Isabel Bonacker war Keynote Speakerin auf dem Fondsfrauen Gipfel 2026. Sie ist Mitinhaberin der BABOR BEAUTY GROUP. Im Interview erzählt sie von ihrer Mosaikkarriere, dem Weg ins Familienunternehmen und erklärt, was es braucht, um Tradition und Transformation in Balance zu halten.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer verschiedene Stationen und Perspektiven mitbringt, führt nachhaltiger und trifft bessere Entscheidungen.
- Familienunternehmen brauchen Anker, keine Bremsen. Was bewahrt werden muss, ist die Identität, nicht der Status quo.
- Karriere ist kein gerader Aufstieg, sondern ein Mosaik. Wer das versteht, findet leichter den Mut, den ersten Schritt zu machen und sich aktiv ins Spiel zu bringen.
Isabel Bonacker ist Mitinhaberin der BABOR BEAUTY GROUP, einem der führenden deutschen Familienunternehmen im Premium-Kosmetikbereich. Ihren Weg dorthin beschreibt sie selbst als Mosaikkarriere: über Jura, McKinsey und Social Entrepreneurship bei Ashoka fand sie ihre Leidenschaft fürs Unternehmertum – und damit den Weg in die Unternehmensführung. Gemeinsam mit ihrem Cousin hat sie einen Generationenwechsel gestaltet und das Unternehmen auf Transformationskurs gebracht, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Im Gespräch mit den Fondsfrauen spricht sie über Wachstum mit Reibung, die Kraft von Netzwerken und was es bedeutet, Karriere als Mosaik zu denken.
Du hast ursprünglich gar nicht den klassischen Weg ins Familienunternehmen eingeschlagen, sondern sprichst bei deinem eigenen Werdegang von einer “Mosaikkarriere”. Was hat dir dieser Umweg für deine heutige Rolle bei Babor mitgegeben?
Ohne meine Mosaik-Karriere wäre ich gar nicht ins Unternehmen gegangen. Ich war immer schon eine Macherin, aber so richtig wusste ich nicht, wie ich das kanalisieren sollte. Ursprünglich wollte ich Journalistin wäre, habe Jura studiert und dann festgestellt, dass ich gerne in Projekten und im Team arbeite. Also ging ich zu McKinsey. Jedes einzelne Mosaik-Teilchen hat mich geprägt. Jura lehrte mich, systematisch an Herausforderungen ranzugehen und sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Bei McKinsey habe ich gelernt, mich schnell in ganz unterschiedliche Branchen einzuarbeiten und die richtigen Fragen zu stellen. Beides hilft mir heute sehr.
Was hat dich dann dazu veranlasst, irgendwann ins Familienunternehmen einzusteigen?
Nach der Elternzeit habe ich bei Ashoka, einem Start-up für Social Entrepreneurship, angefangen und habe meine Liebe zum Unternehmertum entdeckt. Ich fand es großartig, was diese Social Entrepreneure leisten. Und ich habe viele Unternehmer aus der freien Wirtschaft kennengelernt, die mich beeindruckt haben. Für mich war klar: ich möchte Unternehmerin sein. Also habe ich mich ins Spiel gebracht, als es um die Nachfolge im Familienunternehmen ging. Die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
Was hat dich an diesem Schritt persönlich gereizt und vielleicht auch herausgefordert?
Gereizt hat mich meine Liebe zum Unternehmertum. Für mich war der Einstieg ins Unternehmen ein ganz logischer Schritt zu diesem Zeitpunkt. Gemeinsam mit meinem Cousin bin ich im Zuge eines Generationenwechsels an Bord gekommen. Natürlich bringt das Herausforderungen mit sich. Mir war es wichtig, dass mein Cousin und ich ganz klar abgestimmt sind über unsere Rollen. Das hat zum Glück hervorragend funktioniert, denn wir ergänzen uns fantastisch. Die nächste Herausforderung war – wie bei jedem Generationswechsel – gemeinsam zu entscheiden, wieviel wollen wir bewahren, wieviel neu gestalten. Denn wir haben schnell festgestellt: das Unternehmen braucht Transformation.
Babor ist ein Unternehmen mit starker Geschichte und klarer Herkunft. Was muss aus deiner Sicht unbedingt bewahrt werden, wenn man ein Familienunternehmen in die Zukunft führt?
Jedes Unternehmen braucht einen Anker, der es mit seinen Wurzeln verbindet. Das gilt sowohl für unsere namensgebende Marke als auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. BABOR hat seinen Ursprung in der professionellen Kosmetik. Diese Heritage werden wir nie aufgeben und sie ist wichtig – für die namensgebende Marke der BABOR BEAUTY GROUP, aber auch für unsere Private Label. Auch für unser Team gibt es solche Anker. Dass wir ein Familienunternehmen sind beispielsweise. Wir wollen das Unternehmen noch erfolgreicher an die kommende Generation übergeben. Damit hängt automatisch zusammen, dass wir nachhaltig wirtschaften – und wir verstehen dabei den Begriff Nachhaltigkeit holistisch. Die Art und Weise wie wir arbeiten und warum wir das so tun, ist wichtig für unsere Mitarbeiter – und für viele unserer Kunden übrigens.
Gleichzeitig steht Babor für Transformation, Internationalisierung und neue Vertriebswege. Wie schafft man es, ein traditionsreiches Unternehmen weiterzuentwickeln, ohne seine Identität zu verlieren?
Eben über diese Anker. Es gibt ein paar „non negotiables“, die für uns stehen und die uns als Unternehmen ausmachen. Basierend darauf entwickelt sich unser Unternehmen konsequent weiter – mal behutsam, mal mit etwas mehr Geschwindigkeit. Bei all dem ist es wichtig, sowohl die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch die Kunden mitzunehmen und transparent zu kommunizieren. Dabei spielt auch die Inhaberfamilie eine wichtige Rolle, denn sie ist ein solcher Anker.
Familienunternehmen gelten als langfristig denkend, manchmal aber auch als vorsichtiger bei Veränderungen. Siehst du genau darin eher einen Vorteil oder eher eine Herausforderung?
Die Herausforderung ist, diese beiden Pole in Balance zu bekommen. Als Familienunternehmen denken wir langfristig, aber wir brauchen auch Veränderung und in dieser volatilen Welt geht das nicht immer nur „minimalinvasiv“. Ich denke, es ist ein großer Vorteil von Familienunternehmen, dass sie die Herausforderung annehmen, diesen Balanceakt immer wieder zu schaffen.
Wachstum, neue Märkte und Transformation bringen fast immer auch Reibung mit sich. Wie geht man als Unternehmen damit um, wenn Veränderung zwar notwendig ist, intern aber nicht nur Begeisterung auslöst?
Reibung gehört zu Wachstum und Transformation dazu – sie zeigt, dass Menschen Verantwortung übernehmen und nicht einfach „durchwinken“. Wichtig ist, diese Reibung aktiv zu gestalten. Uns ist wichtig, ein klares Warum und ein Zielbild zu kommunizieren, die Menschen einzubinden, Meilensteine zu setzen und den Fortschritt messbar zu machen. Transparente Kommunikation ist dabei entscheidend.
Die Fondsfrauen beschäftigen sich intensiv mit Karrierewegen, Führung und Weiterentwicklung. Was hast du auf deinem eigenen Weg gelernt, das du heute jüngeren Frauen früh mitgeben würdest?
Sucht euch Aufgaben mit Wirkung, nicht nur wohlklingende Titel. Seid mutig, den ersten Schritt zu machen und euch aktiv ins Spiel zu bringen. Vertraut auf Netzwerke. Ich habe gelernt, dass ich die besten Entscheidungen meiner Karriere selten alleine getroffen habe, sondern immer in einem Resonanzfeld von klugen Köpfen.
Du hast Familie, berufliche Verantwortung und verschiedene berufliche Stationen miteinander verbunden. Hat sich dein Verständnis von Karriere über die Jahre verändert?
Früher habe ich Karriere wie einen geraden Aufstieg gesehen – eine „Karriereleiter“. Mittlerweile denke ich, dass Karriere vielfältiger ist. Manchmal muss man abbiegen, um Klarheit über die eigenen Werte zu bekommen. Erst recht, wenn ein Lebenspartner dazu kommt und Kinder. Meine Karriere hat in unterschiedlichen Lebensphasen auch unterschiedliche Stellenwerte in meinem Leben gehabt. Auch das gehört zum Karriere-Mosaik dazu.
Wenn du in zehn oder zwanzig Jahren auf deine Zeit bei Babor zurückblickst: Woran würdest du gerne erkennen, dass sich der Schritt ins Familienunternehmen wirklich gelohnt hat?
Wenn wir das Unternehmen erfolgreich an die vierte Generation übergeben konnten.
Titelfoto: Olli Duerr / Fondsfrauen Gipfel 2026


