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Auch Männer in der Vaterrolle haben ihre Herausforderungen

Auch Männer in der Vaterrolle haben ihre Herausforderungen, fand Tobias Lovelace und gründete bei Fidelity International in Kronberg die Vätergruppe „Daddy-Group“ (#dadstuff). Ansonsten ist er kanalübergreifend bei Fidelity für das Eventmanagement in Deutschland mitverantwortlich. Fondsfrau Anke Dembowski spricht mit ihm darüber, was in der Daddy-Group gemacht wird. HR-Chefin Silke Jensen ist ebenfalls dabei und erklärt, wie die Daddy-Group sich insgesamt in die Mitarbeiter-Programme bei Fidelity einfügt.

Bei Fidelity International Deutschland gibt es verschiedene Mitarbeiter-Programme. Welche gibt es, und warum fördert man dies bei Fidelity International?
Silke Jensen: Bei uns gibt es unterschiedliche Aktivitäten, beispielsweise unser Fitness-Studio und Sporttreffs, die Vätergruppe, die Tobias Lovelace organisiert, verschiedene Mitarbeiter-Seminare, und so weiter. Wir möchten damit als Arbeitgeber ein attraktives Umfeld bieten, das die vielfältigen Interessen unserer Mitarbeiter anspricht. Solche Ideen müssen natürlich auch durch die Führungskräfte unterstützt und vorgelebt werden. Eine offene Kommunikation ist ein wichtiger Baustein hierfür. Hierzu haben wir zum Beispiel vor kurzem einen Workshop „Crucial Conversation Training für Führungskräfte“ angeboten.

Woher kommen die Ideen, wer initiiert die Aktivitäten?
Silke Jensen: Das ist eine Mischung aus Top-Down und Bottom-up. Manchmal starten wir in der HR-Abteilung eine Initiative, wie z.B. unser Gesundheitsmanagement „Your Balance“, und manchmal sind es die Mitarbeiter, die mit einer Idee auf uns zukommen und diese selbst vorantreiben. Bei Fidelity International unterstützen wir Initiativen unserer Mitarbeiter. Dazu haben wir eigens „Fidelity for everyone“ eingeführt. Das ist unser globales Netzwerk, in dem Mitarbeiter sich mit eigenen Ideen für ein vielfältiges Arbeitsumfeld einsetzen können, beispielsweise dass ein Redner zu einem bestimmten Thema eingeladen wird. Kürzlich hat eine Kollegin, die auch „Mental Health First Aider“ ist, in einem Workshop darüber gesprochen, wie sich die psychische Gesundheit stärken lässt. Oder nehmen Sie die Gruppe „Dad Stuff“, die Tobias Lovelace ins Leben gerufen hat. Als Unternehmen stellen wir für solche Dinge dann Räumlichkeiten, Zeit und ein Budget zur Verfügung.

Ja genau, die Vätergruppe! Herr Lovelace, was machen Sie bei „Dad Stuff“, und wie kamen Sie auf die Idee, diese Gruppe ins Leben zu rufen?
Tobias Lovelace: Ich hatte damals guten Kontakt zu jungen Vätern bei Fidelity; das war noch bevor ich selbst Vater wurde. In den Gesprächen fiel mir auf, dass Männer ein großes Interesse am Erfahrungsaustauch haben – eben auch über das Vatersein und das Thema Beruf und Karriere als Vater. Gegründet haben wir die Daddys Group dann vor rund drei Jahren, und die Treffen finden mehrmals im Jahr statt. Zu den Veranstaltungen kommen etwa zwei Dutzend Männer.

Ist dieser Redebedarf unter Vätern erst jetzt entstanden, oder gab es den schon immer?
Tobias Lovelace: Ich glaube, dass er jetzt besonders groß ist, weil sich das Frauen-Bild insgesamt und das Bild von Frauen im Job geändert hat. Und wenn sich die klassischen Rollenbilder verändern, wirkt sich das natürlich auch auf die Männerwelt aus. Der Mann ist nicht mehr der alleinige Versorger. Das macht uns Männern einerseits das Leben leichter, andererseits erweitern sich dadurch unsere Aufgaben in der Familie und zu Hause. Solche Aspekte greifen wir thematisch auf.

Jetzt sind wir aber neugierig, was Sie in Ihrer Gruppe genau machen!
Tobias Lovelace: Wir bieten ganz unterschiedliche Formate an: z.B. hatten wir mal einen Kochkurs für Väter. Da ging es um pfiffige Gerichte, die schnell und leicht zu zaubern und möglichst gesund sind. Ein andermal hatten wir einen Erste-Hilfe-Experten für Kleinkinder im Haus. Als Keynote-Speaker hatten wir auch mal Volker Baisch, den Gründer von VÄTER gGmbH, hier. Der hat über das Vatersein im digitalen Zeitalter gesprochen. Was begegnet dem jungen, modernen Vater so alles?

Haben Sie auch Aktivitäten für Eltern, wo sich Väter und Mütter gemeinsam austauschen?
Tobias Lovelace: Ja, so etwas machen wir zukünftig auch. Gerne wollen wir ein Format entwickeln und anbieten, dass Eltern zusammenbringt sowie den Erfahrungsaustausch in den Mittelpunkt stellt. Hierbei dreht sich alles um praxisnahe Umstände wie z.B. das Einplanen von ungeplanten Situationen oder der erste blaue Brief für die Kinder.

Sie sprachen die Veränderung der klassischen Rollenbilder an. Welche Konflikte gibt es da für Männer?
Tobias Lovelace: Wir besprechen auch über die Rolle des Mannes in der heutigen Zeit. Einerseits soll er nach wie vor stark sein, andererseits aber auch verständnisvoll und weich. Es hilft, sich über diese unterschiedlichen Anforderungen auszutauschen. Viele Männer haben ganz klar das Bedürfnis, mehr Zeit mit ihrer Familie und den Kindern zu verbringen. Unter anderem befürchten sie, dass ihnen andernfalls später der Bezug zu den Kindern fehlt.

Haben Sie vielleicht generelle Zahlen darüber, wie viele Männer mittlerweile in Deutschland in Elternzeit gehen?
Tobias Lovelace: Das Statistische Bundesamt sagt, dass sich der Anteil der Väter in Elternzeit zwischen 2015 und 2018 von 32 % auf 50 % erhöht hat. Dabei nehmen 80 % der Väter 2 Monate Elternzeit. Übrigens hat die Elternzeit von Männern schöne Resultate außer der Tatsache, dass sich die Väter mehr mit ihren Kindern beschäftigen können: Männer, die Elternzeit genommen haben, lassen sich seltener scheiden; bei ihnen ist die Rate um 30 % niedriger.

Wie viele Väter nehmen bei Fidelity International Elternzeit?
Silke Jensen: Den Kulturwandel nehmen wir in der HR-Abteilung durchaus wahr. Hier am Standort Kronberg sind wir rund 300 Mitarbeiter, und das Männer-Frauen-Verhältnis ist etwa 50:50. In den letzten 5 Jahren haben bei uns 16 Väter Elternzeit genommen, davor waren es null. Das ist ein Anfang. Diese Gruppe wirkt auch als Vorbild. Es gelingt uns heute auch deutlich besser als früher, Frauen nach der Elternzeit wieder zurückzuholen, denn es sind ja auch heute noch mehr Mütter, die in Elternzeit gehen, und sie nehmen im Regelfall längere Zeiten als die Väter.

Was tut Fidelity International dafür, um die Frauen wieder zurückzuholen?
Silke Jensen: Wir bleiben mit den Mitarbeitern in Elternzeit im Kontakt. So laden wir sie zu unseren Firmenfesten ein – Väter wie Mütter. Alle zwei Jahre veranstalten wir einen „Open House Day“, wo Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz Familie und Freunden zeigen können. Man sieht auch immer mal in der Kantine Mitarbeiter in Elternzeit, die mit ihrem Baby vorbeikommen. Natürlich liegt es auch in der Hand der Teams, den Kontakt aufrecht zu erhalten – hier spielen unsere Führungskräfte eine wichtige Rolle. Neben dem Kontakt ist eine frühzeitige Planung von großer Bedeutung. Zum Beispiel: Wie soll der Job nach der Elternzeit idealerweise aussehen? Wir sind hier für viele Modelle offen – bei uns geht auch Führung in Teilzeit und mit Home Office. Wichtig ist der offene Dialog. Fidelity hat in den letzten Jahren einen riesen Schritt gemacht. Wir können uns heute viel besser und flexibler auf veränderte Familienkonstellationen unserer Mitarbeiter einstellen.

Vielen Dank für das Gespräch, Ihnen beiden!

Foto: HaniArt Fotostudio