Unter dem Titel „Institutioneller Altersvorsorge- und Investorengipfel 2016“ fand am 9. und 10. Juni in Wien eine Veranstaltung für institutionelle Investoren statt. Das Besondere: Es war die erste Veranstaltung, die Barbara Bertolini unter ihrer eigenen Corporate Identity organisiert hat. Es erstaunt daher nicht, dass die Frauenquote – obwohl sonst im institutionellen Bereich sehr gering – mit 23% bei dem Kongress relativ hoch war (26 Damen von insgesamt 112 Teilnehmern).

Den Einführungsvortrag hielt Ex-Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel. Er gab einen optimistischen Ausblick auf die europäische Wirtschaft und verwies darauf, dass die Reformprogramme bereits in vier EU-Ländern bereits positive Wirkung zeigten.

Altersvorsorge, Regulierung und Investmentstrategien
Es folgten verschiedene Paneldiskussionen, bei denen es unter anderem um die Themen Altersvorsorge, Regulierung für Versicherer und Pensionseinrichtungen und Investmentstrategien ging.

Heribert Karch, Geschäftsführer der MetallRente und Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung, erklärte: „Kapitalgedeckte Vorsorge und Vertrauen korrelieren miteinander. Wir haben derzeit eine Art diffuse Resignation. Die jungen Leute wissen nicht recht, was sie erwarten dürfen.“ Angesprochen wurde auch, dass man sich bei der Altersvorsorge nicht allein auf die Belastung des Erwerbseinkommens verlassen könne, sondern daneben ein System der Kapitaldeckung benötigt.

Als Beispiel eines gelungenen System-Mix stellte Vera Kupper Staub das Schweizer Modell der Altersvorsorge detailliert vor. Sie ist Vize-Präsidentin der eidgenössischen Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge Schweiz. Mit der staatlichen Altersvorsorge, der sogenannten AHV, der stark ausgeprägten beruflichen Vorsorge und den privaten Sparmöglichkeiten sind Bürger in der Schweiz für das Alter sehr gut abgesichert.

In ihrem makroökonomischen Ausblick zeigte sich Sandra Navidi, Gründerin und CEO der Unternehmensberatung BeyondGlobal nicht ganz so optimistisch wie zuvor Dr. Waigel in seinem Einführungsvortrag. Navidi sprach mehrere Punkte an, die Ökonomen aktuell Kopfzerbrechen bereiten, wie den globalen Schuldenüberhang in Höhe von 57 Billionen USD, die Flüchtlingskrise, eine mögliche US-Präsidentschaft durch Donald Trump, den Brexit, der zum Zeitpunkt der Konferenz noch nicht feststand, etc.. „Es gibt immer noch mehrere Druckpunkte auf das System, so dass es vermutlich zu einer weiteren Krise kommen wird. Letztendlich wird auch diese Krise überraschend kommen, auch wenn sich die Dinge schon vorher zusammenbrauen. Das Problem ist, dass wir eine Komplexität geschaffen haben, die keiner mehr richtig überblickt“, so Navidi.

Award-Verleihung
Der Galaabend, der im schönen Ambiente der Labstelle in Wien stattfand, gab Gelegenheit, in angenehmer Atmosphäre die Themen des ersten Konferenztages zu vertiefen. Dort wurden auch Awards an drei Politiker vergeben, die sich jeweils in Österreich, Deutschland und der Schweiz um das Thema Altersvorsorge verdient gemacht haben. Sie wurden vergeben an Andrea Nahles (D), Matthias Strolz (A) und Karin Keller-Sutter (CH).

In der jeweiligen Laudatio heißt es: Karin Keller-Sutter bringt neben ihrem politischen Gespür für die Realisierbarkeit von Gesetzesänderungen erfolgreich und glaubhaft ihr großes Fachwissen im Bereich der Sozialversicherung und Pensionskassen ein. Matthias Strolz hat unter anderem mit seiner Initiative „Enkelfitte Sozialsysteme“ und „Das Pensionssystem ist schrottreif“ das Thema der uns bevorstehenden Altersarmut in Österreich publik gemacht. Seine aufgezeigten Lösungsvorschläge, die nächsten Generationen vor Altersarmut zu schützen sind ein weiterer Schritt für die Zukunftssicherung. Und Andrea Nahles hat zwar mit der Mütterrente ein viel kritisiertes Projekt durchgesetzt, hat aber mit dem Sozialpartnermodell einen wichtigen Reformvorschlag eingebracht, denn damit wurde erstmals eine Konzeption vorgelegt, die durch kollektive Prozesse die 2. Säule stärker in die Breite bringen könnte.

Solche Anstrengungen, die darauf gerichtet sind, künftige Altersarmut zu vermeiden, sind sicher begrüßenswert.

Fotos: Stefan Joham

 

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