Trotz Corona ist das Thema Nachhaltigkeit präsent, und vielfach sind es Frauen, die eine Hauptrolle in diesem Paradigmenwechsel spielen. Jüngstes Beispiel am österreichischen Finanzmarkt ist Elisabeth Müller. Die 31-jährige Wienerin ist neue Country Managerin von ESG Plus, einem Sozialunternehmen mit dem Schwerpunkt der innovativen Nachhaltigkeitsberatung für den Finanzsektor.

Nachhaltigkeits-Background
„Mein Ziel ist es, eine Welt mitzugestalten, in der die Gesellschaft und die Umwelt von globalen Kapitalströmen profitieren können“, so Elisabeth Müller. Die engagierte Wienerin hat einen umfangreichen Nachhaltigkeits-Background: Sie studierte Development Management mit Spezialisierung in Climate Change & Sustainable Supply Chain an der London School of Economics and Political Science, ehe sie mehrere Jahre lang mit der Leitung von internationalen UN-Projekten betraut war.

Ihre Expertise zu Nachhaltigkeitsstrategien sowie zu Möglichkeiten der Dekarbonisierung im Bereich Sustainable Finance bringt sie seit August 2019 beim Wiener Beratungsunternehmen ESG Plus rund um Gründer und CEO Armand Colard ein.

Seit Anfang dieses Jahres führt Müller zudem die Geschäfte in Österreich und verantwortet den Ausbau der internationalen Projekte des Unternehmens. Damit unterstreicht die Country Managerin eine wesentliche Entwicklung: Frauen sind im Finanzbereich auf dem Vormarsch, und das Thema Ethik in puncto Geldanlage scheint mittlerweile fest in weiblicher Hand zu sein.

Spin-off des WWF
ESG Plus ist ein Unternehmen, das vor fünf Jahren als unabhängiges Spin-off des WWF entstanden ist. Es unterstützt sowohl Banken als auch Versicherungen, Lösungen für einen transparenten und nachhaltigen Finanzmarkt zu erarbeiten.

Vergangenen Herbst hat ESG Plus das erste Produkt für Privatpersonen veröffentlicht, an dem Elisabeth Müller maßgeblich beteiligt ist: Die kostenlose Online-Plattform CLEANVEST ist das einzige Vergleichsportal in Österreich, das Fonds mittels acht bzw. demnächst neun Kriterien, wie beispielsweise Kinderarbeit oder fossile Energie, auf ihre Nachhaltigkeit hin prüft. Gemäß dem Credo „Dein Geld für eine bessere Welt“ erhalten Privatanleger*Innen so die Möglichkeit, Investmententscheidungen mit den persönlichen Werten in Einklang zu bringen. „Der Finanzmarkt hat die Macht, etwas zu verändern“, ist Müller überzeugt. „Ich möchte andere Frauen inspirieren, zu handeln und ihnen hierfür konkrete Möglichkeiten geben.“

Vier Fragen Elisabeth Müller …

Frau Müller, was fasziniert Sie an Ihrem neuen Job als Country Managerin bei ESG Plus besonders?
Meine Vision ist eine Welt, in der unser investiertes Geld einen positiven Beitrag für die Gesellschaft leistet. Ich habe ein hervorragendes Team und gemeinsam arbeiten wir daran, dass unsere Finanzwelt nachhaltiger wird. Für mich ist das ein entscheidender Ansporn und ein Grund warum mich meine Position so erfüllt. Des Weiteren habe ich die Möglichkeit mit Entscheidungsträger*Innen aus der Finanzbranche den Fondsmarkt nachhaltig zu beeinflussen und Veränderungen einzuleiten. Besonders bereichernd und faszinierend finde ich das Feedback unserer Stakeholder*Innen – die Nachfrage an Keynotes und Beratungsdienstleistungen durch ESG Plus ist in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Es zeigt mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind!

Vermutlich ist das noch eine typische Frauen-Frage, aber wir wollen uns ja austauschen: Wie organisieren Sie ihre Arbeit zwischen Familie und Job?
Ich organisiere die Arbeit zwischen Familie und Job wie auch hoffentlich jeder Mann es tut. Ich habe zwar keine Kinder, aber Familie und Gesundheit kommen für mich immer an erste Stelle! Für mich ist es so gesehen keine große Herausforderung. Anders als bei Männern müssen wir Frauen uns unseren Ruf als Expertinnen und Change-Maker neben familiären Verpflichtungen jedoch erst hart erarbeiten. Die Rolle der Frau, in der bis dato männerdominierten Finanzbranche ist zwar im Wandel; nach wie vor finden sich an den zentralen Schaltstellen jedoch stereotypische Verhaltensmuster.

Welche besonderen Chancen sehen Sie für Frauen in der ESG-Welle?
Ich möchte im Fondsmarkt eine Trendwende hin zu mehr Nachhaltigkeit einleiten, das bedeutet einen Ausbau von nachhaltigen Fondsprodukten. Denn das hat direkte Auswirkungen auf Investmentströme, welche vermehrt in klimaschonende und sozial verträgliche Sektoren bzw. Unternehmen umgelenkt werden. Am Ende des Tages geht es dabei um die Realwirtschaft, die von nachhaltigen Investitionen profitieren wird. Hier haben Frauen eine Schlüsselrolle, denn auf privater Anlegerseite sind es vor allem Frauen und Millennials, welche verstärkt nachhaltige Fondsprodukte nachfragen. Wir sehen ebenfalls weltweit, dass Frauen Nachhaltigkeitsbewegungen anführen oder gestartet haben und dieses Potenzial gilt es auch im Finanzmarkt mit einer weiblichen ESG-Welle zu realisieren.

Wie sind Sie zu diesem Job in der Finanzbranche gekommen?
Ich beschäftige mich seit mehr als zehn Jahren mit den Themen Entwicklungszusammenarbeit und Women’s Empowerment. Ich hatte die Möglichkeit, in Indien ein Projekt im Mikrofinanzierungsbereich kennenzulernen. Das hat mich sehr inspiriert und auch angespornt, mich dem Thema Nachhaltigkeit und Frauen im Finanzmarkt in Österreich zu widmen. In diesem Zusammenhang freut es mich, dass ich in den letzten Jahren beobachten konnte, dass der Frauenanteil in der Finanzbranche steigt und das Thema Ethik in puncto Geldanlagen oft in weiblicher Hand ist.

Vielen Dank für das Interview!

Foto: Andreas Müller

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