Über so viel Frauenpower müssen wir bei den Fondsfrauen berichten: Barbara Bertolini, Head of Communications und Mitglied des Managementteams von FAROS Consultant, schloss mit einer beeindruckenden Initiative eine Lücke unter den institutionellen Investoren. Ihre Idee: Einen exklusiven Investorengipfel ins Leben zu rufen, zu dem ausschließlich institutionelle Investoren, Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Zugang haben. Und diese Intuition sollte ihr Recht geben: Großanleger aus ganz Deutschland, der Schweiz und aus Österreich mit einem verwalteten Vermögen von über 250 Mrd. € pilgerten in die Kaiserstadt Wien. Und ganz nebenbei motivierte sie sogar den Finanzminister der Republik Österreich, Dr. Hans-Jörg Schelling, für eine Teilnahme. Der 1. Institutionelle Investorengipfel fand am 12. Juni 2015 in Wien statt. Insgesamt waren über 110 Investoren anwesend, darunter rund 15 Frauen. Die Fondsfrauen sprachen mit Barbara Bertolini:

FF: Frau Bertolini, wie kamen Sie auf die Idee, einen „Investorengipfel“ ins Leben zu rufen?

Barbara Bertolini: Immer mehr Großinvestoren suchen aufgrund des Niedrigzinsumfeldes oder auch aufgrund verstärkter Regularien nach Lösungen und benötigen Steigbügelhilfe unter anderem bei der Auswahl „neuer“ Assetklassen, in der das Know How, die Erfahrung oder die Manpower noch fehlen. Der professionelle und fachliche Austausch unter institutionellen Investoren gewinnt daher immer mehr an Bedeutung. Allerdings werden Veranstaltungen oft – zumindest die mir bekannten Investorenkongresse – über eine zu hohe Anzahl von Sponsoren finanziert. Das hat den Nachteil, dass die Investoren von einer Armada von Produktverkäufern umringt werden, die ihnen alle etwas verkaufen wollen. Diese Tatsache war für mich der springende Punkt für die Idee. Das Gipfeltreffen wird somit seinem Namen gerecht, da ausschließlich Investoren, Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Zutritt hatten, sodass die Themen qualitativ auf höchstem Niveau und von einer ganz anderen Seite aufgerollt werden konnten.

FF: Wurden auch Themen angesprochen, die womöglich besonders Frauen interessieren?

Bertolini: Es wurden Themen diskutiert, die sowohl Frauen als auch Männer, die im Bereich Veranlagung tätig sind und eine Entscheiderposition inne haben, interessieren. Beispielsweise waren Investments in Infrastruktur ein großer Themenblock. Das liegt daran, dass diese Investitionen einen planbaren und langfristigen Ertrag erwirtschaften können, und somit das Profil eines institutionellen Anlegers gut treffen. Hierzulande gibt es allerdings noch kaum Erfahrung, und die Investorinnen und Investoren beginnen sich ja erst, sich mit dem Thema zu befassen. Leider ist die Anzahl der Frauen im Bereich der Großanleger „noch“ recht überschaubar, sodass auch nur neun Frauen am Investorengipfel teilgenommen haben. Schön war es dann beim Galaabend. Da waren auch die Partnerinnen und Gattinnen geladen. Somit kamen wir zumindest am Abend auf rund 25 Damen. Das gab dem ganzen ein sehr charmantes und nettes Flair.

FF: Was waren aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Themen, die von den Investoren und Referenten angesprochen wurden?

Bertolini: Neben dem speziellen Thema Infrastruktur war in den Gesprächen immer wieder herauszuhören, dass Sachwertanlagen insgesamt ganz oben auf der Agenda stehen. Viel im Gespräch waren auch Anleihen mit langen Laufzeiten – zum Beispiel bei Investoren mit langfristigen Verpflichtungen, wie Versicherungen und Pensionskassen. Absolute-Return-Konzepte standen zwar nicht auf dem Programm des Gipfeltreffens, wurden aber heiß diskutiert.

FF: Beim Gipfeltreffen stand auch das Thema Afrika im Fokus. Institutionelle Anleger agieren doch risikoscheu. Wie erreichen Sie mit diesem Thema diese Anlegergruppe?

Bertolini: Afrika ist ein Zukunftsthema, das bei institutionellen Investoren in der DACH-Region derzeit nur als Randerscheinung vorkommt. Hier spielt das prognostizierte Wirtschaftswachstum gepaart mit der demografischen Entwicklung eine große Rolle; die Korrelation zu den anderen großen Wirtschaftsregionen ist überdies gering. Einige Investoren, die bei ihrer Anlage über einen entsprechenden Zeithorizont verfügen, erkennen das und fragen nach Umsetzungsmöglichkeiten. Zeit ist dabei ein ganz wesentlicher Faktor für den Erfolg dieser Art von Investments.

FF: Was war das Fazit des Investorengipfels?

Bertolini: Als Fazit des 1. Institutionellen Investorengipfels kann ich sagen, dass es ein „Weiter so“ bei der Anlagepolitik institutioneller Investoren angesichts der aktuellen Niedrigzinssituation und neuer regulatorischer Anforderungen nicht geben kann. Und: Ohne Änderungen der Anlagepolitik kann nur rund jeder zweite Institutionelle seine Renditeverpflichtungen erfüllen. Das Wort „alternativlos“ ist in unseren Breitengraden inzwischen zu einem geflügelten Wort geworden, aber ich kann definitiv sagen, dass es Alternativen gibt. So sieht beispielsweise Prof. Dr. Hartwig Webersinke, Dekan der Fakultät Wirtschaft und Recht an der Hochschule Aschaffenburg, und einer unserer Keyonte-Speaker, eine aufgehellte Lage in den USA, den mit Blick auf die anstehende Zinserhöhung durch die US-Notenbank steigenden US-Dollar und die gesunkenen Energiepreise als Konjunkturprogramm für Europa. Gemäß seiner Rede bietet die aktuelle Konsolidierung der Renten- und Aktienmärkte gute Einstiegsgelegenheiten in die Märkte.

FF: Sind Sie mit der Anzahl der anwesenden Frauen zufrieden?

Bertolini: Sagen wir so: Ich bleibe für das nächste Jahr latent optimistisch! Das Gipfeltreffen war bis auf den letzten Platz ausgebucht, was uns sehr zufrieden macht. Aber wenn sich Frauen im nächsten Jahr rechtzeitig anmelden oder auch Interesse haben, auf dem Podium mitzudiskutieren, würde mich das sehr freuen. Der nächste Institutionelle Investorengipfel wird am 10. Juni 2016 wieder in Wien stattfinden.

FF: Frau Bertolini, vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Stefan Joham
Das Foto zeigt Hans-Jörg Schelling, Finanzminister der Republik Österreich und Barbara Bertolini, Gastgeberin des 1. Institutionellen Investorengipfels

Corporate Partners

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?