Aktuelles Allgemein Fokus: Fondsmanagerin Karriere

„Man hätte zwar gerne die Frau im Team, erwartet aber, dass sie mit den gleichen Verhaltensmustern wie die Männer agiert“

Es gibt viele interessante Berufe in der Investmentbranche, daher sollen an dieser Stelle nicht nur Fondsmanagerinnen, sondern auch Frauen in anderen Führungspositionen vorgestellt werden. Diesmal spricht Fondsfrau Anke Dembowski mit Susanne Hellmann, Geschäftsführerin von NN Investment Partners, German Branch (bis 7. April 2015 hieß diese Fondsgesellschaft noch ING Investment AG). Zuvor hatte Hellmann berufliche Stationen bei der Deutschen Bank, der Citibank und der MLP Bank. Es ist spannend, was sie zu Rollenbildern und zum Frauenanteil in der Fondsbranche zu sagen hat!

Fondsfrauen: Frau Hellmann, sagen Sie uns, was zu Ihren Aufgaben als Geschäftsführerin bei NN IP gehört?
Susanne Hellmann: Meine Aufgabe ist die allein verantwortliche Führung der deutschen Niederlassung von NN Investment Partners, das heißt die Entwicklung und Umsetzung der Geschäftsstrategie für den deutschen Markt in Bezug auf Kundenfokus/Kundenbetreuung sowie auf Produktangebot und -entwicklung unter Berücksichtigung von internen und externen Vorgaben und Richtlinien.

FF: Wie kam es, dass Sie bei einer Fondsgesellschaft arbeiten? War das schon früher Ihr Wunsch?
Hellmann: Ich hatte schon immer eine sehr große Affinität zu Zahlen und betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen, bin aber auch eine kommunikative und menschenorientierte Person. Beide Stärken lassen sich in der Fondsbranche gut umsetzen. Auf der einen Seite durch die Arbeit und die Entwicklung von Fondsprodukten/Anlagestrategien, und auf der anderen Seite durch die Zusammenarbeit mit Kunden und deren Betreuung.

Haben Sie sich von sich aus auf die Geschäftsführungsposition beworben? Oder hat Sie jemand dazu aufgefordert bzw. ermuntert?
Ich fand die Entwicklung hin zu einer Führungsposition immer schon sehr spannend und so eine Aufgabe war immer ein Ziel gewesen. Die Geschäftsführerposition hatte dabei aber nicht die höchste Priorität, sondern vielmehr eine, in der man grundsätzlich etwas bewegen kann und Verantwortung trägt. Es gab aber auch jemand, der mich dazu ermuntert hatte, und das war dann auch der richtige Schritt für mich.

Wie wichtig sind Vorbilder für Sie? Haben Sie spezielle weibliche Vorbilder oder Mentorinnen? Oder ist bei Förderern das Gender-Thema egal?
Ein bestimmtes Vorbild habe ich nicht, denn ich denke, man kann sich von vielen Menschen etwas ‚abschauen‘. Im Positiven wie aber auch im Negativen, eben dann auch Dinge nicht so oder anders zu machen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter, ist in seinen Handlungen und seinem Denken individuell und sollte daher seine Art zu handeln und zu agieren nicht verbiegen, weil andere damit erfolgreich waren.

In der Fondsbranche arbeiten zwar viele Frauen, aber nur wenige Frauen schaffen es in die Führungsetagen. Studien zeigen, dass das besonders in der Finanzbranche so ist, aber sie erklären nicht, warum. Welche Gründe sehen Sie dafür?
Ich glaube dafür gibt es einen entscheidenden Grund, der sehr stark mit den Rollenbildern zusammen hängt. Viele Unternehmen sind grundsätzlich offen für Frauen in Führungspositionen, aber leider nur in der Theorie. Unsere Branche hat über viele Jahrzehnte ihre Spielregeln in einer reinen Männerwelt festgelegt. Daher erwarten die meisten auch ein sehr männlich geprägtes Verhalten. Frauen agieren anders, sind erst einmal ruhiger, mehr auf der Zuhörer- als auf der Kriegerseite. Bei der Besetzung einer Position werden Frauen aber an der Werteskala der Männer gemessen. Man hätte zwar gerne die Frau im Team, erwartet aber, dass sie mit den gleichen Verhaltensmustern wie die Männer agiert. Sozusagen der Wolf im Schafspelz. Die wenigsten Frauen wollen das aber. Verstellen könnten wir uns alle, aber wir wollen lieber so bleiben wie wir sind. Daher haben viele Frauen auch kein Interesse daran, sich für eine Führungsposition zu verbiegen. Und werden dadurch auf der Arbeitgeberseite auch eher als schwach/ nicht so durchsetzungsstark im Vergleich zu den männlichen Kollegen eingestuft. Deshalb machen sich auch viele Frauen eher selbständig als in einem großen Konzern unter diesen Bedingungen zu arbeiten.

Welche Eigenschaften und Qualifikationen muss eine Frau mitbringen, um in der Fondsbranche Karriere machen zu können?
Sie sollte die gleichen Eigenschaften und Qualifikationen haben wie ihre männlichen Kollegen. Das nötige Fachwissen über Märkte, Strategie und Produkte. Und eine offene, kundenorientierte Umgangsweise mit den Kunden.

Es gibt Untersuchungen, die sagen, dass wenn eine Frau in einem Unternehmen eine Führungsposition innehat, diese bewusst oder unbewusst weitere Frauen in Führungspositionen holt. Ist da Ihrer Meinung was dran? Wie sieht das bei Ihnen aus? Fördern Sie gezielt Frauen?
Das kann ich so nicht bestätigen. Ich glaube dass von Frauen geführte Teams grundsätzlich eine gute Mischung zwischen Männern und Frauen aufweisen. Für mich ist bei der Auswahl der Mitarbeiter entscheidend, wie diese im Team zusammenpassen bzw. sich im Charakter und der beruflichen Qualifikation ergänzen.

Wie hoch ist bei NN IP die Frauenquote, und gibt es in Ihrem Unternehmen ein Programm, das Diversity oder speziell Frauen in Führungspositionen fördert?
Bei NN IP liegt die Frauenquote leider bisher unter dem Branchendurchschnitt der Industrie, sie beträgt zurzeit rund 33% und nur 16% in Führungspositionen. Daher wurde zu Beginn dieses Jahres ein neuer Bereich in unserer Zentrale geschaffen, der sich nur mit dem Thema Diversity befasst.

Als Geschäftsführerin sind Sie Chefin. Haben Sie das Gefühl, dass Männer sich allgemein nicht gern von einer weiblichen Vorgesetzten etwas sagen lassen?
Das kann ich für meine Person nicht bestätigen, aber ich höre das sehr oft. Da fehlt einfach noch die Akzeptanz bzw. das alte Rollenbild von Frau und Mann bricht oft noch durch.

Falls es da bei manchen Mitarbeitern Vorbehalte gibt, wie sollte man damit umgehen?
Ich glaube man kann hier nur durch Taten/ in der Praxis überzeugen, sei es durch Fachwissen oder strategische Lösungsansätze, die sukzessive Vertrauen in die Stärke der Führungsperson schaffen.

Vielen Dank für das Interview, Frau Hellmann!

 


 

hellmann_susanne_portrait_361a5Susanne Hellmann, Geschäftsführerin von NN Investment Partners, German Branch (bis 7. April 2015 hieß diese Fondsgesellschaft noch ING Investment AG)