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Buchbesprechung: Nachdenken über den Sinn des Lebens

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Von Bronnie Ware

Goldmann-Verlag

ISBN 978-3-422-15752-5

D: 9,99 €, A: 10,30 €

Paperback, 352 Seiten

Nein, das ist kein Buch für Depressive! Vielmehr ist es ja so, dass man um den Jahreswechsel herum Fazit aus dem sich neigenden Jahr zieht und sich mit guten Vorsätzen fürs kommende Jahr wappnet, und genau dazu kann dieses Buch positive Denkanstöße geben: Was denken Menschen, die am Ende ihres Lebens angelangt sind, rückblickend, was sie in ihrem Leben hätten anders oder besser machen können? Sind unsere Wertvorstellungen am Ende des Lebens dieselben wie jetzt, mitten im Hamsterrad des Lebens? Wovon wünschen wir uns später mehr, wovon weniger gemacht zu haben?

Die australische Autorin Bronnie Ware ist Krankenschwester und betreut Sterbende in ihren letzten Lebensmonaten. Es sind sehr intensive 1:1-Betreuungen, so dass sie tiefgründige Gespräche führt. Früher war Bronnie Ware Bankerin, fühlte sich aber mit diesem Leben nicht wohl und krempelte es grundlegend um. Lange Zeit tingelte sie mit ihrem Auto und ein paar Habseligkeiten durch die Gegend und genoss die Freiheit, Herrin ihrer Zeit und von nur wenigen Dingen zu sein. Dann fing sie an, als Palliativ-Krankenschwester zu arbeiten.

Auch Ware ist auf der Suche nach dem, was am Ende wirklich zählt im Leben und begibt sich daher in einen ernsthaften Austausch mit ihren Patienten. Diese sind offen, ohne Maske, ohne Statusdenken und mit dem Mut, gesellschaftliche Tabus zu hinterfragen – sie haben nicht mehr viel Lebenszeit und können sich daher nicht mehr mit Tabus und festgefahrenen und nie hinterfragten Regeln und Glaubenssätzen der Gesellschaft aufhalten. Sie ziehen Fazit.

John, ein ehemaliger M&A Berater, der als einsamer, alter Mann auf dem Sterbebett lag, meinte beispielsweise: „Das Problem ist, dass die Jagd nach mehr und das Bedürfnis, durch unsere Erfolge und Eigentümer Anerkennung zu finden, uns von den wirklich wichtigen Dingen abhalten können. Zeit mit Menschen zu verbringen, die wir lieben, Zeit mit Dingen zu verbringen, die wir lieben, und Ausgeglichenheit. Wahrscheinlich geht es überhaupt um Ausgeglichenheit, oder?“

Pearl, eine andere Patientin von Bronnie, sprach mit ihr darüber, dass sich viel zu viele Menschen als Opfer sehen, was niemandem etwas brächte: „Es gibt eine feine Trennlinie zwischen Mitgefühl und Opfermentalität. Mitgefühl ist eine heilende Kraft (…). Aber das Opfer spielen ist eine hochgiftige Zeitverschwendung, die nicht nur andere Menschen abstößt, sondern dem Opfer auch die Chance nimmt, jemals wirklich glücklich zu werden. Niemand ist uns irgendetwas schuldig. Wir sind es nur uns selbst schuldig, unseren Hintern hochzukriegen, uns über das zu freuen, was wir haben, und uns unseren Herausforderungen zu stellen. Wenn man das Leben aus dieser Perspektive angeht, dann wird man reich beschenkt.“ So sieht sie die Dinge am Ende ihres bewegten Lebens.

Das Buch geht sehr friedlich mit allen handelnden Personen um, und mit viel Respekt für das, was sie getan und entschieden haben. Es wägt ab, was man hätte anders machen können, um mehr Glück ins Leben jedes einzelnen Menschen zu lassen. Man braucht etwas Muße, um es zu lesen, denn in einzelnen Abschnitten ist es ein wenig langatmig, also kein Ruck-Zuck-Lebensratgeber.

Ich muss zugeben, dass ich das Buch nicht in einem Rutsch durchlesen konnte, weil mir 350 Seiten Nachdenkenswertes über das Leben zu viel auf einmal sind. Aber Peu à Peu liest es sich angenehm, als kleine Erdung und als kleine Nachdenk-Einheit zwischendurch. Auch Wibke Kuhns Übersetzung aus dem Englischen ist gut gelungen!

Fazit: Ein Buch, das sich bei weitem nicht so traurig liest wie der Titel vermuten lässt. Es regt zum Denken und zum Über-Denken des aktuellen Lebens und der Zielsetzung an und wirkt aus der Sichtweise von Bronnie Ware ehrlich und authentisch. Es klagt nicht an, sondern versucht, gemeinsam mit allen handelnden Personen auf eine bessere Lebens-Balance zu kommen. Lesenswert!