Aktuelles Allgemein Frau denkt Job

Alternativen zu haben, macht frei

Ein guter Freund erzählte, dass er kürzlich beim ärztlichen Checkup war. Dabei hat ihm der Arzt offenbart, dass er sieben von zehn Indikatoren für Burnout-Syndrom hätte. Natürlich hatte er das innerlich längst gefühlt, aber es so konkret zu hören war dann schon eine andere Hausnummer. Wir sprachen darüber, ob er eine Weile aus seinem Job aussteigen solle, ob er sich in Behandlung begeben wird, was das für seine Karriere bedeuten würde, und so weiter. Er sagte dann einen Satz, der mich zum Nachdenken anregte: „Du hast es gut, Du kannst, wenn das eine nicht klappt, einfach etwas anderes machen. Du bist eine Frau. Ich kann nur das beruflich tun, was ich derzeit tue, aber offenbar tut mir das nicht gut.“

Ich bin Finanzjournalistin und habe nicht das Gefühl, dass ich ab morgen einfach beruflich etwas völlig anderes tun könnte. Aber mich ließ dieser Satz nicht los – vielleicht weil mir Freiheit sehr viel bedeutet. Beim nächsten Treffen mit verschiedenen berufstätigen Frauen fragte ich unverblümt nach, was sie sonst so machen, und es kamen höchst spannende Dinge zu Tage. Tatsächlich: Frauen machen unglaublich viel „nebenher“ und bauen sich dadurch teilweise ein 2. berufliches Standbein auf.

Frauen interessieren sich für viele Dinge und probieren sie aktiv aus
Eine Frau hatte neben ihrem eigentlichen Job eine Lizenz zur Fitness-Trainerin gemacht, um dann ein paar Stunden in der Woche in einem Fitness-Studio zu arbeiten. Das klingt nach sportlichem Ausgleich, etwas Taschengeld nebenher, und sie spart sich obendrein die Gebühren für das Fitness-Studio, da sie als Trainerin dort kostenlos trainieren darf.

Eine andere Frau erzählte, dass sie sich für Physiognomie interessiere, mit deren Hilfe man die Wesensmerkmale eines Menschen aus der reinen Betrachtung des Äußeren erkennen kann. Sie macht dafür eine ziemlich aufwendige Ausbildung und will demnächst eine eigene Website erstellen, um ihre Dienstleistungen in diesem Feld anzubieten.

Eine Frau, die ich ansprach, war künstlerisch begabt. Sie hat zum Hobby, aus Stoffresten schöne Dinge herzustellen, und verkauft diese auf Kunstmärkten. Und eine Lady aus dem Finanz-Business betreibt eine Gulaschkanone auf dem Oktoberfest – ein Interview mit ist hier zu lesen.

Eine Bäuerin aus meinem Wohnort am Bodensee fährt mit ihrem Trupp immer donnerstags bis samstags nach München, um dort auf Wochenmärkten Obst und Gemüse aus eigenem Anbau anzubieten. Sie erzählte, dass ihr dort regelmäßig verschiedene Frauen helfen, die beruflich eigentlich etwas völlig anderes tun. Sie machen dies nicht in erster Linie, um damit Geld zu verdienen, sondern weil die Tätigkeit als Marktfrau sie erdet und ihnen die Beschäftigung mit Grundnahrungsmitteln „Spaß macht“.

Mehr Zuversicht und „Freiheitsgefühl“ durch eine zweite Linie
Ich erinnerte mich daran, dass ich meinem Freund, der mir gesagt hatte „Du hast es gut, Du kannst einfach etwas anderes machen“, erzählt hatte, dass ich dabei bin ein Seminar auszuarbeiten, wie sich Führungskräfte auf Podiumsdiskussionen kleiden und geben sollten. Als Journalistin habe ich hier viele tolle, aber auch komische oder unvorteilhafte Dinge gesehen und möchte diese in einem Seminar verarbeiten. Vielleicht kam er deshalb darauf, dass ich einfach etwas anderes tun könnte. Und bei den Fondsfrauen tue ich im Prinzip ja auch etwas „anderes“.

Nun wurde mir klar, was mein Freund meinte: Er ist eng fokussiert auf das, was er beruflich tut, und ist darin zweifellos spitze. Durch die enge Fokussierung fühlt er sich aber offenbar in die Ecke getrieben, insbesondere in Situationen, wo Zweifel am aktuellen Job aufkommen oder sich dieser aus verschiedenen Gründen zeitweise nicht gut anfühlt.

Vielleicht ist das die beste Burnout-Prävention
Es ist ja nicht so, dass die Frauen, mit denen ich gesprochen habe, künftig von ihren Kunstmarkt-Erlösen leben wollen oder ihre gesamte berufliche Zukunft in der Physiognomie oder im Fitness-Studio sehen. Aber offenbar macht es locker und es atmet sich freier, wenn man neben der eigentlichen beruflichen Tätigkeit auch andere Dinge lernt und dann mit viel Engagement tut.

Wenn ich den Gedanken weiterspinne, scheinen Männer sich gern auf ein Thema zu fokussieren, und richtig tief darin einzutauchen. Natürlich tauchen auch Frauen tief in ihre jeweilige berufliche Materie ein, aber mir kommt es vor, als hätten sie einen weiteren Blick und beschäftigten sich gerne „nebenher“ mit etwas ganz anderem. Womöglich macht uns der bloße Gedanke „ich hab da noch eine zweite Linie“ jene Situationen etwas leichter, in denen sich unser Job einmal nicht gut anfühlt. Ohne dass wir dann gleich hinschmeißen, haben wir auf diese Weise nicht so sehr das Gefühl, in eine Ecke gedrängt zu sein, aus der wir nie wieder heraus kommen.

Also Ladies, lasst uns zimmern, nähen, basten oder uns mit Yoga, Physiognomie und anderen interessanten Dingen beschäftigen. Wie wär’s mit einem Instrument oder einer neuen Sprache? Warum denn nicht, wenn’s Spaß macht und vielleicht sogar eine Art Burnout-Prävention ist?


Dieser Kommentar gibt die Meinung von Fondsfrau Anke Dembowski wider.

 

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