Claudia Kneifel schreibt als Journalistin für den regionalen und überregionalen Teil der Main-Post und ist außerdem Autorin des Buchs „Verliebt, vertraut, verrechnet“. Seit der Veröffentlichung ihres Buchs ist Claudias Sichtbarkeit deutlich gestiegen und sie vernetzt sich viel mehr. Sie ist jetzt eine gefragte Rednerin und wird zu Buch-Lesungen in ganz Deutschland eingeladen.
Claudia, glaubst du, dass Frauen und Männer im beruflichen Kontext gleichermaßen sichtbar sind?
Ich bin Journalistin, und im Journalismus dominieren Männer die Chefredaktionen. Männer sind in unserer Branche einfach sichtbarer und netzwerken mehr. Natürlich gibt es einige bekannte Fernsehjournalistinnen wie Maybrit Illner oder Sandra Maischberger. Ich glaube, zurzeit verändert sich etwas, die Sichtbarkeit von Frauen nimmt zu. Beispielsweise schreibt Theresa Bücker viel über Gleichstellung, und viele weitere Journalistinnen haben aktuelle Bücher über Finanz- und Gleichstellungsthemen veröffentlicht. Auf der anderen Seite gibt es auch Autorinnen wie Alexandra Zykunov, die mit ihren Büchern „Wir sind doch alle längst gleichberechtigt! “ und „Was wollt ihr denn noch alles? “ Zahlen und Fakten liefert.
Es gibt ja verschiedene Branchen. Gibt es nur im journalistischen Bereich ungleiche Chancen für Frauen und Männer?
Nein, ich glaube fast in jedem Sektor, außer vielleicht im Sozial- oder dem Gesundheits-Sektor. Im Finanz-Sektor gibt es die Fondsfrauen. Ich finde es ganz toll, dass Ihr Euch um Gleichstellung in der Finanzbranche kümmert und Frauen ermuntert, sich gegenseitig zu unterstützen und zu netzwerken. Durch Eure Arbeit werden Frauen sichtbarer und vernetzen sich untereinander.
Warum ist Deiner Meinung nach Sichtbarkeit im Berufsleben wichtig?
Ich habe erst drüber nachgedacht, als Du mir die Fragen geschickt hast. Frauen machen weniger auf sich aufmerksam als Männer. Aber Sichtbarkeit bei der Arbeit ist enorm wichtig; nur so kann man zu einem Lob und damit zu Erfolg kommen.
Wie hat sich Deine Sichtbarkeit geändert, durch Dein Buch?
Durch das Buch, das ich geschrieben habe, wurde ich im Kollegenkreis anders wahrgenommen, wurde viel besser sichtbar. Viele haben gesagt: „Was, Claudia hat jetzt ein Buch geschrieben?“ Dann war ich auch auf der Buchmesse und habe darüber berichtet. Ich bin auf jeden Fall sichtbarer geworden.
Was kann man für seine Sichtbarkeit und für ein besseres Netzwerk tun?
Durch die sozialen Medien kann man sich heutzutage viel besser sichtbar machen als das noch vor einiger Zeit möglich war. Das ist relativ niederschwellig: Man macht ein paar Fotos von sich und schreibt etwas, stellt sich eben dar. Dadurch erweitert man sein Netzwerk.
Bist du dort auch aktiv? Und wieviel Arbeit macht das?
Ja, ich bin auf Instagram und bei LinkedIn. Aber natürlich machen gute Posts auch Arbeit. Wenn man nicht nur schreiben will, dass man sich freut, auf dieses oder jenes Event zu gehen, muss man sich interessante Themen überlegen und dann entsprechenden Content bringen. Ich habe das Glück, dass mir meine Tochter dabei hilft. Sie ist 19 und wirklich ein Social-Media-Profi. Sie hat mir schon mehrere kleine Tricks gezeigt.
Was können Frauen sonst noch tun, um sichtbarer zu werden und sich besser zu vernetzen?
Neben Social Media sind auch Konferenzen eine gute Plattform, denn dort versammelt sich ja jeweils die relevante Branche. Auf Konferenzen fällt mir auf, dass Frauen längst nicht die gleiche Redezeit zugestanden wird wie Männern – als Vortragende oder auf Panels. Hier sollten Frauen viel mehr darauf pochen, ebenfalls Beiträge leisten zu dürfen. Allerdings beteiligen sich Frauen auch in den Fragerunden deutlich weniger als Männer, dabei könnten sie es dort tun!
Mal ganz nebenbei: Findest Du die Fragen, die Männer nach den Vorträgen stellen, immer beeindruckend?
Nein, mal so, und mal so. Aber oft nicht wirklich!
Was glaubst Du, woran es liegt, dass Frauen weniger Redezeit zugestanden wird als Männern?
Frauen sind gern im Homeoffice. Wenn man aber nur im Homeoffice sitzt, ist es schwierig mit der Sichtbarkeit. Frauen sollten mehr rausgehen, Veranstaltungen besuchen, das Wort ergreifen, und mit den Leuten im Gespräch sein. Sichtbar zu sein und netzwerken ist durchaus Arbeit!
Manche Frauen trauen sich nicht, das Wort zu ergreifen. Was rätst Du denen?
Bereitet euch auf einige Themen gut vor, und dann schaut, dass ihr diese in Konferenzen unterbringt. Gut vorbereitet trauen sich weniger extrovertierte Frauen mehr zu als spontan etwas zu sagen.
Gibt es im Journalismus eigentlich typische Frauen- und Männer-Themen?
Als typische Frauen-Themen gelten Soziales, Familie, Care-Arbeit und Bildung; Politik, Wirtschaft und Finanzen sind dagegen klassische Männerthemen. Politik und Wirtschaft gelten als „hart“, „relevant“, „karrierefördernd“.
Soziales, Pflege, Bildung, Care-Arbeit gelten als „weich“, „nett, aber nicht systemrelevant“ – obwohl unser gesamtes System darauf basiert. Ich bin froh, dass ich mit dem Thema Rente eine gute Nische gefunden habe, die mir noch dazu richtig viel Spaß macht.
Kürzlich wurde Dein Buch „Verliebt, vertraut, verrechnet“ veröffentlicht. Erhöht dieses Buch Deine Sichtbarkeit?
Unbedingt! Ich rate jeder Frau, die gerne schreibt, ein Buch zu verfassen. Es macht zudem großen Spaß. Seit der Veröffentlichung meines Buches werde ich häufiger für Lesungen und Veranstaltungen gebucht. Das Buch hat nicht nur meine Sichtbarkeit gesteigert, sondern ermöglicht mir auch, neue Menschen in verschiedenen Städten kennenzulernen.
War Sichtbarkeit auch eine deiner Überlegungen, als du das Buch-Projekt angegangen bist?
Nein, den Zusammenhang habe ich im Vorfeld nicht gesehen. Ich habe mir wenig Gedanken gemacht, was sich ändern könnte, wenn das Buch veröffentlicht ist. Eigentlich habe ich überhaupt nicht viel über das Thema Sichtbarkeit nachgedacht.
Kommen die Leute auf Dich zu, oder tust Du etwas dafür?
Das Buch ist zwar ein guter Aufhänger, aber nur weil es da ist, kommen keine Leute auf mich zu. Ich mache aktiv Pressearbeit, und da steckt das Wort „Arbeit“ schon drin. Ich schreibe die Presse an, sage, wie wichtig das Thema Frau und Finanzen ist. Außerdem halte ich Lesungen in verschiedenen Städten … ich stecke da viel Zeit rein.
Gibt es ein paar Do’s und Dont’s, die Frauen bei ihrem Bemühen um mehr Sichtbarkeit berücksichtigen sollten?
Ich rate allen Frauen: Macht euch Gedanken über Sichtbarkeit und unterschätzt das Thema nicht. Schaut, wo ihr schon gut sichtbar seid, und wo ihr vielleicht noch mehr machen könntet. Es ist gut, sich alle paar Monate zu fragen. „Wie gut bin ich sichtbar? Wo kann ich mich in ein besseres Licht rücken, damit man meine Stärken besser sieht?“
Vielen Dank für diese tollen Sichtbarkeits-Tipps, Claudia!
Zur Buchbesprechung : Verliebt, Vertraut, Verrechnet. Erfolgreiche Altersvorsorge für Frauen ab 50
Photo: ©Benito Borschel


