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Buchbesprechung: „Mutprobe – Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden“

CoverAutorin: Bascha Mika
btb-Verlag, ISBN 978 -3-442-74967-6
D: 9,99 €, A: 10,30 €
Paperback,  320 Seiten.
Erschienen im Juni 2015

 

In ihrem Buch behandelt sie die innere und äußere Wahrnehmung des Älterwerdens – das allein ist ein Verdienst, weil dieses Thema ansonsten nicht so konkret angesprochen wird, weil es irgendwie peinlich ist. Während junge und als sexy empfundene Frauen auf Schritt und Tritt – neben ihrer fachlichen Qualifikation und ihrer Persönlichkeit – auch als Sexualobjekt wahrgenommen werden, erhalten Sie dafür einen Bonus – sozusagen einen Sex-Bonus. Wenn dieser wegfällt, ist das eine Veränderung, die auffällt, zumindest uns Frauen.

Soweit so gut, könnte man hier meinen, dann geht es Frauen jenseits dieser imaginären Grenze um die Lebensmitte genauso wie jedem Mann, der ebenfalls durch Qualifikation und Persönlichkeit auf sich aufmerksam machen muss und nur selten durch Sexyness weiter kommt – zumindest im Beruf.

Doing aging
Aber Bascha Mika zieht das Thema anders auf. Sie sieht es als soziologisch-politisches Problem, dass die Welt der Männer in der zweiten Lebenshälfte von den Jahren unbeeindruckt und so weiträumig wie zuvor zu sein scheint, während sich die Auswahlmöglichkeiten für Frauen verengt – sowohl privat als auch beruflich. „Älterwerden ist zwar ein höllisches Spiel – aber in voller Härte trifft es nur Frauen“, meint Mika.

Sie führt die Tatsache auf, dass um die Lebensmitte herum viele Männer ihre Familien verlassen, um ein weiteres Mal Familienglück mit einer deutlich jüngeren Frau zu finden, und dass Frauen jenseits der 50 nur noch selten in der Fernseh-Öffentlichkeit zu sehen sind. Daher fehlen Frauen auch die Vorbilder, an denen sie sich orientieren können oder an denen sie ähnliche Alterungsspuren wie an sich selbst beobachten können.

Mika wird konkret: „Älterwerden wird nach zweierlei Maß gemessen – abhängig vom berühmten kleinen Unterschied. Beim Umgang mit dem Lebenslauf zeigen sich hässliche Widersprüche, zugekleistert von Tradition und gesellschaftlicher Doppelmoral. Denn es ist eben nicht egal, um wessen Leben es geht, es ist eben nicht dasselbe, ob Männer oder Frauen altern.“ Sie deckt auf, dass Männer ein Alter erreichen, während Frauen einfach alt werden. Dass die Abwertung der weiblichen Jahre mit einer solchen kulturhistorischen Wucht bis in das Seelenleben heutiger Frauen hinein wirkt, sei keineswegs evolutionsbedingt und somit natürlich gegeben, sondern man könne es ändern, meint Mika. Die bestehenden Machtverhältnisse würden aber dafür sorgen, dass es sich nicht von allein ändere, es handle sich um „doing aging“.

Sie ruft zum Widerstand auf: „Empört Euch! (…) Wollen wir nicht andere Verhältnisse, so dass sich Frauen und Männer in einem neuen, fairen licht betrachten können? In jedem Alter, zu jeder Zeit! Profitieren würden wir alle. Denn beim Kampf gegen äußere Altersspuren zum Beispiel geht der Trend dahin, dass Männer demnächst einem ähnlichen Druck ausgesetzt werden wie Frauen. Wem wäre denn damit geholfen? Niemandem. Außer der Schönheitsindustrie. Ein Gegenentwurf zur Abwertung des Älterwerdens sieht jedenfalls anders aus. Für den brauchen wir Mut, eine Portion Frechheit und die Lust, neue Räume und Möglichkeiten auszuloten.“

Es folgen viele Beispiele, wo Mika Ungleichbehandlungen von alternden Männern und Frauen aufdeckt – von Fernsehpersönlichkeiten bis zu literarischen Zitaten. Das ist ermüdend und macht bestimmt nicht fröhlich. Für mich war die permanent geschwungene Keule von Bascha Mika etwas zu viel – immerhin hat das Buch 318 Seiten – man möchte ja noch anderes tun.

Heilfroh war ich, dass ich nach dem Lesen des Buches zu einem Bourlesque-Workshop gehen konnte, zu dem ich mich angemeldet hatte. Die Trainerin – übrigens bereits Großmutter – tanzte fröhlich und unglaublich sexy in Netzstrumpfhosen und tiefem Dekolletee. Na bitte, Bascha Mika, es geht auch fröhlich!

Fazit: Das Thema ist erwähnenswert, Bascha Mika filetiert es anschaulich und gekonnt. Aber das Lesen des Buches saugt einem die Energie raus – Prädikat anstrengend! Leser müssen sich schon sehr für Emanzipations-Literatur interessieren – sonst lieber Bourlesque tanzen, hilft auch!

 


Anke DembowskiÜber die Autorin dieser Rezension:

Anke Dembowski
ist geschäftsführende Gesellschafterin und Gründungsmitglied der Fondsfrauen. Außerdem arbeitet sie als Finanzjournalistin, u.a.  für Fonds Professionell und Institutional Money.

(Foto: Daniela Prusina)