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Weltenbummler statt Nesthocker: Junge Elite drängt ins Ausland

Die Top-Talente in Deutschlands Wirtschaft haben schon Erfahrungen im Ausland gesammelt, und es zieht sie wieder in die Ferne. Das ist das Ergebnis einer Analyse von The Boston Consulting Group (BCG) und WirtschaftsWoche, der eine Befragung unter 120 Top-Talenten der deutschen Wirtschaft zugrunde liegt, die im Rahmen der Initiative Vordenker entstanden ist. Zwei von drei Vordenkern waren beruflich schon länger als sechs Monate im Ausland. Die Mehrheit könnte sich sehr gut vorstellen, in Zukunft sogar für 3 – 5 Jahre in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten.

„Die Mehrheit der Vordenker glaubt, Expat-Erfahrungen sind wichtig für eine erfolgreiche Karriere“, sagt BCG-Senior Partner Prof. Dr. Rainer Strack, der bei BCG weltweit für Personalthemen verantwortlich ist. Rund drei Viertel der Top-Talente sind sich schon heute sicher, dass sie im Verlauf ihrer Karriere im Ausland arbeiten möchten.

Karriere-Beschleuniger Ausland
Das gilt jedoch nicht für den durchschnittlichen Arbeitnehmer. „Während neun von zehn Vordenkern berufliche Auslandsaufenthalte prinzipiell attraktiv finden, interessiert sich nicht einmal die Hälfte der Arbeitnehmer in Summe für eine Karriere andernorts“, erklärt Strack. In der Studie Decoding Global Talent hat er mit seinem Team und The Network, einem internationalen Zusammenschluss führender Online-Jobbörsen, weltweit 200.000 Arbeitnehmer zu Themen globaler Mobilität befragt, davon mehr als 16.000 aus Deutschland.

Die Beweggründe für berufliche Auslandsaufenthalte unterscheiden sich ebenfalls zwischen der Gruppe der Vordenker und der durchschnittlichen Arbeitnehmer. Rainer Strack: „Im Vergleich zu Arbeitnehmern allgemein scheinen Vordenker deutlich mehr Wert auf kulturelle Erfahrung, persönliche Herausforderungen und Zugang zu neuen Netzwerken zu legen.“ Darin liegt laut den Vordenkern der Mehrwehrt von Auslandsaufenthalten: Sie erhalten damit Gelegenheit, sich in interkulturellen Kompetenzen zu üben und ihren persönlichen Horizont zu erweitern. Davon profitieren auch die entsendenden Firmen, sind mehr als 90 Prozent der Vordenker überzeugt.

Top-Talente auf ihrer Reise unterstützen
Westliche Länder sind erste Wahl bei dem Ziel der Auslandsaufenthalte. 60 % der Vordenker sehen die USA als herausragende Region für Expat-Erfahrungen – gefolgt von Kanada und Australien. Asiatische, arabische und afrikanische Länder finden die Top-Talente weniger attraktiv. Als Gründe dafür geben die Vordenker Sicherheitsbedenken an, kulturelle Differenzen und die Einstellung dieser Länder gegenüber Frauen und Homosexuellen.

Doch auch eine Rückkehr nach Deutschland ist für die Vordenker möglich: Mehr als ein Drittel würde ihre Koffer für die Heimat packen, wenn berufliche oder familiäre Gründe dies erfordern.

„Unternehmen, die Top-Talente langfristig binden wollen, sollten ihnen ermöglichen, Erfahrungen im Ausland zu sammeln. Sie sollten Entsendungen einfach machen – zum Beispiel mit interkulturellen Trainings vorab, einer guten Betreuung in der neuen Wahlheimat und interessanten Einsatzmöglichkeiten“, sagt BCG-Experte Strack. Wer die junge Elite für sich gewinnen wolle, unterstütze sie auf ihrer Reise.