Insbesondere Frauen leiden häufig unter dem Impostor-Syndrom. Es geht dabei um das furchtbare Gefühl: Ich bin nicht gut genug! Ich habe diesen Job nicht verdient! Auf Dauer kostet das Energie, Selbstvertrauen und oft auch Sichtbarkeit. Aus ihren Coachings heraus weiss Katherine Starks, wie man das Imposter-Gefühl abbauen und sich selbst mehr wertschätzen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Beim Impostor-Syndrom handelt es sich dabei um das furchtbare Gefühl, das wir haben: Ich bin nicht gut genug! Ich habe diesen Job nicht verdient! Ich könnte jederzeit ertappt werden!
- Das löst Angst aus und führt oft zu einer Art Starre, weil wir in Angst und Panik geraten.
- Es gibt auch eine Plus-Seite: Wer unter dem Imposter-Syndrom leidet, verspürt den Druck, immer besser zu werden, sich weiterzubilden, noch einen Kurs zu belegen und dazu ein weiteres Fachbuch zu lesen. Auf Dauer kostet das aber Energie, Selbstvertrauen und oft auch Sichtbarkeit.
- Aus der Imposter-Falle kann man sich befreien, indem man übt, seine Gedanken bewusst zu hinterfragen und Schritt für Schritt anders – positiver – zu denken. Das Ziel ist weniger Selbstkritik, mehr Selbstannahme.
- Mit Selbstliebe lassen sich Themen wie Imposter am ehesten überwinden. Coaching, Therapie und viel Selbstreflexion können dabei helfen.
- Oft trägt das Unternehmens-Umfeld zum Imposter-Syndrom bei, weil viele Manager den Fokus auf die Schwächen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen legen. Führungskräfte sollten den Fokus mehr auf die Stärken legen, auch in Jahresgesprächen.
Katherine Starks bietet Coaching für ambitionierte Teams und Führungskräfte. Außerdem engagiert sie sich bei den Fondsfrauen im Arbeitskreis Senior Professionals. Zuvor arbeitete sie viele Jahre lang in verschiedenen Führungspositionen in der Finanzbranche, zuletzt als Head of Asset Servicing, Germany, Switzerland, Austria bei BNY Mellon.
Katherine, was genau ist eigentlich das Impostor-Syndrom, und wie äußert es sich häufig bei Frauen im Berufsleben?
Es handelt sich dabei um das furchtbare Gefühl, das wir haben: Ich bin nicht gut genug! Ich habe diesen Job nicht verdient! Warum bin ich in diesem Job? Ich könnte jederzeit ertappt werden! Das löst Angst aus und führt oft zu einer Art Starre, weil wir in Angst und Panik geraten.
Hast Du schon persönlich Erfahrungen mit dem Impostor-Syndrom gemacht? Wenn ja, was war die Konsequenz?
Ja klar, ich hatte es fast mein ganzes Leben gehabt! Das Schlimme daran ist, dass unser Umfeld diese Gefühle oft noch verstärkt. Dadurch habe ich immer gedacht: Ich muss mehr arbeiten, weil die anderen besser sind als ich! Einen Vorteil hat die Sache: Die Imposter-Gefühle zwingen uns, immer besser zu werden. Ich habe ständig Kurse gemacht, Bücher gelesen, mich weitergebildet.
Also hat das Imposter-Syndrom auch etwas Gutes…
Ja schon! Die Plus-Seite ist tatsächlich, dass Frauen den Druck verspüren, immer besser zu werden, sich weiterzubilden, noch einen Kurs zu belegen und dazu ein weiteres Fachbuch zu lesen. Das ist der Grund, warum es inzwischen so viele gute weibliche Führungskräfte gibt.
Die Kehrseite ist: Die permanente Selbstinfragestellung erzeugt Dauerstress, hält das Nervensystem in Alarmbereitschaft und lässt Leistung nie wirklich „ankommen“. Erfolge werden abgewertet, die eigene Kompetenz fühlt sich geliehen an, und die Messlatte rutscht ständig nach oben. Auf Dauer kostet das Energie, Selbstvertrauen und oft auch Sichtbarkeit. Genau das, was Frauen in Führungspositionen brauchen
Jetzt bietest Du Coaching an. Wie viele von den Menschen, die zu Dir ins Coaching kommen, leiden unter dem Imposter-Syndrom?
Ich glaube, es leiden alle Menschen darunter, zumindest bei mir im Coaching haben fast alle meine Kunden eine Version von „ich bin nicht gut genug“. Gerade bei Frauen kommen oft Gedanken ins Spiel wie: Meine Kollegen sind besser als ich. Ich habe zu wenig Wissen. Ich habe Mängel.
Wie war das bei Dir, als Du Dich mit dem Coaching selbständig gemacht hast?
Ich habe jetzt vier Jahre Coaching-Erfahrung. Am Anfang waren da viele typische Zweifel: „Kann man mit Coaching wirklich Geld verdienen?“ oder „Wie wirst du deine Rechnungen bezahlen?“ Genau das sind klassische Imposter-Gedanken.Ich habe gelernt, meine Gedanken bewusst zu hinterfragen und Schritt für Schritt anders zu denken. Mit der Zeit konnte ich dann feststellen, dass die richtigen
Kunden mich zur richtigen Zeit finden und ich meine Rechnungen bezahlen kann – ohne, dass ich übermäßig viel arbeite. Das ist der Beweis, dass es geht. Man kann daran arbeiten!
Wie hast Du das Imposter-Syndrom bei Dir ablegen können?
Durch Coaching, Therapie und viel Selbstreflexion, und ehrlich gesagt auch durchs Älterwerden haben sich diese Gefühle Schritt für Schritt aufgelöst. Heute sind sie praktisch nicht mehr da.
Ich habe dabei gleich mehrere Themen hinter mir gelassen: Phasenweise habe ich 95 Kilo gewogen. Sowohl das Imposter-Gefühl als auch das Übergewicht habe ich überwunden, indem ich angefangen habe, freundlicher mit mir selbst umzugehen und mich selbst zu lieben.
Das ist ein Prozess, den wir alle lernen dürfen. Weniger Selbstkritik, mehr Selbstannahme. Den eigenen Ausgangspunkt akzeptieren und von dort losgehen, statt sich ständig zu bekämpfen.
Wie kann man denn konkret an seiner Selbstliebe arbeiten?
Wir Frauen haben alle einen langen Spiegel. Ich gebe meinen Kundinnen die Aufgabe, jeden Morgen vor den Spiegel zu treten und mit sich selbst zu reden. „Ich finde Dich toll. Du siehst toll aus! Du hast tolle Beine, die tragen Dich durchs Leben.“ Du wirst sehen, das macht was mit Dir! Mit Selbstliebe kann man Themen wie Imposter am ehesten überwinden.
Woher kommt denn das Gefühl, nicht gut genug zu sein?
Wir alle kommen als glückliche Babys zur Welt. In Kindheit und Jugend kommen dann Zweifel auf: Ich bin nicht gut genug, und so weiter. Nicht selten tragen sogar unsere Eltern unbewusst dazu bei, weil wir auch dort beweisen müssen, dass wir gut genug sind – in der Schule, im Sport, und so weiter. Die Umwelt verstärkt das noch, teilweise Männer, aber oft auch andere Frauen. Dadurch wird es beinahe ein normaler menschlicher Zustand, sich nicht gut genug zu finden. Ich habe viel an mir gearbeitet, an meiner Selbstaktzeptanz. Das Leben ist viel leichter, wenn wir uns toll finden!
Welche Faktoren tragen Deiner Meinung nach besonders zur Entstehung des Impostor-Syndroms bei Frauen in der Arbeitswelt bei?
Viele. Wir Frauen werden oft reduziert auf unser Äußeres. Insbesondere Social Media sorgt hier für einen ständigen Vergleich. Dort gibt es viele fotogeshoppte Bilder, und teilweise auch wirklich toll aussehende Leute, mit denen wir uns ständig vergleichen. Außerdem ist der Management-Stil von fast allen Managern problematisch, denn es wird meistens ein großer Fokus auf die Schwächen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gelegt. Es wird viel mehr kritisiert als gelobt. Das wird nachweislich mehr mit Frauen als mit Männern gemacht – das ist schlechtes Management! Führungskräfte sollten den Fokus mehr auf die Stärken legen, auch in Jahresgesprächen.
Leiden Männer eigentlich auch unter dem Imposter-Syndrom?
Teilweise haben sie das auch. Aber den meisten Männern ist ihr Äußeres weniger wichtig als den Frauen; sie sehen das einfach weniger kritisch. Ein Mann tritt auch mit 25 Kilo Übergewicht vor den Spiegel und sagt: „Passt doch alles!“
Glaubst Du, dass Männer und Frauen unterschiedlich wahrgenommen werden, wenn es um das Impostor-Syndrom geht?
Schon… Manche Führungspersonen glauben, es sei praktisch, wenn sie eine Person haben, die nicht nein sagen kann, denn man kann sie einfach mit Arbeit überhäufen. Oft passiert das gar nicht bewusst. Gerade deshalb tragen Führungskräfte Verantwortung: Menschen zu stärken, ihnen zu vermitteln, dass sie gut genug sind, und sie zu ermutigen, Grenzen zu setzen.
Als ich Führungskraft war, habe ich meine Mitarbeiterinnen gelegentlich nach Hause geschickt, wenn ich gemerkt habe, dass sie zu viel arbeiten und über ihre Kräfte gehen. Ich sehe es als die Aufgabe einer Führungskraft, einen übermäßigen Arbeitswillen nicht auszunutzen, auch wenn es praktisch wäre.
Was sind die Auswirkungen von Imposter?
Die größte Auswirkung ist, dass wir uns selbst klein halten oder übertrieben viel tun, um uns zu beweisen. Das sorgt für großen Druck. Wie gesagt, hat das auch eine positive Seite. Weil ich mich extrem viel weitergebildet habe, verfüge ich jetzt über einen großen Wissens-Schatz.
Imposter wirkt auch nach außen, weil wir Herdentiere sind. Andere Menschen spüren, dass ich glaube, dass ich nicht gut genug bin. Weil Du diese Angst hast, wirst Du manchmal auf der Arbeit weniger ernst genommen. Und das hält uns zurück. Beispielsweise trauen wir uns nicht, unser Gehalt anzusprechen, weil wir glauben „eigentlich habe ich das Gehalt, das ich jetzt erhalte, nicht verdient!“ Dann traue ich mich natürlich nicht, nach einer Erhöhung zu fragen. Daher hat Imposter auch Auswirkungen aufs Einkommen. Das gilt auch für selbständige Frauen, wenn sie überlegen, welchen Stundensatz sie verlangen sollen.
Wie gehst Du in Deinen Coaching-Sitzungen mit Klientinnen um, die mit dem Impostor-Syndrom kämpfen? Welche Strategien empfiehlst Du, außer zu üben, sich selbst toll zu finden?
Als Erstes hinterfragen wir den Gedanken: Das Gefühl ist real, aber es ist nicht unbedingt die Wahrheit. Ich frage: „Welche Glaubenssätze begleiten dich?“ Bei vielen taucht sehr schnell „Ich bin nicht gut genug“ auf. Dann arbeiten wir daran, diesen Autopiloten zu unterbrechen. Denn man kann lernen zu entscheiden, ob man einem Gedanken glaubt oder nicht. Wir schaffen Klarheit darüber, was solche Gedanken in uns auslösen, indem wir in den Körper hineinspüren und wahrnehmen, welche Emotionen entstehen.
Im nächsten Schritt suchen wir realistischere Alternativen, oft in kleinen Schritten. Zum Beispiel: statt „Ich bin nicht gut genug“ eher „In manchen Bereichen bin ich jetzt schon gut genug“. Das Entscheidende ist die Praxis: die eigene Negativ-Story immer wieder zu hinterfragen und sich aktiv erlauben, auch etwas anderes zu denken.
Welche langfristigen Auswirkungen kann das Impostor-Syndrom auf die Karriere und das persönliche Wohlbefinden von Frauen haben?
Wenn Du durch Deine Gedanken ständig ein ungutes Gefühl hast, löst das Angst und Panik aus, z.B. dass Du Deinen Job verlieren könntest. Angst ist keine hilfreiche Emotion im Körper, sondern führt zu einer Starre, zu einer Art Lähmung. So kommt es beispielsweise zu Aufschieberitis. Man denkt „erst mal auf LinkedIn gucken, wer ist noch erfolgreicher als ich“. Das führt dann zu einer Negativ-Spirale.
Wer dagegen lernt, sich selbst zu lieben, strahlt innere Ruhe und Sicherheit aus. Erst aus dieser Haltung heraus entsteht echtes Interesse an anderen Menschen. Diese Selbstverbundenheit wirkt anziehend wie ein Magnet, während das Imposter-Gefühl eher das Gegenteil bewirkt. Deshalb lohnt es sich, bewusst an diesen inneren Mustern zu arbeiten.
Welche Schritte können Frauen unternehmen, um sich aus dem Einfluss des Impostor-Syndroms zu befreien und ihr volles Potenzial auszuschöpfen?
Ich führe beispielsweise jeden Tag ein Journal, keine To-Do Liste, sondern eine Done-Liste. Mit einer To-Do Liste fängst Du im Minus an, mit einer Done-Liste im Plus. Eine Done Liste tut uns richtig gut – nicht nur im privaten, sondern auch im beruflichen Bereich. Zum Beispiel „Gestern habe ich das Meeting gut gemanagt.“ Das beweist uns selber, dass wir gut sind.
Gibt es bestimmte Bücher, Workshops oder Ressourcen, die Du empfehlen kannst, um Frauen bei der Bewältigung des Impostor-Syndroms zu unterstützen?
Ein sehr hilfreiches Buch ist „Self Coaching 101“ von Brooke Castillo. Es eignet sich hervorragend, um sich strukturiert mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen. Der zentrale Gedanke: Wenn wir anders denken, verändern sich unsere Emotionen und damit auch unser Verhalten. Positive und hilfreiche Gedanken sind nichts, was einfach passiert, sondern etwas, das man bewusst üben kann. Ich greife selbst immer wieder darauf zurück, um meine Gedanken zu reflektieren und zu prüfen: Was ist gerade hilfreich? Was bringt mich weiter?
Ergänzend finde ich auch die Meditationen von Joe Dispenza sehr wirkungsvoll. Sie setzen direkt an unseren Gedanken- und Gefühlsmustern an und helfen, neue innere Zustände bewusst zu trainieren. Gerade wenn man weniger im Kopf analysieren und mehr über Erfahrung lernen möchte, ist das eine starke Unterstützung.
Wichtig ist: Veränderung passiert durch Wiederholung. Unsere gewohnten Denkmuster sind tief verankert — deshalb braucht es Übung, Geduld und die Bereitschaft, immer wieder neu zu wählen, was wir denken wollen.
Warum denken wir denn überhaupt oft so negativ über uns?
Evolutionsbedingt ist unser Gehirn vor allem darauf ausgerichtet, dass wir überleben und uns fortpflanzen. Für ein erfülltes Leben heute reicht das natürlich nicht, deshalb lohnt es sich, das eigene Denken bewusst zu steuern. Unser Kopf produziert ununterbrochen Gedanken, 2/3 davon sind eher kritisch oder negativ. Diese inneren Programme laufen automatisch ab und genau deshalb ist es so wichtig, sie zu bemerken und zu hinterfragen. Man kann lernen, nicht hilfreiche Gedanken zu unterbrechen.
Ich mache das auch ganz konkret: Wenn ich merke, dass ich gerade selbstkritische Gedanken habe, halte ich kurz inne und frage mich: Stimmt das wirklich? Was ist auch wahr? Worin bin ich gut? Was ist mir heute gelungen? Allein diese kleine Reflexion verschiebt den Fokus — weg von Selbstkritik hin zu mehr Realität und Selbstwirksamkeit.
Vielen Dank, Kathie, für diese vielen positiven Gedanken und Anregungen, die Du uns gegeben hast!
Goodie: Katherine Starks bietet an, dass die ersten Leserinnen, die sich dafür interessieren, 30 Minuten Gratis-Coaching bei ihr buchen können. Sie benutzt dazu das Tool Calendry, und hier ist der Link, um sich anzumelden: https://calendly.com/katherinestarks/30-min-fondsfrauen
Foto: Katherine Starks (2026)


