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„Verlasse gelegentlich Deine Komfortzone!“ Blackrock-Veranstaltung mit Dr. Manuela Rabener, Scalable Capital

Etwas schwer zu finden war das neue Büro von Blackrock in München, denn an den neuen Räumlichkeiten direkt am Lenbachplatz war das Firmenlogo noch nicht angebracht. Aber zahlreiche Frauen hatten den Weg doch gefunden und kamen zu Blackrocks Frauen-Event am 19. Oktober, wobei Blackrock kürzlich auch Förderer der Fondsfrauen geworden ist.

Peter Scharl, Vorstandsmitglied von BlackRock Asset Management Deutschland AG begrüßte die Teilnehmerinnen über Tele-Video aus London. „Bei Einstellungen steht bei uns das Thema Diversity sehr weit oben. Im täglichen Doing macht es Spaß, in diversifizierten Teams zu arbeiten, und Studien haben gezeigt, dass auch die Business-Resultate besser sind“, erklärte Scharl, der auch Inclusion- and Diversity-Officer ist.
Er berichtete von Larry Finks Besuch in Deutschland – er ist Blackrocks Gründer, Chairman und CEO – und dass er 10 Minuten ausschließlich über Diversity gesprochen habe. So seien von den 480 Graduate-Studenten, die Blackrock dieses Jahr als Analysten eingestellt habe, 52% Frauen und 48% Männer.
Anne Connelly stellte dann kurz die Aktivitäten der Fondsfrauen vor, und dann erzählte Dr. Manuela Rabener sehr spannend über ihren persönlichen Karriereweg. Sie ist heute Chief Marketing Officer beim Robo-Advisor Scalable Capital, die u.a. mit iShares und anderen ETF-Anbietern zusammenarbeiten.
Cut your losses!
Mit Mathe und Kunst als Leistungsfächern studierte sie zunächst Theater-, Film- und Medienwissenschaften, schwenkte dann aber bald um auf BWL mit Schwerpunkt Wirtschafts-Mathematik. „Wenn man merkt, dass man auf dem falschen Weg ist, muss man seine Verluste rasch begrenzen“, kommentiert sie den Wechsel.
Schon als Studentin machte sie in der Investment-Division von Goldman Sachs ein Praktikum, was zu Zeiten des Neuen Marktes äußerst spannend, aber auch sehr arbeitsintensiv gewesen sei.
Verlasse gelegentlich Deine Komfortzone und suche Dir ein Team, in dem Du gerne arbeitest!
Anschließend studierte sie im französischen Lyon, obwohl ihr Französisch zu der Zeit keineswegs grandios war. „Es lohnt sich, sich in Situationen zu manövrieren, in denen man seinen circle of compentence verläßt. Man wächst daran“, ist ihre These zum Mitnehmen dazu.
Nach dem Studium heuterte Rabener bei McKinsey an. „Ich habe dort in meinem ersten Job weniger verdient als während meines Studenten-Jobs, aber ich arbeitete ja auch nur 80 Stunden und nicht 110, wie bei Goldman Sachs.“ Dort war sie im Risiko Management für Konsumgüter tätig. Weil ihr das erste Team, in dem sie arbeitete, nicht zusagte, wechselte sie in ein anderes. „Man muss sich ein Team suchen, mit dem man gut und gerne arbeitet“, ist ihre nächste These.
Anschließend nahm sie eineinhalb Jahre frei, um zu promovieren, was sie im Nachhinein als wenig hilfreich ansieht: „Der Doktor-Titel bringt im internationalen Business nichts.“
Zurück bei McKinsey ging es nach New York, Dubai und London, da sie an einem Global Rotation Program teilnahm. „Das hat sich gelohnt, denn ich habe dort meinen jetzigen Mann kennengelernt“.
Aufbau eines e-Commerce-Unternehmens in Russland
Kurze Zeit später verließ Rabener das Beratungsunternehmen und machte sich selbständig mit einem e-Commerce-Unternehmen für Kindersachen. Aber ihre erste Unternehmensgründung war nicht erfolgreich. „Ich bekam dann das Angebot von Rocket Internet, in Russland den Möbel-Internet-Vertrieb aufzubauen.“ Sie ging darauf ein und zog kurzerhand nach Moskau. Von den Herausforderungen, die Logistik, Steuer und Zoll in Russland darstellen, kann sie teilweise lustige Geschichten erzählen. Aber immerhin: „Nach 2 bis 3 Jahren waren wir mit Westwing in Russland profitabel“.
Sie ergriff dann die Chance eines neuen Angebots, und fing zusammen mit einigen Westwing-Kollegen bei Scalable in London an. „Ich verstehe das Produkt sehr gut, weil ich ja Finanz-Ökonometrie studiert habe, und die Kombination aus Marketing, Design und Ökonometrie finde ich unglaublich spannend.“
Zum Schluss gibt Rabener den Teilnehmerinnen noch zwei Sätze mit auf den Weg: „1. Frauen sollten sich mehr zutrauen als sie denken, dabei auch mal ins kalte Wasser springen. Es wird schon klappen! Und 2.: Frauen verkaufen sich oft unter Wert. Man muss sicherstellen, dass das, was man tut und geleistet hat, auch gesehen wird.“ Anstatt zu sagen „das kann ich nicht“, sollten wir lieber sagen „das habe ich noch nicht gemacht, aber ich werde mich einarbeiten.“
In ihrem aktuellen Job ist Rabener glücklich. „Mir macht es Spaß, unternehmerisch tätig zu sein und Entscheidungen zu treffen.“ Das ist der Unterschied zu ihrem Beratungs-Job bei McKinsey: „Dort konnte ich die Unternehmen beraten, aber die letztendliche Entscheidung haben andere getroffen.“
Fotos: Anke Dembowski