Berenike Wiener ist Direktorin Strategie und Head of CSR / Sustainable Finance der Evangelischen Bank (EB) und verantwortet dort die operative Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie.

Berenike, Du bist Direktorin Strategie und Head of CSR / Sustainable Finance. Was genau ist Deine Aufgabe?
Nachhaltigkeit ist sicherlich in aller Munde. Im privaten Alltag kommen den meisten von uns gleich verschiedene Aktivitäten in den Sinn wie die Vermeidung von Plastikmüll, regional einzukaufen oder umweltfreundlich zu reisen. Übertragen auf das Geschäftsfeld einer Bank lässt sich einiges davon übernehmen, aber im Bankalltag sind bestimmte Abläufe wesentlich komplexer. Sämtliche Entscheidungen müssen grundsätzlich in feste Strukturen und Prozesse überführt und dokumentiert werden. Ich bin dafür zuständig, dass sämtliche operativen Prozesse nach und nach auf ihre ökologischen und sozialen Aspekte hin geprüft, bewertet und stetig weiterentwickelt werden. Zwar ist Nachhaltigkeit für die Evangelische Bank schon lange ein fester Bestandteil der Gesamtbankstrategie, aber Nachhaltigkeit bedeutet auch, sich stetig weiterzuentwickeln. Erst kürzlich haben wir z.B. eine ehrgeizige Klimastrategie verabschiedet. Diese Strategie wird einen wesentlichen Einfluß auf unser Bankgeschäft in den nächsten Jahren haben und wir werden uns noch stärker als bisher mit Klima- und Umweltauswirkungen auseinandersetzen.

Was ist eine Klimastrategie?
In unserer Klimastrategie geht es um das klare Bekenntnis, dass wir als Evangelische Bank zur Erreichung des 1,5-Grad-Zieles des Pariser Klimaabkommens aktiv beitragen möchten. Dabei fokussieren wir uns zum einen auf die weitere Verringerung des ökologischen Ressourceneinsatzes in der gesamten Wertschöpfungskette und zum anderen auf die Begleitung von Wirtschaft und Gesellschaft hin zu einem nachhaltigeren Handeln. Für die Bank bedeutet es, viele Schritte nacheinander zu gehen. Dieser komplexe Prozess, der fast alle Bankbereiche umfasst, ist angestoßen und wird uns noch viele Monate und Jahre intensiver Arbeit kosten. Ich bin von der Richtigkeit und Wichtigkeit der Klimastrategie überzeugt, deshalb nehme ich die Herausforderung sehr gern an.

Was ist Dir persönlich an Ihrem Job besonders wichtig?
Mir liegt besonders ein sachorientierter, konstruktiver Dialog am Herzen. Die ernsthafte Bewertung von Nachhaltigkeitsleistungen oder gar die nachhaltige Transformation von Unternehmen hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft lässt sich im Investment- und Kreditprozess schwer in ein schlichtes Schulnotensystem überführen. Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, müssen Einschätzungen und Bewertungen im Hinblick auf z.B. mögliche Klima- und Umweltauswirkungen diskutiert werden. Vielleicht sogar: je kontroverser, desto besser. Über einen Dialog kann im ersten Schritt für ein Thema sensibilisiert werden, im zweiten Schritt können Veränderungen folgen.

Ich sehe aber auch, dass gerade eine nachhaltige Ausrichtung mit grundlegenden Veränderungen in Unternehmen, in einer Branche oder selbst im persönlichen Alltag verbunden ist. Veränderungen sind nicht immer leicht herbeizuführen und benötigen auch Zeit. Manchmal muss es dann ganz pragmatisch sein: Ärmel hochkrempeln, vorwärts schauen und das langfristige Ziel nicht aus den Augen verlieren.

Ist Nachhaltigkeit eigentlich ein Thema, dem sich Frauen intensiver widmen als Männer?
Das würde ich nicht so sehen. Im Sustainable Finance-Umfeld in Deutschland begegne ich in verschiedenen Gremien, bei Veranstaltungen und auf Fachtagungen hoch qualifizierten, engagierten und zukunftsorientierten Menschen – Frauen und Männern. Engagement für Nachhaltigkeit ist aus meiner Sicht keine Frage des Geschlechts. Ich sehe eher einen Unterschied zwischen den Generationen. Gerade die jüngere Generation ist von einem großen Willen zu Klima- und Umweltschutz geprägt.

Gehst Du auch mit jungen Menschen in den Dialog?
Sogar jeden Tag! In der Bank treffe ich auf viele junge MitarbeiterInnen, die eine große Offenheit für nachhaltigkeitsrelevante Themen zeigen und sich regelmäßig ganz aktiv einbringen. Zu Hause zeigen mir meine vier Kinder, wie sie die Welt von morgen sehen und welche Erwartungen sie an die Eltern- und Großeltern-Generation stellen. Und sicherlich sind die vielen Gespräche und Diskussionen auch immer wieder Impulse für meine Arbeit. Durch Sustainable Finance kann ich die Zukunft positiv mitgestalten. Ein gutes Gefühl…

Vielen Dank für das Interview, Berenike!

Zu Berenike Wiener

Berenike Wiener ist Direktorin Strategie und Head of CSR / Sustainable Finance der Evangelischen Bank (EB) und verantwortet dort die operative Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie. Bereits seit vielen Jahren befasst sie sich in verschiedenen Fach- und Führungspositionen mit Fragen der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Kapitalanlage, wobei ihre beruflichen Funktionen Einblicke in die Themen aus verschiedenen Perspektiven ermöglicht haben.

Sie war vor ihrem Eintritt bei der größten deutschen Kirchenbank in verschiedenen leitenden Positionen tätig. Bis Ende August 2019 war sie bei der Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ im Portfoliomanagement Sustainability tätig. Zuvor leitete Sie mehrere Jahre beim Bundesverband Deutscher Stiftungen das Themenfeld Stiftungsmanagement und Corporate Sector. Davor war Frau Wiener viele Jahre als Geschäftsführerin im Non Profit-Bereich tätig, wo sie umfassende Personalführungs- und Managementerfahrungen erworben hat.

Die Finanzfachwirtin verfügt sowohl über einen Master of Arts (MA) als auch über einen Master of Business Administration (MBA). Neben ihrer Tätigkeit hält sie zahlreiche Vorträge auf nationalen und internationalen Podien, veröffentlicht Publikationen zu finanzwirtschaftlichen Themen und ist u.a. im Beirat des Global Challanges Index der Börse Hannover, im Vorstand des FNG (Forum Nachhaltige Geldanlage) sowie des AKI (Arbeitskreis Kirchlicher Investoren). Berenike Wiener ist Mentorin bei den Fondsfrauen.

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