Fondsfrauen: Herr Trenk, wer hatte die Idee, dass Sie als Mann Elternzeit nehmen? War es Ihre Frau, oder waren es Sie?
Oliver Trenk: Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wer das Wort in Bezug auf unseren Nachwuchs das erste Mal in den Mund nahm. Auf alle Fälle haben wir schon vor der Schwangerschaft darüber geredet. Nach Luiz‘ Geburt stellten wir das „optimale Szenario“ für die nächsten zwölf Monate auf und haben unsere Arbeitgeber recht bald in unsere Planung eingebunden.

Was waren Ihre persönlichen Beweggründe, Elternzeit zu nehmen?
Es ging mir um die Erfahrung, intensiv und ohne Unterbrechungen mit meinem Kind zusammen zu sein und so das Band zwischen uns schon früh untrennbar zu machen. Es stand von Anfang an stand fest, dass wir uns zwei Monate aus dem Staub machen würden. Wann sonst können zwei Berufstätige derart lange, mit bestem Gewissen und schönem Taschengeld vom Staat, für eine Reise parallel frei nehmen?

Wie lange haben Sie Elternzeit genommen? Und was haben Sie in der Zeit gemacht?
Insgesamt waren es fünf Monate, von Mitte April bis Mitte September 2015. In den ersten vier Wochen sind wir im Süden Australiens mit dem Camper rumgedüst. Nach einem Stopp in Sydney verbrachten wir noch dreieinhalb Wochen im Nordosten und Norden Australiens, bevor wir Ende Mai wieder in meiner Wahlheimat Deutschland landeten. Es hat alles gut geklappt mit Luiz. Allerdings sind wir Abenteuerurlauber und waren schon in vielen Ländern mit Fahrrad und Zelt unterwegs. Diese Reise mit Baby bedeutete eine große Umstellung für uns. Wir hatten zwar eine Trage und einen Chariot-Kinderwagen dabei, den man auch als Fahrradanhänger und Jogger verwenden kann, aber richtig große Ausflüge ins Backcountry, wie wir sie als Paar unternommen hätten, konnten wir mit Luiz nicht ins Auge fassen. An den tollsten Plätzen Australiens hatte ich deshalb anfangs manches Mal schlechte Laune. Wir mussten uns erst einstellen auf das Reisen mit Baby. Direkt nach Australien war ich tagsüber der Haupt-Baby-Verantwortliche für dreieinhalb Monate – das war von Juni bis Mitte September 2015. Meine Frau, die als Verkaufsleiterin die Verantwortung für 14 Mitarbeiter trägt, war nie wirklich „weg“ vom Job, ihrem Verantwortungsbewusstsein und dem Home Office sei Dank. Nach diesen gemeinsamen zwei Reisemonaten startete sie wieder in Vollzeit – da war Luiz zehn Monate alt. In den letzten vier Wochen begann noch einmal eine spannende Zeit, als ich die Eingewöhnung bei der Tagesmutter übernahm.

Wie hat Ihre Umgebung – insbesondere Ihr Arbeitgeber – reagiert, als Sie sagten, dass Sie Elternzeit nehmen würden?
Mein Arbeitgeber reagierte sehr positiv. Wir haben uns frühzeitig über mögliche Vertretungslösungen unterhalten und uns schließlich für eine interne Rochade entschieden. Aufgaben wurden übergeben und abgegeben, sodass meine Kollegin aus dem Bereich Marketing Communications, die mich schon seit Jahren gut vertrat, mich auch in Vollzeit vertreten konnte. Wichtig war mir von Anfang an, dass ich meiner Firma nach der Australien-Reise zumindest wieder in Teilzeit zur Verfügung stehen konnte. Wir einigten uns daher auf einen Zehn-Stunden-Homeoffice-Vertrag. So konnte ich in den drei Monaten nach Australien eine kleine aktive Rolle spielen und so zumindest einigermaßen „am Ball“ bleiben.

Wie ist Ihnen die Elternzeit bekommen?
Nach Australien stellte sich schnell heraus, dass das eine oder andere geschäftliche Telefonat von zu Hause eine willkommene – ja sogar ersehnte – Ablenkung vom Alltag mit dem Baby bot. Wir haben ein sehr aktives Bürschchen zu Hause und ich hatte unterschätzt, wie viel Zeit er in Anspruch nimmt. Wir haben tolle Männer-Tagesausflüge mit Fahrrad und Anhänger unternommen und waren so viel wie möglich in der Natur. Weil ich mir beweisen wollte, dass ich alles unter einen Hut bringen kann, habe ich aber manche Tage auch als stressig, wenn nicht sogar chaotisch, empfunden. Von entspannten Vater-Kind-Tagen konnte manches Mal keine Rede sein. Ich denke, falls ich noch einmal Elternzeit nehme, schraube ich meine Erwartungen ein wenig nach unten und plane weniger Programmpunkte.

Wie war der Alltag mit Kind, als Sie in Deutschland waren?
In den ersten Wochen alleine zu Hause: „Das ist der Wahnsinn, ich komme ja zu gar nichts! Und wann bitteschön soll ich heute zwei Stunden arbeiten?“ Mal schaun‘, jetzt erst mal ab ins Freibad.“

Am Anfang der Routinephase: „Bekomme ich im Königsteiner Freibad noch Schatten? Nur mehr 2 Wochen, dann beginnt endlich die Eingewöhnung bei der Tagesmutter und ich habe ein paar Stunden Freizeit jeden Tag! Und ich kann auch tagsüber in Ruhe Mails beantworten. Endlich wieder Zeit für mich!“

Zum Ende hin: „An das Leben kann ich mich gewöhnen. Fahrradausflüge und Freibad mit dem Kleinen und ein bisschen Arbeiten, gar nicht so schlecht, gefällt mir, aber bald geht’s wieder in Vollzeit zurück. Wie wir das wohl alles hinbekommen?“

Erst in den letzten Wochen fühlte ich mich so richtig eingetaktet und Routine stellte sich ein. Interessanterweise fühlte sich „Routine“ gut an, obwohl ich gerade davor Angst hatte, denn ich wollte anfangs nicht, dass sich Tage stark ähneln. Aber ein Mindestmaß an Routine war entscheidend für gelungene, stressfreie Tage!

Hand aufs Herz: Haben Sie sich am Ende der Elternzeit wieder auf Ihren Beruf gefreut?
Meine Arbeit macht mir Spaß. Und bei aller Liebe zu meinem Sohn und meiner Frau: Erst durch die Arbeit fühle ich mich im positiven Sinne voll ausgelastet. Familienleben ist toll, aber in Kombination mit dem Arbeitsleben macht es mir noch viel mehr Spaß, auch weil ich die Zeit mit der Familie umso mehr schätzen und dadurch genießen kann. Übrigens: Wieder im Büro fiel mir als erstes auf, wie sehr ich eine ruhige Umgebung vermisst hatte. Das durchaus belebte Großraumbüro erschien mir im Vergleich mit dem Geräuschpegel zu Hause plötzlich wie ein Hort der Ruhe! Aber trotzdem passierte es auch gleich am ersten Tag in der Arbeit: Ich vermisste Luiz und realisierte, wie genial diese intensive Zeit mit ihm war.

Wie funktionierte bei Ihnen der Wiedereinstieg in den Beruf?
Es stellte sich schnell raus, dass unser Lebensstil – beide Eltern arbeiten in Vollzeit, das Kind ist bei der Tagesmutter – uns nicht maßlos überfordert und wir sogar richtig Spaß daran haben. Das hatten wir vor meinem Wiedereinstieg gehofft, wussten aber nicht, wie sich derart volle Tage tatsächlich anfühlen. Nun, es fühlte sich einfach gut an, wieder zurück im Büro zu sein. Auch wenn ich während meiner Elternzeit von zu Hause aus ein wenig arbeiten konnte, ohne persönlichen Kontakt mit Kollegen und Journalisten macht mir meine Arbeit nicht so viel Spaß.

Was würden Sie anderen Paaren empfehlen, hinsichtlich der Elternzeit?
Mein Tipp für den Mann: Unbedingt Elternzeit nehmen. Sie ist eine Erfahrung, die so wichtig und so tiefgehend ist, so hilfreich für das Band zwischen Vater und Kind, dass es fahrlässig wäre, sich diese Chance entgehen zu lassen – natürlich unter der Voraussetzung, dass die Umstände es zulassen. Ob und unter welchen Voraussetzungen man dem Arbeitgeber in dieser Zeit verbunden bleiben möchte muss jeder selbst wissen. Man sollte sich aber bei Freunden und Bekannten vorher einen Eindruck verschaffen, wie sehr einen ein Baby vereinnahmt. Und schließlich müssen es nicht gleich fünf Monate sein, auch nach zwei Monaten ist man bereits ein gestandener Mann. Für das Paar: Unbedingt auch eine längere Reise mit Baby unternehmen – egal ob fern oder nah. Die Erfahrungen bleiben ewig, die lange Zeit gemeinsam schweißt das Paar und die Familie zusammen.

Vielen Dank für diesen tollen Erfahrungsbericht und für die ehrliche Einschätzung, Herr Trenk!

 

(Fotos: Oliver Trenk)

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Luiz und Oliver_1Oliver Trenk
ist Public Relations Manager für Central Europe bei Franklin Templeton Investment Services GmbH. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn noch bis Ende 2016 in Kronberg, bevor die Familie nach Eppstein im Taunus umzieht.

Foto: Oliver Trenk mit Luiz (privat)

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