Eine Auswertung der Consorsbank ihrer Kundendepots im Zeitraum 2021 bis 2025 zeigt Folgendes: Der Anteil weiblicher Wertpapieranleger ist in den vergangen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen, insbesondere unter der jüngeren Anlegerschaft. Frauen haben breiter diversifizierte Depots als Männer. Über den 5-jährigen Betrachtungszeitraum schneiden Frauen-Depots im Schnitt besser ab als die Depots der Männer.
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Das Wichtigste in Kürze
- Das Gender Wealth Gap bei Finanzanlagen beträgt 35%. Das heißt: Frauen verfügen bei Geldanlagen im Schnitt über rund ein Drittel weniger Vermögen als Männer.
- Der Anteil weiblicher Wertpapieranleger ist in den vergangen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen. In der Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen liegt der Frauenanteil derzeit bei 37,1%.
- Aktien bilden in den Depots von Frauen wie Männern den größten Vermögensanteil. Allerdings setzten Männer Ende 2025 mit 55,5% gegenüber 47,3% bei den Frauen stärker auf Aktien. Frauen investieren dafür überdurchschnittlich häufig in ETFs und gemanagte Fonds.
- Frauen lieben ETFs. Fast drei Viertel aller Sparpläne bei Frauen laufen auf ETFs, bei Männern sind es rund zwei Drittel.
- Frauen investieren erfolgreicher als Männer: Mit einem knappen Vorsprung bei der Depot-Performance von 33,6 zu 31,4% haben Frauen im Schnitt das bessere Ergebnis erzielt (im Zeitraum 2021 bis 2025).
Zum Internationalen Frauentag am 8. März, bei dem es um die die Gleichstellung der Geschlechter geht, veröffentlichen viele Häuser Beobachtungen, wie Frauen und Männer unterschiedlich behandelt werden und agieren. Als Netzwerk Fondsfrauen schien uns eine Untersuchung der Consorsbank besonders interessant. Dabei geht es darum, wie Frauen anders investieren als Männer. Die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Frauen haben zwar weniger Vermögen zum Investieren, sind aber im Schnitt etwas erfolgreicher in der Kapitalanlage.
Beim Vermögen bestehen weiterhin große Unterschiede
Zunächst zur unterschiedlichen Größe des Vermögens: Laut einer Studie von Oxfam beträgt das Gender Wealth Gap bei Finanzanlagen 35%. Das heißt: Frauen verfügen bei Geldanlagen im Schnitt über rund ein Drittel weniger Vermögen als Männer. Berücksichtigt man alle Vermögensarten – also neben reinen Finanzanlagen auch Immobilien und Betriebsvermögen – fällt die Lücke zwar geringer aus, ist mit 27 % aber weiterhin deutlich.
Wir wollen aber wissen: Wie investieren Frauen konkret in Wertpapiere? Welche Altersgruppen treiben die Entwicklung? Auf welche Anlageprodukte setzen Frauen vor allem? Und wie hat sich ihr Vermögen im Vergleich zu dem der Männer entwickelt?
Zu diesen Fragen hat die Consorsbank anonymisiert Depot-Daten ihrer rund 1,86 Mio. Kundinnen und Kunden für den Zeitraum 2021 bis 2025 ausgewertet. Die Untersuchung ist nicht bevölkerungsrepräsentativ, liefert aufgrund der großen Stichprobe jedoch einen belastbaren Einblick in das Anlageverhalten privater Investoren.
Altersstruktur: Junge Anlegerinnen holen deutlich auf
Der Anteil weiblicher Wertpapieranleger ist in den vergangen fünf Jahren ist kontinuierlich gestiegen. Machten 2021 Wertpapierbesitzerinnen noch 26,4% der Kunden aus, belief sich der Anteil Ende 2025 auf 29,6%. Der Zuwachs geht vor allem auf jüngere Altersgruppen zurück. So wuchs der Anteil der Anlegerinnen im Alter von 18 bis 25 Jahren im Betrachtungszeitraum um 8,5 Prozentpunkte auf 42,0%… hier geht es schon beinahe Richtung Gleichverteilung.
In der Altersgruppe der 26- bis 35-Jährigen legte der Frauenanteil um 7,6 Prozentpunkte auf 37,1% zu. Trotz dieser positiven Entwicklung stellen Männer in allen Altersgruppen aber weiterhin die deutliche Mehrheit.
Vermögen: Frauen liegen deutlich hinter Männern
Ende 2025 verfügten Kundinnen bei der Consorsbank im Durchschnitt über ein Wertpapiervermögen von rund 69.200 Euro. Das sind rund 39.800 Euro weniger als bei männlichen Kunden. Zwar legte der Wert des Wertpapierbestandes der Frauen gegenüber dem Tief im Corona-Jahr 2022 bis Ende 2025 um gut 25.700 Euro bzw. 59,0% zu. Die Männer verbuchten im gleichen Zeitraum jedoch ein Plus von mehr als 41.400 Euro bzw. 61,3%. Die Vermögenslücke bleibt damit trotz wachsender Beteiligung am Kapitalmarkt erheblich.
Quelle: Consors
Diversifikation: Frauen legen breiter an
Aktien bilden in den Depots von Frauen wie Männern den größten Vermögensanteil. Allerdings setzten Männer Ende 2025 mit 55,5% gegenüber 47,3% bei den Frauen stärker auf Aktien. Frauen investieren dafür überdurchschnittlich häufig in ETFs und gemanagte Fonds. Ihre Depots sind damit diversifizierter aufgestellt – zumindest mit Blick auf die Anlagevehikel. Ob und wie stark die Investments regional oder thematisch gestreut sind, wurde nicht im Detail untersucht. Die stärkere Gewichtung von ETFs und anderen Fonds gegenüber Aktien lässt dies zumindest vermuten. Anleihen, Zertifikate und sonstige Wertpapiere spielen bei beiden Geschlechtern nur eine untergeordnete Rolle im Depot-Mix.
Auffällig ist der Bedeutungsgewinn von ETFs: Bei Frauen legte er von 2021 bis 2025 um 13,0 Prozentpunkte auf 35,9% in den Depots zu, bei Männern um 9,5 Prozentpunkte auf 30,2%. Relativ große Sprünge machten auch die Anteile von Anleihen und Zertifikaten; absolut bleibt ihre Rolle aber gering.
Quelle: Consors
Frauen und Männer haben unterschiedliche Aktien-Lieblinge
Aktien des Rüstungsunternehmens Rheinmetall und des Chiphersteller Nvidia standen bei Frauen und Männern zuletzt ganz oben auf dem Einkaufszettel. Besteht auf den Rängen drei bis sieben noch halbwegs Einigkeit, zeigt sich im weiteren Verlauf der Rangliste der Aktien mit dem höchsten Kaufumsatz 2025, dass die Präferenzen unterschiedlich waren. Mit Siemens, DroneShield, BYD, Münchener Rückversicherung, Apple und Covestro schaffen es bei den Frauen sechs Titel in die Top-20-Liste, die bei den Männern nicht vertreten sind. Umgekehrt fanden die Frauen im Vergleich zu den Männern weniger Gefallen an Aktien von Commerzbank (Männer Platz 10), BASF (Männer Platz 15), Thyssenkrupp (Männer Platz 16), Newmont (Männer Platz 17), Strategy (Platz Männer 18) und Alphabet (Männer Platz 19).
Sparpläne: Frauen setzen stärker auf ETFs
Wertpapiersparpläne sind bei Frauen beliebter als bei Männern. 46,7% der Frauen und 40,8% der Männer, die über ein Depot mit Bestand verfügten, legten 2025 regelmäßig Geld in ETFs, Aktien, Fonds oder Zertifikaten an bei der Consorsbank. Gegenüber 2021 wuchs der Anteil der Sparplannutzer bei den Frauen stärker als bei den Männern.
Nach oben ging es auch mit den Sparsummen. Sowohl Frauen als auch Männer investierten 2025 gegenüber dem Jahr 2021 spürbar mehr Geld in Sparpläne. Mit durchschnittlich knapp 3.900 Euro legten Frauen übers gesamte Jahr aber deutlich weniger Geld per Sparplan an als Männer (rund 5.500 Euro).
ETFs sind mit Abstand das beliebteste Sparplanprodukt bei Frauen wie Männern. Bei den weiblichen Anlegern sind sie aber nochmal gefragter als bei den männlichen. Fast drei Viertel aller Sparpläne bei Frauen laufen auf ETFs, bei Männern sind es rund zwei Drittel.
Auffällig ist der Rückgang bei Fonds-Sparplänen in den zurückliegenden fünf Jahren, auch wenn sie hinter den ETFs immer noch das am zweitmeisten genutzte Sparplanprodukt im Bestand sind. Aktiensparpläne gewannen wie die ETFs an Bedeutung über die zurückliegenden fünf Jahre, konnten den Fonds-Sparpläne aber noch nicht den Rang ablaufen.
Quelle: Consors
Performance: Frauen erzielen die bessere Rendite
Wer hatte das bessere Händchen beim Investieren in den zurückliegenden fünf Jahren (2021 bis 2025)? Mit einem knappen Vorsprung bei der Depot-Performance von 33,6 zu 31,4% haben Frauen im Schnitt das bessere Ergebnis erzielt.
Zugrunde liegt hier eine vereinfachte Performance-Berechnung mit Vergleich der Depotsalden zu Anfang und zu Ende des Untersuchungszeitraums unter Herausrechnung von Zu- oder Abflüssen, beispielsweise durch Wertpapierüberträge und unterjährigen Käufen und Verkäufen. Dividendenzahlungen, sofern sie nicht gleich wiederangelegt wurden, finden ebenso wenig Berücksichtigung wie Gebühren. Insofern handelt es sich um Annäherungswerte, die nichtsdestotrotz einen belastbaren Vergleich erlauben.
Betrachtet man den Performance-Verlauf über die vergangenen fünf Jahre, zeigt sich, dass die jährlichen Werte für die Frauen- und Männer-Depots recht nah beieinanderliegen. Lediglich im Jahr 2022 ist ein größerer Abstand sichtbar. Seinerzeit schüttelte die Corona-Pandemie die Börsen gehörig durch. Die Frauen waren möglicherweise resilienter aufgestellt mit ihrem breiter gestreuten Depot-Mix und verbuchten ein um 2,5 Prozentpunkte geringeres Minus als die Männer. Dieser Vorsprung war vermutlich der Schlüssel, der sie über den gesamten Betrachtungszeitraum die bessere Perfomance erzielen ließ.

Quelle: Consors
Ermutigung für Frauen, in Wertpapiere zu investieren
„Ich würde mir wünschen, dass die Performance-Werte der Depots unserer Kundinnen noch mehr Frauen ermutigen, in die Geldanlage mit Wertpapieren einzusteigen“, sagt Svenja Weith, Head of Brokerage bei der Consorsbank. „Der wachsende Anteil von vor allem jungen Frauen unter den Investoren zeigt, dass wir in der Gesellschaft auf dem richtigen Weg sind – aber noch lange nicht am Ziel. Der Abstand zu den Männern, was die Teilhabe am Kapitalmarkt angeht und die Vermögenswerte, ist immer noch zu groß. Finanzielle Selbstbestimmung sollte im Jahr 2026 eine Selbstverständlichkeit sein. Hierfür müssen sich aber auch Rahmenbedingungen ändern wie etwa die Unterschiede beim Arbeitseinkommen zwischen Männern und Frauen. Schließlich ist die Entscheidung, ob man zur Aktionärin oder zum Aktionär wird, maßgeblich an die persönlichen wirtschaftlichen Verhältnisse gekoppelt“, so Weith.
Das sehen die Fondsfrauen genauso: Gleicher Verdienst für gleiche oder gleichwertige Arbeit sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Letztlich profitieren auch Männer von finanziell unabhängigen Frauen, denn es entlastet sie von der Bürde, dass überwiegend sie die finanzielle Stellung der Familie tragen müssen. Partnerschaften auf Augenhöhe – auch finanziell – sollten das Ziel sein.
Foto: Canva (2026)




