ursula Radeke-Pietsch, Leiterin der Globalen Kapitalmarktthemen bei Siemens, über ihren Karriereweg in die Führungsetage bei Siemens. Nach Mathematik-Studium und einer Lebensstellung als Lehrerin war es für Radeke-Pietsch nicht leicht, Familie und Freunden klar zu machen, dass sie noch etwas anderes machen wollte. Sie hängte ein Wirtschaftsstudium an und ging für Siemens in Ausland – zunächst in die Projekt-Finanzierung.

In ihrem Vortrag gab Radeke-Pietsch Frauen, die sich für eine Unternehmens-Karriere interessieren, Tipps – hier ein paar Kostproben: „Ask for it – wenn Du nicht fragst, ob Du diese oder jene Position übernehmen kannst, denkt womöglich keiner an Dich“, gibt sie den Zuhörerinnen mit auf den Weg. Ferner rät sie Frauen, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen: „Wenn man die Extra-Meile im Beruf geht, sollte man auch etwas dazu sagen. Sonst wird es als ganz normal angesehen oder womöglich gar nicht bemerkt.“

Außerdem empfiehlt Radeke-Pietsch, durchaus auch rechts und links der geraden Linie zu schauen. Dies sei manchmal schwierig, wenn man sehr fokussiert auf seine Arbeit, seine Firma, oder ein einzelnes Projekt blicke. Aber solche Seitenblicke seien lohnenswert. Wenn man dann eine Opportunität erblicke, solle man sie auch ernsthaft in Erwägung ziehen und darauf springen – natürlich unter Abwägung der Konsequenzen, die jedes Handeln mit sich bringe.

Diskussionsrunde: Frauen sollten Frauen bleiben
Auch in der anschließenden Podiumsdiskussion wurde über Frauen und Karriere gesprochen. Susanne Höllinger, CEO der Kathrein Privatbank, warnte davor, Frauen zu sehr unter Druck zu setzen: „Frauen sollten Karriere machen können, wenn sie dies wollen. Aber wir sollten sie nicht unter Erwartungdruck setzen, dass sie neben einem perfekten Aussehen, einer perfekten Mutter und Gattin nun auch noch die perfekte Karriere hinlegen müssen.“ Dr. Martha Oberndorfer, die als Generalsekretärin der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen z.B. den Verkauf der Casinos Austria erfolgreich abgewickelt hat, möchte Frauen zwar gleiche berufliche Chancen einräumen, „aber wir sollten nicht Frauen fördern, nur um deren Frausein.“

Damit war das Thema Quote angeschnitten. Gabriele Jandrisevits-Herzog, Leiterin der Abteilung Asset Management bei den Wiener Stadtwerken, erklärte, dass eine Quote womöglich vorübergehend notwendig sei, da ohne diesen Zwang der Frauenanteil in den Führungsetagen vieler Unternehmen offenbar nicht erhöht werde. Sie ergänzt: „Ich denke Netzwerke – unabhängig vom Gender-Thema – sind auf jeden Fall sinnvoll.“ Bei allem Streben nach Karriere und Gleichberechtigung sollten aber Frauen immer noch Frauen bleiben.

Dr. Franz Schellhorn, Leiter der Agenda Austria und einziger Mann auf dem Podium erklärte: „Der niedrige Frauenanteil in Führungsetagen ist auch ein volkswirtschaftliches Problem. Deswegen sollten Chefs talentierten Frauen aktiv höhere Posten anbieten, wenn diese nicht selbst darauf drängen. Das ist eine viel bessere Lösung als eine Quote.“ Außerdem macht er deutlich, dass er reine Männerrunden genauso eigenartig findet wie reine Frauenrunden und empfiehlt Frauen eher, mit Männern zu netzwerken. „Das bringt vermutlich viel mehr.“

Die Diskussion – moderiert von Barbara Bertolini – hinterließ genug Themen für die weiteren Gespräche beim Stehbuffet. Davon machten die Teilnehmer regen Gebrauch.

 

Fotos: CFA Institute, Sabine Klimpt

A_Diskussionsrunde 02 A_Diskussionsrunde 03 A_Diskussionsrunde A_Gruppenfoto A_kleine Runde 01 A_kleine Runde 02 A_kleine Runde 03 A_Networking 01 A_Networking 02 CFA_066 CFA_091 CFA_118 CFA_128 CFA_129 CFA_142

Corporate Partners