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Interview: „Als COO halte ich den Betrieb am Laufen“

Seit Dezember 2007 ist Magdalini Moysiadou in der Geschäftsführung der Société Générale Securities Services GmbH in Unterföhring bei München tätig und verantwortet seit Juni 2017 als COO dort die Bereiche Asset Servicing, Fund Administration und IT Services. Fondsfrau Anke Dembowski spricht mit ihr darüber, was man als COO genau macht, und welche Fähigkeiten und Talente man dafür mitbringen muss. Zumindest empathisch und neugierig auf zukünftige Themen sollte man offenbar sein.

Es gibt so viele Drei-Buchstaben-Abkürzungen, aber nicht jeder unserer Leserinnen ist klar, was sich im Detail hinter der Abkürzung „COO“ verbirgt. Frau Moysiadou, was macht ein(e) COO eigentlich genau?
COO bedeutet “Chief Operating Officer”, es geht also um die Steuerung des operativen Geschäfts. Ich kümmere mich darum, den Betrieb am Laufen zu halten. Meine Teams und ich stellen sicher, dass unsere Dienstleistung tagtäglich erstellt werden kann, und zwar in der vorgegebenen Qualität und Geschwindigkeit. Außerdem habe ich unsere Wettbewerbsfähigkeit im Auge, was einer kostenoptimalen Leistungserstellung bedarf, nebst der Personal- und Budgetplanung für meinen Bereich.

Zu welchen Bereichen im Unternehmen gibt es Anknüpfungspunkte?
Sehr stark zum Vertrieb, und zwar sowohl zur Markt- als auch zur Kundenseite. Mein Bereich unterstützt den Vertrieb, indem beispielsweise neue Produkte/Services und Finanzinstrumente integriert werden und wir dafür sorgen, dass die Qualität unserer Dienstleistung hoch bleibt, denn das ist die gesunde Basis jeder Geschäftsbeziehung. Themen wie Innovation, Digitalisierung und höhere Automatisierungsgrade sowie die Analyse, welcher Teil der Wertschöpfungskette kann und muss vor Ort in München produziert werden und welcher nicht – Stichwort: Outsourcing/Offshoring –, gehören auch in mein Aufgabenfeld.  Eine meiner aktuellen spannenden Fragestellungen ist, wie wir mit den neuen Technologien wie Machine Learning, RPA/Robotics oder KI noch kostenoptimaler und sicherer produzieren können, damit wir unsere Mitarbeiter noch besser einsetzen können – vor allem auf mehr wertstiftenden Aufgaben.

Welchen Studienschwerpunkt sollte man wählen, wenn man anstrebt, COO zu werden? Und welche Kenntnisse und Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Ich habe in meinem Studium zur Diplomkauffrau den Schwerpunkt Finanzen gesetzt. Gut ist auch der Schwerpunkt Internationale Unternehmen. Als COO muss man verstehen, wie die Märkte funktionieren; dazu braucht man gute Kenntnisse in den Finanzinstrumenten und der Finanzmärkte. Kenntnisse in Personalführung sind natürlich auch wichtig, immerhin berichten hier 120 Mitarbeiter direkt oder indirekt an mich, das ist hier in Unterföhring bei München rund die Hälfte der Belegschaft. Bei mir im Bereich laufen auch immer viele Projekte, bei denen ich als sogenannter Projekt-Sponsor die Rahmenbedingungen bestimme und beeinflusse, und den Verlauf des Projektes eng begleite. In der Vergangenheit und auch aktuell müssen wir zahlreiche regulatorische Projekte umsetzen, denken Sie etwa an die Investmentsteuerreform, MIFID oder auch den Brexit. Parallel zu den genannten Projekten kommen auch immer neue Kundenprojekte dazu. Die Themenstellungen bei einem COO sind vielfältig – kein Tag ist hier wie der andere, zumindest bezogen auf die unterschiedlichen Themenstellungen!

Wie sieht denn so ein üblicher Arbeitstag bei Ihnen aus?
Ich habe viel mit Menschen zu tun, sei es im direkten Gespräch, in Meetings, oft auch in internationalen Telefonkonferenzen, da wir ein Tochterunternehmen der Société Générale sind. E-Mails zu bearbeiten gehört natürlich genauso dazu wie das Reisen.

Es hört sich in der Tat so an, als müssten Sie als COO ziemlich viele Bälle gleichzeitig in der Luft halten. Sind Frauen Ihrer Meinung nach besser darin als Männer?
Es ist richtig, dass ich viele Themen gleichzeitig am Laufen halten muss. Ich arbeite mit meinen anderen Geschäftsführer-Kollegen gut Hand in Hand. Ob Frauen besser darin sind, viele Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten? Ich denke, nein. Das Geschlecht ist unerheblich, es kommt auf die Persönlichkeit an. Wichtig für mich ist in diesem Zusammenhang, fokussiert zu bleiben.

Neben der Ausbildung sind ja auch Talente notwendig. Welche Talente muss man als COO mitbringen?
Neben einer effizienten Arbeitsweise und Struktur, wie man Themenstellung angeht, bedarf es auch der Fähigkeit, gut zu verhandeln, da viele unserer Providerverträge bei mir im Bereich konzentriert sind. Last but definitiv not least sollte man die Bühne nicht scheuen, sei es im großen wie im kleinen Rahmen; eine gewissen Portion Lust am „Entertainen“ sollte man auf alle Fälle haben.

Und welche Social Skills braucht man in dem Job?
Zuhören, Empathie und Interesse am Menschen. Ich interessiere mich dafür, was mir meine Mitarbeiter zu sagen haben. Mein Job bringt es mit sich, dass ich beispielsweise für viele Themen eine Eskalationsstufe bin. In diesen Fällen bedarf es der Fähigkeit, Themenstellungen aus verschiedenen Positionen zu betrachten und dann am Ende die beste Lösung für das Unternehmen zu finden. Als COO stoße ich auch viele Themen an, setze Impulse und muss auch Konflikte aushalten, dafür braucht es Mut.

Ist es denkbar, den Job einer COO in Teilzeit zu erledigen?
Ich glaube, Teilzeit-Lösungen sind generell schwierig auf dem C-Level, aber es ist auch nicht unmöglich. Als Teilzeit-Kraft läuft man immer Gefahr, dass man genauso viel arbeitet, sich das Ganze aber „Teilzeit“ nennt. Als COO können Sie natürlich nicht sagen „ich bin aber in Teilzeit, daher geht dies oder das nicht“. Die Themen sind einfach da und müssen gelöst werden. Grundsätzlich bin ich ständig erreichbar, also 24/7.

Wie sehen Sie Ihren Job als COO ganz persönlich?
Mir macht mein Job enorm viel Spaß. Wirklich: Ich habe drei Kinder zu Hause und würde den Job sicher nicht machen, wenn er mir keinen Spaß machen würde. Er nährt mich finanziell und intellektuell. Natürlich ist nicht alles rosig, es gibt schöne und schwierige Themen. Und für alle Menschen in Führungspositionen gilt: Sie brauchen Ausdauer, Transformationswillen und eine gute Portion Empathie und Neugier.

Vielen Dank für dieses Interview, Frau Moysiadou!