Anfang des Jahres 2025 wurde bei Union Investment ein neues Mentoringangebot eingeführt, bei dem Mentees automatisch und themenbasiert passende Mentor*innen vorgeschlagen werden. Wir sprechen mit Dr. Christina Heidemann über das neue Angebot. Sie ist Referentin für Diversity und Culture Management bei Union Investment in Frankfurt.
Key points at a glance
- Im Februar 2025 hat Union Investment eine neue Mentoringplattform im Einsatz, bei der sich Mentees und Mentor*innen anmelden und dabei gleich die Themen eingeben können, für die sie sich interessieren oder bei denen sie über Expertenwissen verfügen.
- Das Tool matcht automatisch Personen, die das gleiche Thema eingegeben haben und daran gemeinsam arbeiten wollen.
- Union Investment hat das Tool inhouse selbst entwickelt, weil auf dem Markt nichts Passendes zu finden war.
- Wichtig war Union Investment, dass die Plattform eine hohe Usability hat und einfach zu bedienen ist. Sie ist jetzt im sogenannten UI-Portal zu finden, wo u.a. auch verschiedene Trainings angeboten werden.
- Mit dem neuen Tool soll ein Perspektivenwechsel ermöglicht (z.B. im einen sog. Reverse Mentoring), Wissenstransfer gefördert und möglichst das Silodenken zwischen Einheiten reduziert werden. Wichtig sind Union Investment eine wertschätzende Kommunikation, Zuverlässigkeit und Kollegialität.
- Bei der neuen Mentoringplattform sollten sich alle Interessierten anmelden können. Außerdem soll damit den Tandems weitreichende Eigenverantwortlichkeit geben werden. Gewollt ist eine möglichst hohe Flexibilität.
- Mit dem neuen Tool konnte die Anzahl der Matches gegenüber dem vorherigen Mentoring-Angebot erheblich gesteigert werden.
Dr. Christina Heidemann ist Referentin für Diversity und Culture Management bei Union Investment in Frankfurt. Als solche hat sie gemeinsam mit dem Diversity Council des Unternehmens eine Diversity & Inclusion-Strategie ausgearbeitet und ist verantwortlich für deren Weiterentwicklung sowie der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie. Anfang des Jahres 2025 wurde bei Union Investment ein neues Mentoringangebot eingeführt, bei dem Mentees automatisch und themenbasiert passende Mentor*innen vorgeschlagen werden. Wir wollen von Dr. Christina Heidemann wissen, wie das funktioniert.
Christina, Ihr habt bei Union Investment im letzten Jahr eine Mentoringplattform eingeführt. Wie funktioniert diese?
Seit Februar 2025 haben wir unsere neue Mentoringplattform im Einsatz, bei der sich Mentees und Mentor*innen anmelden und dabei gleich die Themen eingeben können, für die sie sich interessieren oder bei denen sie über Expertenwissen verfügen. Das Tool matcht dann automatisch Personen, die das gleiche Thema eingegeben haben und daran gemeinsam arbeiten wollen.
Was genau kann man denn bei der Plattform eingeben?
Zuerst kann ich auswählen, welche Rolle ich übernehmen möchte, ob ich als Mentee oder Mentor*in agieren möchte oder vielleicht sogar beides. Beispielsweise, dass ich Mentorin über Diversity sein kann, und dass ich mehr über KI lernen möchte.
Als Mentee gebe ich an, welches Thema mich interessiert; es können auch mehrere Themen sein, beispielsweise KI, Nachhaltigkeit und weitere frei wählbare Themen. Anschließend können diese Themen näher spezifiziert werden.
Im nächsten Schritt ist noch anzugeben, mit wem ich gerne gematcht werden möchte: Ob mit einer Person aus meinem Segment, oder einem anderen. Ob das Menteeship auf Deutsch oder Englisch stattfinden soll, ob am Standort Frankfurt oder einem anderen, und so weiter.
Zum Schluss kann ich noch Informationen über mich hinzufügen und es wird automatisch ein Foto von mir hochgeladen. Im Idealfall bekomme ich dann Mentor*innen angezeigt, die mit mir matchen. Die potenziellen Mentor*innen kann ich dann eigenverantwortlich anschreiben. Im Prinzip läuft das wie bei Tinder, nur eben für Mentoring.
Wurde das Tool eingekauft oder intern entwickelt?
Wir haben es inhouse selbst entwickelt, in enger Zusammenarbeit zwischen unserer Personalentwicklung und unserer IT. Vorher hatten wir uns auf dem Markt umgesehen, aber nichts Passendes finden können. Uns war wichtig, dass die Plattform eine hohe Usability hat und einfach zu bedienen ist. Sie ist jetzt in unserem sogenannten UI-Portal zu finden, wo u.a. auch all unsere Trainings angeboten werden, und es dauert maximal 15 Minuten, um die Anmeldung abzuschließen.
Du sagtest, dass Ihr aus der Personalentwicklung heraus, der du auch angehörst, die neue Plattform unterstützt. Wie macht Ihr das?
Wir geben hilfreiche Guidance, indem wir einen Mentoringleitfaden und verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Beispielsweise haben wir verschiedene Checklisten erstellt, ein Erklärvideo zur Plattform bereitgestellt, Beiträge in unserem Intranet veröffentlicht, und eine große Kickoff-Veranstaltung gab es auch. Außerdem greifen wir das Thema bei verschiedensten Anlässen auf und machen auf die Mentoringplattform aufmerksam. Neulich hatten wir in der Mittagszeit einen Info-Tisch vor der Kantine dazu.
Du sagtest, dass Ihr Mentees und Mentor*innen viel Eigenverantwortung geben wollt. Was ist Euch wichtig?
Wichtig ist uns eine wertschätzende Kommunikation, Zuverlässigkeit und Kollegialität. Außerdem wollten wir einen Perspektivenwechsel ermöglichen, Wissenstransfer fördern und möglichst das Silodenken zwischen Einheiten reduzieren. Mir als Verantwortliche für Diversity & Inclusion ist es besonders wichtig, mit der Plattform Brücken zwischen den unterschiedlichen Generationen zu bauen und den übergreifenden Dialog zu fördern.
Ich kann mich erinnern, dass Union Investment schon länger ein Mentoringprogramm hat…
Das ist richtig, ein Mentoringprogramm haben wir schon seit vielen Jahren, wir haben es jetzt aber neu auf einer Plattform aufgesetzt. In der Vergangenheit wurden Mentor*innen und Mentees individuell durch eine Kollegin aus dem Team der Personalentwicklung gematcht. Die Menteeships liefen damals immer über 12 Monate, und pro Durchgang hatten wir damit etwa 20-25 Tandems. Das wollten wir dann skalieren und Mentoring für mehr Mitarbeitende zugänglich machen. Im Prinzip sollten sich alle Interessierten anmelden können, darüber hinaus wollten wir den Tandems mehr Eigenverantwortlichkeit geben.
Und wie wird Eure neue Mentoringplattform angenommen?
Wir sind mit dem Start sehr zufrieden. In der Vergangenheit hatten wir etwa 20, maximal 25 Tandems pro Programmdurchlauf. Jetzt haben wir schon über 40 Matches, und die neue Plattform gibt es ja erst 10 Monate. Das heißt, die Anzahl der Matches hat sich schon jetzt verdoppelt.
In Summe haben sich bislang 160 Nutzer*innen auf der Plattform angemeldet, sie erfreut sich also eines großen Interesses. Wir merken aber auch, dass wir immer wieder Werbung hierfür machen müssen. Es gibt bei Union Investment einfach auch so viele Angebote, dass nicht jeder jedes Angebot kennt.
Was sind die Vorteile des heutigen Mentorings bei Euch gegenüber dem Mentoring in der Vergangenheit?
Das neue Angebot ist deutlich flexibler und individueller, denn es gibt keine klaren Vorgaben. Wir geben als Verantwortliche zwar Tipps, aber diese sind nicht rigide. Mentee und Mentor*in entscheiden selbst, wie oft und wie lange sie sich treffen. Wir empfehlen eine Mindestlaufzeit von sechs Monaten, einen regelmäßigen Turnus, und eine Mindestdauer von einer Stunde pro Treffen, damit man genug Zeit hat, die Themen intensiv zu besprechen. Aber die Teilnehmenden können auch davon abweichen. Unser früheres Mentoringprogramm hatte eine feste Laufzeit von einem Jahr, wobei viele Tandems dann noch kollegial verbunden blieben. Über die Plattform kann man das Match auch wieder auflösen, z.B. wenn die individuellen Ziele erreicht sind.
Beim klassischen Mentoring ist es so, dass erfahrene Kolleg*innen ihr Wissen mit jüngeren Kolleg*innen teilen. Mit unserer neuen Mentoringplattform ist hier ebenfalls im Rahmen einen sog. Reverse Mentorings ein Perspektivwechsel möglich: auch Jüngere können Älteren Hilfestellung bei einem bestimmten Thema geben. Das Ganze ist jetzt also viel flexibler.
Wie aufwendig ist denn ein Menteeship?
Auf unserer Plattform haben wir einen Hinweis integriert, dass ein erfolgreiches Mentoring immer auch ein entsprechendes Maß Zeit und Engagement erfordert. Der Aufwand unterscheidet sich je nach Tandem. Es sollte aber schon klar sein, dass man mit einer Mentoringbeziehung ein gewisses zeitliches Investment eingeht. Daher empfehlen wir auch eine kurze Rücksprache mit der jeweiligen Führungskraft.
Was für Themen werden auf der Plattform nachgefragt?
Der Pool an Themen speist sich aus dem, was die Menschen angeben. Die Matchingvorschläge erfolgen dann themenbasiert. Wir schauen uns die Themen regelmäßig an, auch um eventuell weitere Weiterbildungs- und Fördermöglichkeiten daraus zu entwickeln.
Nachgefragt werden auf der Plattform sowohl fachliche als auch persönliche Themen. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: zu den persönlichen Themen zählen Aspekte wie Veränderungskompetenz, Selbstmarketing, Resilienz, Führung oder Kommunikationsfähigkeiten. Bei den fachlichen Themen geht es beispielsweise um Nachhaltigkeit, KI, Digitalisierung und Organisationsentwicklung.
Was ist Dein Zwischen-Fazit zur neuen Mentoringplattform?
Nach dem, was mir zurückgespiegelt wird, profitieren von einem Menteeship immer beide Seiten. Wer von wem wieviel lernt, ist im Vorhinein gar nicht immer so ganz klar. Bei unserer Plattform definieren die Mentees das Thema, mit dem gestartet wird. Vieles ergibt sich dann erst in den persönlichen Gesprächen. Insofern kann sich unterwegs das Thema auch noch wandeln oder etwas ganz anderes ergeben.
Wir führen ja hier ein Interview für die Fondsfrauen. Gibt es Gender-Unterschiede in der Nutzung Eurer Plattform?
Wir möchten prinzipiell keinerlei Grenzen setzen: Frauen wie Männer sollten sich gleichermaßen berufen fühlen, Mentee oder Mentor*in zu werden. Bisher sind die Nutzenden ziemlich gleichverteilt, wobei es etwas mehr Mentoren als Mentorinnen gibt.
Ich möchte deshalb gerade unsere Kolleginnen herzlich einladen, auf unserer Plattform ihr Wissen zu teilen. Die Rolle als Mentor*in ist eine schöne Möglichkeit, mit seiner speziellen Expertise sichtbar zu werden. Wir haben auf unserer Plattform die Menteeships entkoppelt von Hierarchie, Alter oder Geschlecht – das ist eine Chance, die alle nutzen sollten.
Vielen Dank, Christina, für die Insights zu Eurer neuen Mentoringplattform! Und weiterhin viel Erfolg damit!


